Flechtingen l Mehrheitlich hat sich der Flechtinger Gemeinderat dafür ausgesprochen, die Turmwindmühle vor den Toren des Ortes rekonstruieren zu lassen. Der Abstimmung war eine recht kontroverse Diskussion unter den Ratsmitgliedern vorausgegangen.

Während Ulf Müller (FUWG) eher mit Skepsis auf das Vorhaben blickte und die bereits bestehenden finanziellen Belastungen für die Gemeinde im Auge hatte, begrüßte Günter Seifert (FUWG) das Vorhaben, mit einer Wiederherstellung das "Eingangstor" Flechtingens attraktiver zu machen. Die Deutsche Mühlengesellschaft hatte Bürgermeister Dieter Schwarz (FUWG) erst darauf hingewiesen, was für ein besonderes Kleinod da als Ruine dahinvegetiere. Ihr konischer Rumpf ist noch sichtbar erhalten, doch die fünf Jalousieflügel, Windrose und Petroleum-Motor fehlen dem um 1883 erbauten Mühlenwerk.

In der Flechtinger Chronik von Friedrich Draffehn steht: "Während die 1872 erbaute Holländermühle bereits 1913 wieder abbrannte, war die Wassermühle noch bis etwa 1960 in Betrieb. (...) Dabei ist besonders die Windmühle, von den Flechtingern nur "Holländer" genannt, eine Rarität. Der mächtige Torso ist 13,5 Meter hoch, die lichte Weite beträgt unten 10,50 Meter, oben noch 7 Meter. Vor allem war sie fünfflüglig."

Ob die Angaben der Jahreszahlen und zur Geschichte so korrekt seien, darüber sind sich die Experten noch nicht ganz einig. Andere Quellen gehen beispielweise davon aus, dass die Mühle 1883 erbaut worden war und ein Feuer sie 1911 zerstörte.

Doch die Einzigartigkeit ist der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) klar. Deren Präsident Erhard Jahn schrieb an die Gemeinde: "Die Mühle hat hinsichtlich ihrer Höhe das 1,25-fache einer vergleichbaren Normalgröße, hinsichtlich ihres Volumens das 1,7-fache. Sie ist damit ein ungewöhnlich großes Exemplar ihres Typs. Die Mühle verfügt über fünf Flügel, eine große Ausnahme, denn die Mühlen waren normalerweise mit vier Flügeln bestückt. (...) Es gibt heute in Deutschland nur noch eine Mühle mit fünf Flügeln (in Wendhausen, Niedersachsen), die zur Zeit aber nicht betriebsfähig ist."

Ziel des ganzen Vorhabens soll es sein, die Turmwindmühle zusammen mit der bereits rekonstruierten Wassermühle im Ortskern in die europäische Kulturstraße "Via Molina" zu integrieren.

In den Jahren 2015 bis 2018 soll die Mühle rekonstruiert werden. In ihrem Inneren soll eine Ausstellung die Geschichte der Windenergie erzählen und Besuchern gezeigt werden. Die Kosten der Rekonstruktion belaufen sich nach gegenwärtigen Schätzungen auf 476000 Euro. Diese Riesensumme, von der im Rat von Uwe Müller (FUWG) bezweifelt wurde, dass es im Fall einer Realisierung dabei bleiben werde, soll mit Hilfe von Fördermitteln gestemmt werden. Mit dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates kann versucht werden, auf verschiedenen Wegen wie über das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordung und Forsten, bei Leader oder dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" Förderungen zu erhalten.

"Wenn es machbar ist, sollten wir das Vorhaben anpacken, wenn es nicht finanzierbar ist, lassen wir ohnehin die Finger davon", sagte Dieter Schwarz. Der Bürgermeister verwies jedoch auf die Besonderheit, dass sein Ort gleichzeitig eine Wind- und eine Wassermühle aufweisen könnte. Mit dem Grundsatzbeschluss werde lediglich der erste Schritt gegangen, ohne den es nicht weiter gehen könnte. "Deine verrückten Ideen sind uns schon so manches Mal richtig gut gelungen", schwankte Rätin Christa-Maria Voigt (FUWG) zwischen Skepsis und Faszination.

Mit acht Ja-Stimmen bei einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen wurde der Grundsatzbeschluss schließlich positiv beschieden.

 

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