Auf die Spuren der Vergangenheit haben sich Geschichtsinteressierte begeben. Ziel der Exkursion ist die Erfassung von Kulturlandschaften. Die Wanderer haben den "Rösekenturm" in Schwanefeld aufgesucht und von geheimnisvollen Geschehnissen im Streitholz erfahren.

Schwanefeld l Unter dem Motto "Kulturlandschaften" starteten Geschichtsinteressierte von Schwanefeld, um auf Schusters Rappen und auch per Blechkarosse die Region zu entdecken.

Eingeladen hatten die regionalen Forscher der Projektgruppe "Kulturlandschaften", die zur Geschichtswerkstatt "Samuel Walther" in Wegenstedt gehört. Es ist die dritte Veranstaltung dieser Art. Kurt Buchmann, Leiter der Projektgruppe, begrüßte die Freunde und Gäste, die aus Schwanefeld, Sommerschenburg, Hohenwarsleben, Magdeburg, Bebertal, Eschenrode, Böddensell, Wegenstedt und Flechtingen kamen. Dann übernahm Karl-Jürgen Blanke, Vorsitzender des Schwanefelder Heimatvereins, die Führung.

Auf dem Fußmarsch gab es einen Fotovergleich zwischen dem "Rösekenturm" und dem "Alten Thorn" bei Behnsdorf. Außerdem konnten die Wanderer eine Karte mit "Merkwürdigkeiten" zur Lage mehrerer Warten und der Fürstenmauer bewundern. "Sind die Warten oder Steinstümpfe alte Landmarken - Wegweiser?", fragte Buchmann und erzählte, dass er ähnliches in einem historischen Film über Britannien gesehen habe.

Höhepunkt der Tour war der Blick zum Kapellenberg auf der anderen Seite der Aller. Die Entwicklung des Dorfes Warberg am Elm ist eng mit der Geschichte der Schwanefelder Kapelle verbunden. "Schon 1299 stattet Edelherr Ludolf I. seinen Kaplan Friedrich, der ursprünglich die Burgkapelle zu betreuen hatte, mit der bei Schwanefeld gelegenen Peterskapelle und ihren Einkünften aus", berichtete Blanke. Friedrich war anscheinend ein Angehöriger des Klosters Walbeck, das auf seine Rechte an der Kapelle verzichtet hatte. 1322 wurde die St. Peterskapelle nach Warberg vor die Burg umgesetzt. Blanke erzählte nach dem Wissen des Heimatschreibers Peter Wilhelm Behrends: "Zwischen dem Dorf und dem Helmstedter Gesundbrunnen lag von alters her noch ein kleines Dorf Retmershusen, welches wüst wurde unter dem Namen Streitholz. Bis zum Jahre 1386 war es ein Zankapfel des Stiftes Walbeck und der Herren von Veltheim auf Harbke."

Mit dem Pkw ging es dann nach Schwanefeld. Dort gab es viel Geschichtliches. "Die erste urkundliche Erwähnung nennt 1162 einen Hereward von Schwanefeld. Im 13. Jahrhundert besaßen die von Warberg viele Güter und Gerechtsame im Ort", so Buchmann.

Weitere Ausführungen machte Blanke über die Kirche, die Lage der vermutlichen Burg und den Resten der Wallanlage. So erfuhren die Interessierten, dass im 12. Jahrhundert die Schwanefelder Kirche im romanischen Baustil errichtet wurde. Das Schiff der Kirche hat eine Breite von elf Meter.

"Nur Städte konnten sich Kirchen mit solch einem breiten Schiff leisten. Balken, die eine Decke von elf Meter tragen konnten, wie sie in der Kirche verarbeitet wurden, waren auch damals schon sehr teuer", so der Vereinsvorsitzende. Schwanefeld soll vom Erzbistum Magdeburg im Gegenzug zu den aufstrebenden Orten Walbeck und Weferlingen unterstützt worden sein. Der Ort Schwanefeld hatte im 12. und 13. Jahrhundert das Stadtrecht.

Weiter ging der Fußmarsch zum Kleppersberg, wo es nicht nur viel Spannendes aus der Vergangenheit zu sehen gab, sondern Unmengen von wohlriechenden Bärlauch wächst. Auf dem Rückweg zum Forsthof ergab sich der Blick auf den Standort der alten Wassermühle. "Das Kloster Marienthal erwarb 1375 eine Wassermühle als Seelgift", erzählte Blanke.

Buchmann las aus dem Hausbuch der Familie von Veltheim zu Bartensleben (Anno 1681) vor: "Der Schwanefeldische Teich besetzt sich aus der Aller selber, wird auch alle zwei Jahr gefischt. Er trägt ums andere Jahr jetzt 40 Taler weniger oder mehr, hat sonst über 100 Taler getan." Diesen Teich gibt es jetzt nicht mehr.

Die nächste Tour der Projektgruppe ist bereits in Planung. Dann soll es nach Sommerschenburg gehen.