Eine Schachtanlage hat sich Sieghard Templin in seinen Garten gestellt. Drei Jahre hat er bis zur endgültigen Realisierung am Modell getüftelt.

Beendorf l Wer sich einmal dem Beruf des Bergmanns verschrieben hat, der bleibt das auch sein Leben lang. Sieghard Templin ist so ein Bergmann aus Berufung. Heute fährt er zwar nicht mehr tagtäglich in die Grube, denn er ist längst im Ruhestand, aber sein Herz hängt so sehr daran, dass er sich vor kurzem ein Modell vom Schacht Bartensleben in seinen Garten gestellt hat. Nicht das erste Objekt, das er in Beendorf errichtet hat, um dem Bergbau ein Denkmal zu setzen. An der Straßenecke zur Helmstedter Straße steht schon seit Jahren eine Lore, am Kindergarten eine Seilwinde, die er mit Klaus-Dieter Paul initiiert hatte.

Die Lore wird immer mal wieder frisch bepflanzt und geputzt. Schlägel und Eisen, die Symbole der Bergleute, zieren außerdem schon seit sechs Jahren den Eingangsbereich seines Grundstückes. Die Idee mit dem Schacht-Modell rumorte schon länger in Sieghard Templin. Während eines Urlaubs im Mansfelder Land hatten er und seine Frau etwas Ähnliches entdeckt und fotografiert. Von der Idee bis zur Realisierung vergingen aber nochmal insgesamt rund drei Jahre. Immer mal wieder tüftelte er an der Umsetzung, überlegte, welche Materialien am geeignetsten sind. Der Schrottplatz in Helmstedt steuerte so manches Stück dazu bei. Sein Sohn Michael brachte geeignetes Material mit.

Die ehemalige Flurförderanlage hat Sieghard Templin maßstabgerecht auf dem Papier konstruiert, bevor sie als Modell entstand. Sie besteht aus einem Turm mit Seilscheiben, den dazu passenden Seilen, der Schachthalle sowie den Fördergebäuden.

"Mit der Aufstellung eines Modells der Schachtförderanlagen wollte ich die Verbundenheit der Bergleute mit dem Oberen Allertal zum Ausdruck bringen", sagt Sieghard Templin. Seine eigene Lebensgeschichte ist wie die vieler anderer Familien in der Region eng mit dem Bergbau verbunden.

Im Schacht Bartensleben wurde 1913, also vor etwas mehr als 100 Jahren, erstmals gefördert. Der Burbach-Konzern hatte die Anlage in den Jahren 1910 bis 1912 errichten lassen oder abgeteuft, wie es in der Sprache der Bergleute richtig heißt. Bis 1918 wurden Kali- und Steinsalze gefördert. Über eine Seilbahn wurde das abgebaute Salz zur Weiterverarbeitung zu Düngemitteln für die Landwirtschaft in die Fabrik nach Beendorf befördert. Bis 1924 wurde das Abbaugut noch auf diese Weise zur Fabrik befördert, doch die Ausbeute wurde dann als zu gering eingeschätzt. Ab 1930 wurde der Schacht zur Luftwaffenproduktion und -lagerung umfunktioniert, nach dem Krieg begann noch einmal die Salzförderung, doch 1969 war endgültig Schluss damit. Es begann die Umrüstung für die Einlagerung von Atommüll. Am 14. März 1974 wurde der Turm des Schachtes gesprengt und die Anlage abgerissen.

Dies alles hat Sieghard Templin in seinem Kopf. Er kennt die Geschichte seines Schachtes aus dem Effeff, auch wenn er seine letzten Dienstjahre als Bergmann in Zielitz verbrachte. Mit der riesigen Salzhalde vor seiner Haustür im Rundahlsweg kann er leben, sie ist für ihn ebenso ein Symbol wie Schacht Marie gleich nebenan.