Die Jungstörche in Behnsdorf haben im Rahmen eines internationalen wissenschaftlichen Projektes, das das Zugverhalten der Weißstörche untersucht, einen 55 Gramm schweren Datenlogger bekommen. Zwei Mal am Tag sendet dieser Logger eine SMS mit der Position.

Behnsdorf l Die Spannung steigt. Alles steht bereit. Harald Wirth, Leiter des Bauhofes der Verbandsgemeinde Flechtingen, fährt die Leiter an den Storchenmast heran. Schaulustige sind aus dem ganzen Ort gekommen, um die Aktion mitzuerleben. Die beiden Jungstörche sollen im Rahmen eines internationalen wissenschaftlichen Projektes, das das Zugverhalten der Weißstörche untersucht, mit hochmodernen Sendern ausgestattet werden.

Während Dr. Michael Kaatz vom Storchenhof Loburg und der Israeli Shay Rotics von der Universität Jerusalem die Vorbereitungen für die Besenderung treffen, klettert Peter Loskarn, der sich als Storchenbeauftragter um die Langschnäbel im Altkreis Haldensleben kümmert, zum Horst hinauf. Wichtig sei es, den richtigen Zeitpunkt für die Besenderung zu finden, sonst fliegen sie vor der Aktion vom Nest. Die beiden Behnsdorfer Jungstörche können jedoch noch nicht fliegen. Die Storcheneltern sind unterwegs. Mit einem Kescher und mit gekonnten Handgriffen schnappt sich Loskarn die Jungstörche, steckt sie in seinen Rucksack und steigt wieder hinunter.

"Diese Jungstörche sind spät dran. Normalerweise sind die um diese Zeit schon größer. Aber das ist volle Absicht, denn wir wollen sehen, wie sie den Anschluss schaffen und wo sie lang fliegen. Die Spätbrutjungen haben eher die Neigung, die Westroute zu nehmen, auch wenn sie ostziehende Eltern haben. Das ist eine spannende Sache, aber das müssen wir noch wissenschaftlich erklären, warum das so ist", erklärt Kaatz.

Am Untersuchungstisch muss alles schnell gehen. Die Vögel werden mit der neuesten Variante der 55 Gramm schweren solarbetriebenen GPS-Sender (Global Positioning System) ausgestattet. "Damit bekommen wir zweimal am Tag eine SMS, wo sie sich befinden", so Kaatz. Wie einen kleinen Rucksack tragen die Störche die Geräte auf ihrem Rücken. Die Sender enthalten Solarbatterien, die ein Storchenleben lang halten sollen. "Die Sender behindern überhaupt nicht", erklärt Kaatz.

Das Auslesen der Daten seiner Störche übernimmt Hans-Günter Benecke, der auch ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter in Sachsen-Anhalt ist. "Für uns ist es natürlich wichtig, dass wir auch Informationen über die Störche von den Menschen vor Ort bekommen", so Kaatz.

Laut Statistik würden leider nur 30 Prozent der Jungstörche ihr erstes Jahr unbeschadet überstehen. Wenn das erste Jahr geschafft ist, sind die Überlebenschancen gut.

Die unzähligen Daten, die es von nun an auszuwerten gilt, werden Studenten in Potsdam, Konstanz und Jerusalem in zahlreichen Bachelor- , Master- und Doktorarbeiten beschäftigen. Auch Shay Rotice, der in Jerusalem Biologie studiert und sich besonders den Zugbewegungen von Tieren widmet, ist Doktorand. Neben der Besenderung notieren die Wissenschaftler Gewicht, Schnabelhöhe, -breite und -länge. Außerdem werden Federproben genommen, um genetische Untersuchungen machen zu können.

An dem wissenschaftlichen Projekt sind neben den genannten Universitäten auch das Max-Planck-Institut, die Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg und die Naturparkverwaltung Drömling beteiligt.

Bauhofchef Wirth hat die beiden Altstörche Hermann und Hermine genannt. Vor vier Jahren hat der Behnsdorfer den Mast auf Eigeninitiative aufgestellt. Im letzten Jahr hat es zum ersten Mal Nachwuchs gegeben. Mächtig stolz ist er nun auf die jungen Störche, die bald für die Wissenschaft auf Reise gehen.

Weitere Informationen über die Untersuchung zum Zugverhalten des Weißstorches gibt es im Internet unter www.storchenhof-loburg.info oder unter www.movebank.org

 

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