25 Einsätze, zumeist auf der Autobahn 2 und der Bundesstraße 1 - die Feuerwehrleute aus Ostingersleben hatten 2013 nicht selten Übermenschliches zu leisten, ohne viel Zeit zum Nachdenken.

Ostingersleben l 11. Juni 2013: Um 10.15 Uhr wird die Freiwillige Feuerwehr Ostingersleben alarmiert. Bei einem Unfall auf der Autobahn 2, Südbahn Richtung Berlin, hat sich ein Pkw unter einen Lkw geschoben, dabei wurde eine Person eingeklemmt. Nur neun Minuten später erfolgt eine erneute Einsatzmeldung, denn am Stauende des ersten Unfalles ist ein Lkw auf einen anderen Lkw aufgefahren, wieder wurde eine Person eingeklemmt. Zum Glück kann der Rettungsdienst den Pkw-Fahrer vom ersten Unfall selbst herausziehen, so dass die Feuerwehr sich um den zweiten Unfall kümmern kann. Doch ein Verschnaufen ist auch da nicht in Sicht, denn nur Minuten später um 11.03 Uhr die nächste Meldung: vier Lkw sind am Stauende aufeinandergefahren. Drei Personen wurden dabei in ihren Fahrerhäusern eingeklemmt. Gemeinsam mit den Kameraden der Helmstedter Feuerwehr sind die Ostingersleben an diesem Tag bis gegen 17 Uhr im Dauereinsatz. Ein Lkw-Fahrer kommt ums Leben.

Dieses Szenario rekonstruierte Wehrleiter Friedhelm Kloß während der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr noch einmal, als es um die Einsatzstatistik 2013 der Ostingersleber ging. Fotos unterstreichen die Schwere, überall liegen Trümmerteile herum, der gesamte Rettungsdienst kommt nicht zu Atem.

So ähnlich wiederholt es sich am 12. August bei einem Massencrash auf der A 2 mit 13 Verletzten und am 2. August mit zwei Unfällen innerhalb weniger Minuten auf der A2 sowie am 21. August noch einmal mit zwei Einsätzen, wobei der zweite Einsatz zur Getränkeversorgung der im Stau stehenden Personen gedacht ist: sechs Stunden nach dem Unfall mit zwei Lkw auf der Nordbahn Richtung Helmstedt.

25 Einsätze hatte die Freiwillige Feuerwehr Ostingersleben im vergangenen Jahr, davon allein 13 Hilfeleistungen wie zuvor beschrieben. "Für eine freiwillige Feuerwehr wie unsere ist das ganz schön viel", betonte der Wehrleiter.

"Welche gerade auch seelische Belastung dabei entsteht, kann man als Außenstehender nur erahnen. Ihr wisst das alle selbst", sagte Friedbert Kloß und nannte als Beispiel den 19. Juli, wo auf der Bundesstraße 1 bei einem Verkehrsunfall ein vielen Feuerwehrleuten Bekannter aus Alleringersleben zum Unfallopfer wurde und von den Ostingersleben aus dem Fahrzeug geholt werden musste.

Insgesamt kam für drei Personen jede Hilfe zu spät. "Was wir geleistet haben, kann gar keiner gut machen. Dass eine Autobahn durch die Gemarkung führt, weiß jeder, aber man nimmt das so hin und geht davon aus, dass die Feuerwehren das schon richten", kritisierte der Wehrleiter. Es gebe keinerlei Anerkennung für das, was dabei ehrenamtlich abgedeckt wird, um Leben zu retten.

Baustellen müssen früher bei den Fahrern auf den Schirm

Als eine mögliche Ursache für die Häufung der Unfälle nannte der Wehrleiter eine Reihe von Baustellen, die zu dieser Zeit vorhanden waren. In solchen Fälle müssten die Kraftfahrer verstärkt im Vorfeld gewarnt werden, forderte Friedbert Kloß.

Seinen Dank richtete er an alle Feuerwehrleute, die bei den 557,96 Einsatzstunden ihre Freizeit geopfert hatten, um Leben zu erhalten und zu retten.

Auch bei den sieben Bränden des Jahres spielte die Autobahn 2 eine Rolle. Mehrere Fahrzeuge, darunter ein Tieflader und ein mit Stühlen beladener Lkw, waren auf der Autobahn in Brand beraten, einmal musste ein Feuer auf dem Randstreifen gelöscht werden.

Außerdem waren die Ostingersleber einmal zum Hochwassereinsatz an der Elbe bei Farsleben und zu vier sonstigen Einsätzen wie auslaufender Flüssigkeit und einem Fehlalarm unterwegs.

Zwei Tage, am 15. und 16. März, musste gemeinsam mit der Morsleber Feuerwehr auf dem Johannesgraben schwimmenden Diesel beziehungsweise Öl aufgefangen werden. Immer wieder mussten die Ölsperren, so genannte Sorbsperren gewechselt werden. Die Flüssigkeit war vermutlich zuvor bei einem Unfall mit fünf Lkw auf der Autobahn ausgelaufen und im Graben gelandet.

Trotz aller Einsatztätigkeit blieb die regelmäßige Ausbildung nicht auf der Strecke. Grundausbildung, Sprechfunkausbildung und Digitalfunkschulung waren nur einige der thematischen Stunden. Regelmäßig wurde auch geübt, um bei den Wettkämpfen im Löschangriff in der Umgebung teilnehmen zu können - mit großem Erfolg, denn beispielsweise beim Bereichsausscheid in Ivenrode holten die Männer und die Jugend den 1. Platz. Auch beim Freundschaftswettkampf in Eimersleben im September wurden die Männer 1. und 2., sie waren gleich mit zwei Teams am Start, und die Jugendfeuerwehr belegte den 2. Platz.

Selbstkritische Worte fand der Wehrleiter für die Arbeit mit der eigenen Jugendfeuerwehr. Obwohl diese aktiv ist und sehr erfolgreich arbeitet, sind die Ostingersleber händeringend auf der Suche nach einem Jugendwart. Friedbert Kloß bedankte sich bei jenen, die sich jetzt um den Nachwuchs in den Reihen der Brandschützer kümmern.