Die Familien Volkmann, Krümling, Hartmann und Sasse aus Altenhausen, Herrmann aus Emden sowie Piele und Mettner aus Ivenrode spielen seit zehn Jahren gemeinsam Theater. "Altemrode" haben sie ihr Laienensemble genannt, und sie brauchen nicht mal eine Bühne.

Altenhausen/Emden/Ivenrode (aro) l Zum ersten Mal haben die Eltern in der Kindertagesstätte Ivenrode ein Märchen gespielt, erzählt Anke Osterburg-Piele, die die Rollen für die Mitwirkenden schreibt. Das war 2004, danach sind aber drei Jahre vergangen, bis das nächste Stück inszeniert wurde. "Dornröschen" stand auf dem Spielplan. Da hatte die Kita eine Fahrt ins (richtige große) Theater geplant, doch der Bus war einfach zu teuer für die kleine Tagesstätte. "Wir haben uns daran erinnert, dass wir schon mal selbst Theater gespielt haben", berichtet Anke Osterburg-Piele. "So kamen wir auf die Idee, ein Märchen einzustudieren und damit Spenden zu sammeln." Gesagt, getan. "Wir haben sogar in der Flechtinger Reha-Klinik gespielt", sagt die Ivenröderin. Und schließlich haben sie soviel eingespielt, dass damit nicht nur der Bus gesponsert werden konnte, sondern auch noch ein Nachmittag im Ponyschloss Altenhausen möglich wurde.

Gespielt haben Eltern und Kinder gemeinsam. Von da an gab es in jedem Jahr ein neues Märchen. Und die Rollen der Kinder wurden immer größer. Sie haben immer noch Spaß daran, mit den Eltern gemeinsam zu spielen.

Für die Märchen beginnen die Proben alljährlich Ende August. Zuvor wird demokratisch abgestimmt, was gespielt werden soll. Jeder schreibt seinen Wunsch auf einen Zettel, die Zettel kommen in einen Topf. Dann wird ausgezählt. Das Märchen, das am meisten genannt wird, wird einstudiert. "Schneewittchen" hatte in diesem Jahr die Mehrheit.

Nur ein Stück des Familientheaters passte nicht ins Märchenschema. Daniela Herrmann-Skrentny hatte die Idee, mal ein historisches Stück zu probieren. Die Emdenerin arbeitet im Ferienschloss Altenhausen. Zu den Gästen gehört alljährlich eine ganze Schule aus Brandenburg, die hier eine Projektwoche veranstaltet. Dazu haben die Laienspieler das Stück "Esbeth" aufgeführt, das Daniela Skrentny nach der gleichnamigen Sage geschrieben hat, die auch Kantor Bock in seiner "Heimatkunde des Kreises Neuhaldensleben" festgehalten hatte. Das Stück passte sehr gut in das Ritterprojekt, ebenso wie zu Halloween, denn das war so richtig "gruselig, mit Leichen und Geistern", meint Anke Osterburg-Piele. Und auch zum Ortsjubiläum von Altenhausen spielten die begeisterten Frauen, Männer und Kinder das Stück noch einmal, so war es geplant. Schließlich geht es bei "Esbeth" um einen Grafen, der in früheren Zeiten mit Frau und Tochter Esbeth auf der Burg Altenhausen gelebt haben soll. Ein Dreivierteljahr haben die Laienspieler dafür geprobt und hatten viel Spaß, denn das Schloss war eine ideale Kulisse.

Zu dieser Aufführung gab sich das Amateurtheater auch einen Namen: "Altemrode". Dafür fassten die sieben Familien aus Altenhausen, Emden und Ivenrode Silben aus ihren Wohnorten zusammen. Im Kindergarten spielen die Mimen übrigens nicht mehr. Die Kinder sind alle groß, jüngstes Ensemblemitglied ist mit zehn Jahren Lyn Hartmann. Sie hat beim jüngsten Stück den starken Jäger gespielt. In diesem Jahr haben die Kinder und Jugendlichen die Hauptrollen übernommen, Mette Marit Mettner spielte das Schneewittchen, Anna Lena Piele die Beraterin der bösen Königin, Laura Volkmann die böse Königin. Die Mädchen gehen in die 6. Klasse. Die Eltern schlüpften in Nebenrollen. Sechs Väter marschierten zum Beispiel als Zwerge ein. Der kleinste und natürlich klügste Zwerg war Lucas Krümling. Vater Siegfried musste nicht nur einen Zwerg, sondern auch noch den alten König verkörpern.

Jetzt sind die Märchen meist nur noch an zwei Tagen zum Weihnachtsmarkt im Schloss Altenhausen zu sehen. Es gibt auch weitere Anfragen, zum Beispiel zum Rentnernachmittag in Erxleben. Doch das können die Laienspieler zeitlich meist nicht schaffen. Einige arbeiten in Schichten, und in der Woche nachmittags können die meisten noch nicht Theater spielen. In diesem Jahr war das Märchen zum ersten Mal auch bei einem Adventsmarkt in Ivenrode zu sehen. Wenn der Markt Tradition wird, könnte vielleicht das Märchen hier ebenso Tradition werden.

"Das Märchen ist für mich ein Ausgleich in der stressigen Vorweihnachtszeit", sagt Anke Osterburg-Piele. Eine große Bühne brauchen die Laienspieler dafür gar nicht. Sie suchen sich kleine Freiräume und ziehen mit den einzelnen Szenen durch den Raum. In einer Ecke steht der große Spiegel, Schneewittchens Bett gleich in der Nähe des Eingangs, da können die Zwerge problemlos hereintraben. Und für den Wald wandern einfach einige Mitspieler mit grünen Zweigen hin und her.

Und wichtig ist jeder Mitspieler, egal ob er eine große Rolle spielt oder hinter den Kulissen hilft, versichert die Stückeschreiberin, die auch mal ihre Freundin aus Magdeburg bittet, mit Technik auszuhelfen. Ein historisches Stück könnten sie sich auch mal wieder vorstellen, und fürs nächste Jahr vielleicht mal einen Märchenkrimi. Die Idee entstand jedenfalls ganz spontan nach der "Schneewittchen"-Aufführung.

 

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