Die Haldensleber Jugendherberge steuert für 2014 auf 6600 Übernachtungen zu. Das sind so viele wie nie zuvor. Doch auf die zusätzlich geplanten "Hobbit-Höhlen" muss die Einrichtung noch warten.

Haldensleben l "Bisher ist das Jahr top gelaufen", freut sich Herbergsvater Ingolf Zander. Für 2015 gebe es bereits 5400 Anfragen. "Dabei haben wir in den Ferien sogar noch Luft." Zum Vergleich: 2014 kam die Jugendherberge auf rund 6000 Übernachtungen, dieses Jahr werden es voraussichtlich 600 mehr sein. Für 2015 rechnet Ingolf Zander mit einem weiteren Plus. Insgesamt befindet sich die Einrichtung also seit Jahren auf einem guten Kurs.

Dabei geht es dem Herbergsvater allerdings nicht um blanke Zahlen: "Wenn Kinder einen bei der Abreise anlächeln und traurig sind, dass sie nach Hause müssen, dann ist eigentlich alles gesagt", erklärt Zander. Besonders zufrieden machten ihn die positiven Rückmeldungen, die viele Gäste seinen Mitarbeitern gegeben hätten. "Wir investieren nicht viel in Werbung. Dafür leben wir vom engen Kontakt zu den Gästen, die das dann auch nach außen tragen. Wir merken, dass die Mundpropaganda extrem gut funktioniert", so Ingolf Zander.

Trotzdem ist die Jugendherberge ein Zuschussbetrieb. Für 2015 will die Stadt zirka 173000 Euro beisteuern. Eine entsprechende Diskussion gab es jüngst im Sozialausschuss. Laut Ingolf Zander hat die Jugendherberge derzeit 58 Betten. Hinzu kommen die Erdhöhle im Außenbereich mit fünf Schlafstätten und einige Aufbettungsmöglichkeiten.

Wie Renate Schmidt, die Leiterin der Abteilung Kultur/Fremdenverkehr/Soziales, den Ausschussmitgliedern erklärte, könne eine Jugendherberge erst ab mindestens 100 Betten kostendeckend arbeiten. Da könnten die fünf weiteren Erdhöhlen helfen, die auf dem Gelände der Herberge geplant sind. Doch für ihren Bau fehlt der Stadt 2015 das Geld.

"Die vorhandene Höhle hat als Prototyp 100000 Euro gekostet", erklärte Dezernent Henning Konrad Otto. Jede weitere würde voraussichtlich zwischen 50000 und 60000 Euro kosten. Dabei sei es grundsätzlich billiger, alle auf einmal zu errichten. "Mit diesen Erdhöhlen steigt auch die Attraktivität der Herberge", betonte Klaus Czernitzki (Linke). Auch Henning Konrad Otto sprach von einem "Alleinstellungsmerkmal".

Gleichzeitig passen "Hobbit-Höhlen" zum Profil der Jugendherberge. "Unsere Hauptmonate sind von März bis Oktober", wie Ingolf Zander erläutert. In dieser Zeit könnten die Höhlen zusätzliche Kapazitäten schaffen. Im Winter, wenn die Zahl der Gäste zurückgeht, verursachen sie hingegen kaum Betriebskosten.

Doch Ingolf Zander geht es, auch mit Rücksicht auf die Mitarbeiter, nicht um eine reine Steigerung der Bettenzahl. Durch zusätzliche Höhlen ließe sich auch die Art der Nutzung ändern. Eine Höhle reiche für eine Familie. Doch Familien hätten hauptsächlich an Wochenenden oder in den Ferien Zeit. Auch Kindergeburtstage mit Stockbrotbacken gehören zum Angebot. Doch mit einem ganzen Höhlenkomplex könne man beispielsweise Schulklassen ansprechen, die auch an Werktagen bleiben. So würden vorhandene Kapazitäten kontinuierlicher genutzt. "Bei sechs Hütten kann ich auch ein Programm anbieten, das sich lohnt", so Ingolf Zander. Denkbar seien zum Beispiel Projekte zu den Themen Ökologie, ressourcenfreies Reisen, Survival oder Erlebnispädagogik. Angebote externer Partner liegen teilweise sogar schon vor. Doch bei nur einer Höhle sei der Organisationsaufwand zu groß.

"Würden denn die sanitären Anlagen und die Kapazität des Essenssaales für zusätzliche Plätze reichen?", erkundigte sich Bernhard Hieber (SPD) während der Ausschusssitzung. In dieser Hinsicht sieht Ingolf Zander keine Probleme: "Für das Außengelände sind derzeit 40 Zeltplätze eingeplant. Das würden wir zurückfahren, wenn die Erdhöhlen da sind. Außerdem wollen wir die Höhlenbewohner ähnlich wie Campinggäste alternativ verpflegen." Weiterhin gebe es sogar Extra-Räume mit zusätzlichem Stauplatz oder solche, in denen Gäste des Außengeländes sich umziehen oder ihre Kleidung trocknen könnten.

"Wir wollen nicht nur die Hände aufhalten. Wir wünschen uns einen besseren Grad an Eigendeckung", betont Ingolf Zander. Auch an anderer Stelle habe das Team daher für mehr Umsatz gesorgt. "Früher haben wir das Essen für Gruppen kommen lassen. Heute erbringen viele Verpflegungsleistungen selbst, die die Gäste vor Ort halten und binden." Da sich die Jugendherberge allerdings auf Kinder- und Jugendgruppen spezialisiert habe, gerate sie trotzdem nicht in Konkurrenz zur Haldensleber Gastronomie. Grundsätzlich zeigte sich Ingolf Zander mit der Situation der Jugendherberge zufrieden. "Wenn das mit den Höhlen klappen würde, wären wir da, wo wir hinwollen", so der Herbergsvater.

Bis es soweit ist, wird es wohl noch etwas dauern. Aber: Sobald der finanzielle Spielraum da sei, sei es unbedingt sinnvoll, die Hütten zu bauen, befand auch Henning Konrad Otto. "Denn im Moment fahren wir noch mit angezogener Handbremse."

Renate Schmidt betonte darüber hinaus: Die Jugendherberge ist nicht einfach ein Kostenfaktor, sondern eine wichtige Einrichtung. Eine bessere Werbung für die Stadt gibt es nicht."