Zum ersten Mal steht Weferlingen im Programm der "Süßen Tour". Bernd Hoffmann beschäftigt sich seit Monaten intensiv mit der Geschichte der Weferlinger Zuckerfabrik. Am 18. Oktober ist dazu eine Ausstellung zu sehen. Und es gibt für die Besucher natürlich auch Süßes.

Weferlingen (aro) l Irene Mihlan, Geschäftsführerin des Magdeburger Tourismusverbandes Elbe-Börde-Heide hatte sich an den Bürgerverein Weferlingen gewandt und dafür geworben, dass sich auch Weferlingen der Zuckerrübenroute anschließt und am "Süßen Tag" auch das Heimat- und Apothekenmuseum und den Turm öffnet. Der Vorstand des Vereins beriet darüber und fand auch bei den Mitgliedern Zustimmung.

Bernd Hoffmann war ohnehin dabei, die Geschichte der Zuckerfabrik von 1877 bis 1990 aufzuarbeiten. Er hat viele Archive aufgesucht, mit ehemaligen Zuckerwerkern gesprochen und daraus eine Sonderausstellung zum "Süßen Tag" gestaltet. Zu sehen ist auch ein Modell der Rübenannahme in einer modernen Zuckerfabrik. Die Ausstellung kann 2015 erweitert werden.

Die Vorgeschichte der Gründung der Zuckerfabrik fällt in die ersten Monate des Jahres 1877. Zwei Projekte wurden diskutiert, so heißt es in der Denkschrift der Zuckerfabrik zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 1902. Ein Projekt war, die alte Walbecker Dampfmühle zu benutzen. Doch das zweite, das der Landwirtschaftliche Verein Weferlingen unterstützte, fing an, Gestalt anzunehmen "als hiesige Bürger nur dann eine stärkere Beteiligung in Aussicht stellten, wenn als Standort der Fabrik Weferlingen gewählt würde". Die Haupttriebfeder dieses Projektes sei Wilhelm Suder aus Helmstedt gewesen, "dessen zielbewusstes und tatkräftiges Eingreifen die Verwirklichung des Gründungsgedankens erst möglich machte. Herrn Suder gebührt das Verdienst, der eigentliche Gründer der Fabrik zu sein."

Nach mehreren Versammlungen in Weferlingen und Hödingen habe sich bei oberflächlicher Umfrage herausgestellt, dass es gelingen müsste, ein "ausreichendes Rübenareal zu erhalten. Allerdings waren die Ansprüche, die nicht über 800 Morgen fürs erste Jahr und 1500 Morgen fürs zweite Jahr hinausgingen, recht bescheidene." Dann ging es darum, in den Dörfern die Bauern zu überzeugen, die Zuckerrüben anzubauen. Im März sollte die eigentliche Gründungsversammlung stattfinden. Dazu heißt es in der Festschrift: "In dieser drohte die Sache noch zu scheitern, als ein Teil der Erschienenen nachdem sie alles angehört hatten und es zum Actienzeichnen beziehungsweise Unterschreiben kam sich rückwärts nach der Tür konzentrierten. Diese Bewegung ließ erst nach, nachdem von interessierter Seite die Tür abgeschlossen wurde." 310 Actien über jeweils 1000 Mark mussten verkauft werden. Das schien unendlich viel Verhandlungstaktik erfordert zu haben. Wilhelm Suder übernahm den größten Teil der Actien.

Die Ausstellung, die von 10 bis 17 Uhr zu sehen sein wird, bietet noch viel mehr Spannendes. Der Bürgerverein sorgt am Sonnabend auch für Kaffee und Kuchen sowie herzhafte Stärkung.