Mit der "Church Night" will die evangelische Kirche verhindern, dass der Reformationstag immer stärker vom Halloween-Spektakel rund um Zombies, Dämonen und Hexen verdrängt wird. Unter dem Motto "Mitmischen - Mit Mission" haben sich auch Haldensleber Jugendliche und Erwachsene beteiligt.

Haldensleben l Organisiert hatten den Abend der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) und die evangelische Kirchengemeinde St. Marien. Etwa 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene trafen sich für die "Church Night" am Freitagabend in der "Kleinen Kirche am Berg".

Die Veranstaltung auf dem Süplinger Berg startete bereits am Nachmittag mit einer Andacht und einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Danach konnten sich die Kinder und Jugendlichen an verschiedenen Spielstationen an der frischen Luft austoben. Dabei erfreute sich vor allem das Bogenschießen großer Beliebtheit. So war der siebenjährige Elias kaum von Pfeil und Bogen zu trennen, als es zum gemeinsamen Essen ans knisternde Lagerfeuer ging. "Wir haben sogar Kinderpunsch und heißen Glühwein vorbereitet, denn dass es so ein schöner Oktoberabend wird, hat keiner erwartet", so Margit Preuß vom CVJM Haldensleben. Und auch auf Naschereien musste kein Kind verzichten. Die "Lutherbonbons" waren "Süß und Sauer", mit Orangengeschmack oder Zitrone. Eine Anspielung der evangelischen Kirche auf den Halloweenspruch "Gib Süßes sonst gibt`s Saures". Auf dem Bonbonpapier stand zusätzlich ein Hinweis zum Reformationstag.

"Wir versuchen den Menschen eine Kirche zu bieten, die vereint und Spaß macht. Es wird niemand ausgegrenzt. Wer mitfeiern will, ist bei uns willkommen", betonte Margit Preuß, "und wir möchten besonders Jugendliche wieder an die eigentliche Bedeutung des Reformationstages heranführen." Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen eigenhändig an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Dies gilt als der Beginn der Reformation, als Geburtstag der evangelischen Kirche. Fast 500 Jahre später machten es die Kinder und Jugendlichen in der "Kleinen Kirche am Berg" nach, beim "Thesen-Wettnageln": "Wir haben eine sehr große, alte Holztür besorgt. Jeder kann nun seine Ansichten mit Hammer und Nagel an die Tür schlagen, so wie damals Martin Luther", erläuterte Cornelia Jüttner. Sie war mit ihren beiden Kindern aus Süplingen nach Haldensleben gekommen. Ihr elfjähriger Sohn Theodor griff dann auch als erster zum Stift. Auf seinem Zettel, den er mit viel zu großen Nägeln anhämmerte, stand kurz und knapp: "Gott ist Liebe."

Der Junge findet die Idee mit der "Church Night" "super", könnte sich aber auch "ein ganz klein wenig" vorstellen, verkleidet um die Häuser zu ziehen. Das meinte auch der neunjährige Lennart Lampe. Am Lagerfeuer schilderte er sein ganz persönliches Grusel-Erlebnis: "Die anderen Kinder haben an einem Haus geklingelt. Als niemand aufmachte, haben sie die Tür mit Süßigkeiten vollgeschmiert. Das fand ich dann doch nicht so toll. Aber Halloween würde ich auch mitmachen." Das sah seine Schwester Luca nun völlig anders: "Es geht ums Prinzip. Zum Reformationstag gehöre ich hierher. Wenn meine Oma Geburstag feiert, gehe ich ja auch nicht ins Kino", konterte die Jugendliche.

Margit Preuß vom CVJM sah dies entspannt: "Wir kämpfen ja nicht gegen Halloween. Ich mag zwar dieses Gewusel nicht. Wir werden aber weiter Angebote machen und keine Verbote erteilen." Und dieses Konzept scheint nicht nur in Haldensleben aufzugehen. Deutschlandweit sollen über 100 000 Teilnehmer mit einer "Church Night" den Reformationstag gefeiert haben.

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