In der Gemeinde Calvörde wird investiert, auch wenn die Kasse der Kommune leer ist. Mit dieser Nachricht hat Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake beim Neujahrsempfang am Freitagabend im ehemaligen Einkaufsmarkt Optimismus verbreitet.

Von Anett Roisch

Calvörde l "Kann man vor dem Hintergrund einer immer schwierigeren Haushaltssituation noch einen Neujahrsempfang durchführen?", fragte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU), als er am Freitagabend die Gäste zum Empfang begrüßte. Mit einem klaren "Ja" beantwortete der Kommunalpolitiker seine Frage sofort selbst. Er begründete: "Der Neujahrsempfang ist mir außerordentlich wichtig, zum einen um den Austausch von Politik und Wirtschaft fortzusetzen und durch persönliche Begegnungen Kontakte zu fördern, die für unsere tägliche Arbeit so wichtig sind. Zum anderen möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, um allen handelnden Personen und Verantwortungsträgern für ihr Engagement zu danken."

Lobende Worte gab es für die heimischen Unternehmen, die im vergangenen Jahr den Kauf von sechs neuen Spielgeräten für fünf Spielplätze in verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde finanziell unterstützten.

Schliephake ließ das vergangene Jahr Revue passieren. Als bedeutendstes Vorhaben, das umgesetzt wurde, nannte er den Ausbau der Landesstraße 24 in Wegenstedt als Gemeinschaftsprojekt des Landes Sachsen-Anhalt und der Gemeinde Calvörde mit einem Investitionsvolumen von über einer Millionen Euro. Auch 2015 würde es in allen elf Ortsteilen Maßnahmen geben, die die Gemeinde ein Stück voranbringen sollen.

Aber auch mit Kritik hielt Schliephake sich nicht zurück: "Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Flechtingen ist in Sachen Wirtschaftsförderung noch nicht optimal aufgestellt. Es gibt sicher noch Fördertöpfe im Verborgenen, die wir anzapfen können." Außerdem forderte er, dass die Außenstelle in Calvörde wieder mit mehr Verwaltungsangeboten bereichert werden soll. "Die Angebote haben sich für die Bürger negativ entwickelt. Rational wurde nicht ein Cent gespart", erklärte der Gemeindechef.

"Wir haben trotzdem den Mut, Schulden zu machen."

Volkmar Schliephake, Bürgermeister der Gemeinde Calvörde

"Wir müssen weiter sparen", betonte Schliephake mit dem Blick auf die Gemeindekasse. Höhere Umlagen und weniger Zuweisungen wären die Ursache für das Defizit im Haushalt.

der Gemeinde Calvörde. "Der Haushalt ist nicht ausgeglichen. Wir werden mehr ausgeben, als wir einnehmen. Wir haben trotzdem den Mut, Schulden zu machen. Die Zinsen bei den Banken waren noch nie so günstig. Wir wollen keine Wertverluste bei Gebäuden der Kindertagesstätten, Schulen, Feuerwehren und Dorfgemeinschaftshäusern. Wir wollen uns hier im ländlichen Raum nicht selbst wegsparen."

Als Beispiel für Investitionen nannte er die Pflasterung und Erneuerung der Beleuchtung in der Neustadtstraße in Calvörde für über 300000 Euro. "Politik und Verwaltung brauchen das Engagement der hier lebenden Menschen und der Unternehmen", betonte der Bürgermeister.

"Ich hoffe, Ihr Start in das neue Jahr war genauso schwungvoll, wie der erste Titel mit dem uns die Kreismusikschule Wolmirstedt/Haldensleben eingestimmt hat", sagte Schliephake, wünschte allen Anwesenden ein erfolgreiches Jahr 2015 und gab das Wort an Thomas Webel (CDU), Minister für Landesentwicklung und Verkehr in Sachsen-Anhalt.

Minister Webel zeigte auf die Sachsen-Anhalt-Fahne an der Wand und machte darauf aufmerksam, dass das Banner des Landes viel kleiner ist, als die Fahne der Gemeinde Calvörde. Entsprechend zur Ansprache des Bürgermeisters würde deshalb seine Rede auch kleiner ausfallen, versicherte der Minister schmunzelnd. Webel verkündete mit Stolz, dass das Land in der Region um Calvörde und Flechtingen rund 8 Millionen Euro für den Straßenbau ausgegeben hat. 2015 würde der Ausbau der Landesstraße bis Bodendorf und der Abschnitt von Siestedt nach Weferlingen anstehen.

Börde-Landrat Hans Walker (CDU) kommentierte die von Schliephake erwähnte Mehrbelastung durch Umlagen an den Landkreis. "Wir haben uns ja diese Aufgaben nicht einfallen lassen, sondern der Gesetzgeber hat festgelegt, wie Kommunen zu finanzieren sind. Alle Leistungen, die wir erbringen, tun wir für die Menschen, um sie hier in der Region zu halten", sagte der Landrat.

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