Rund 100 Frauen, Männer und Kinder radelten am Sonnabend auf dem Aller-Elbe-Radweg von Hillersleben über Haldensleben zur Ruine Nordhusen. Bei bestem Wetter weihten sie den letzten Abschnitt dieses Radwegs in der Stadt Haldensleben ein.

Hundisburg l "Wir wollten nicht nur einfach ein Band durchschneiden", sagte Bürgermeister Norbert Eichler, der sich auch aufs Fahrrad gesetzt hatte, um den letzten Abschnitt des Aller-Elbe-Radwegs in der Stadt Haldensleben einzuweihen. Mit dem Radweg könne die Stadt Haldensleben auch für den Tourismus etwas anbieten. Haldensleben sei zwar keine Tourismus-Hochburg, habe aber dennoch viel zu bieten. Gerade im Verbund mit der Umgebung sei die Stadt für Touristen durchaus attraktiv, sagt der Bürgermeister und blickte dabei auch auf den Ausgangspunkt der Radtour, die Klosterkirche in Hillersleben.

1,2 Kilometer lang ist der letzte Abschnitt des Aller-Elbe-Radweges auf dem Territorium der Stadt Haldensleben, der jetzt asphaltiert wurde. 250000 Euro habe das gekostet, sagte der Bürgermeister, auf insgesamt 1,1 Millionen Euro belaufen sich die Kosten für die gesamte Strecke in den Haldensleber Grenzen. Von den 80 Kilometern Aller-Elbe-Radweg zwischen Seggerde - mit Anschluss an den Allerradweg - und Hohenwarthe - mit Anschluss an den Elberadweg - liegen gut zehn Kilometer auf Haldensleber Territorium. Die Kreisstadt liegt also mittendrin im bundesweiten Radwegenetz. Und mit der Ruine Nordhusen ergibt sich sogar eine Verbindung des Aller-Elbe-Radweges mit der Straße der Romanik.

Etwa 15 Kilometer lang ist die Strecke von Hillersleben bis zur Ruine Nordhusen, die am Sonnabend bewältigt wurde. 35 Radler brachen in Hillersleben auf, weitere schlossen sich in Haldensleben an. Wolfgang Schramm vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), der auch alljährlich im Mai eine Route bei der Aller-Elbe-Spritztour führt, hatte die Führung übernommen.

Nicht nur Anwohner der Strecke traten am Sonnabend in die Pedale, Otto Müller radelte zum Beispiel aus Elsebeck nach Hillersleben, um dabei zu sein. Grünen-Stadtrat Bodo Zeymer war von Haldensleben nach Hillersleben gefahren, um die ganze Strecke mitzuradeln. Dorothea Hagemeier kam aus Meseberg. "Ich fahre gern Fahrrad", erzählte sie. "Ich fahre auch mit dem Fahrrad öfter nach Haldensleben zum Einkaufen, auch wenn ich dann häufig gefragt werde, warum ich nicht das Auto nehme." Am Sonnabend konnte sich die Mesebergerin über einen Picknickkorb mit einheimischen Erzeugnissen freuen.

Gertrud von Haldensleben, verkörpert von Kerstin Weinrich, hatte an alle Radler Lose verteilt. Der Bürgermeister zog davon drei Gewinner. Neben Dorothea Hagemeier konnten sich auch Erich Fitzner aus Hundisburg und Jürgen Nebel aus Haldensleben über einen Picknickkorb freuen.

Zu den jüngsten Radlern gehörte am Sonnabend der achtjährige Robert Engel aus Haldensleben. Er war mit seinem Vater Stephan Engel unterwegs. "Ich fahre gern Fahrrad", versicherte Robert. So unternimmt er jetzt mit seinem Vater auch mehrmals in der Woche eine kleine Tour. Am Freitag hatten sich beide mit einer Tour schon auf den Sonnabend eingestimmt.

Und wie alle Radler an diesem Tag genossen sie nicht nur die Radtour, sondern auch die Rast an der Ruine Nordhusen. Die meisten Radler stärkten sich nach der Tour erstmal und lauschten dabei der Musik. Jan Sichting brachte mit seinem Saxophon die große Musikwelt nach Hundisburg.

Unterhaltsam plauderte schließlich Ulrich Hauer über den historischen Ort: "Sie stehen hier mitten in der Kirche." In Zusammenarbeit mit der Universität Kiel, "die haben Geräte, mit denen sie in die Erde gucken können", konnte festgestellt werden, wo sich die Grundmauern der Kirche befanden. Heute sei nur noch der Turm im Westteil erhalten. Der Turm sei wahrscheinlich als letzter Teil der Kirche um 1200 gebaut worden. Ringsherum um die Kirche wurden die Toten bestattet.

"Nordhusen ist das Stonehenge von Haldensleben"

Ulrich Hauer

Da zur damaligen Zeit weder das heutige Hundisburg noch die Siedlung Medebeke - an der Straße gegenüber der Ziegelei - eine Kirche hatte, haben auch die Bewohner dieser Siedlungen hier an der Kirche von Nordhusen ihre Toten begraben, meinte Hauer.

Im 16. Jahrhundert sei begonnen worden, die Kirche von Nordhusen abzureißen, die Steine wurden zu Baumaterial für neue Häuser. Dass der Turm noch steht, sei wahrscheinlich der damaligen Gutsherschaft von Hundisburg zu verdanken. Zu den Zeit sei begonnen worden, Gärten künstlich anzulegen. Die Gartenkultur sah bestimmte Sichtachsen vor, das heißt, wenn die Schlossherren aus dem Fenster schauten, dann blickten sie in verschiedenen Richtungen auf besondere Eckpunkte. "In vielen Gärten wurden damals künstliche Ruinen geschaffen", stellte Hauer fest. "Das hat man sich hier gespart. Man hat den Turm stehen lassen."

"Nordhusen ist das Stonehenge von Haldensleben", scherzte der Hundisburger. Hauer sprach den Wunsch aus, dass diese früheren Sichtachsen auch mit Blick auf die Ruine Nordhusen und Umgebung noch stärker wieder herausgearbeitet werden, dass Bäume und Büsche ausgelichtet und Steine freigelegt werden.

1901 seien erste Sicherungsmaßnahmen für den Turm erfolgt, 1981 begann die touristische Erschließung mit der Ausweisung eines Naturlehrpfades. 1993 sei Nordhusen noch zusätzlich in die Straße der Romanik aufgenommen worden.

Während bei anderen Bauwerken der Romanik in der Umgebung nur noch 25 oder bestenfalls 50 Prozent des Bauwerkes wirklich romanischen Urspungs sei, biete Nordhusen noch 100 oder wenigstens 98 Prozent Romanik, machte er auf das Besondere aufmerksam.

   

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