Das Schauspieltalent und die Liebe zum Theater hat Tom Diesing und Maraike Küpper zusammengebracht. In diesem Jahr haben sie nicht nur gemeinsam geschauspielert, sondern sogar als Regisseure ganz neue Erfahrungen gesammelt.

GroßSantersleben/Remkersleben/Magdeburg l Die Bretter, die die Welt bedeuten, kennen der 18-jährige Tom Diesing aus Groß Santersleben und die 19-jährige Maraike Küpper aus Remkersleben schon eine ganze Weile. Vor acht oder neun Jahren - das wissen beide nicht mehr so genau - haben sie zum ersten Mal in Magdeburg Theaterluft geschnuppert.

Das Interesse für das Theaterspielen war, wie Tom Diesing erzählt, schon während seiner Kindheit vorhanden. Seine Eltern haben ihm dann den Weg geebnet, als sie über die Zeitung vom Theaterjugendclub erfuhren. "Bei mir war es genauso", fügt Maraike Küpper hinzu. Und so ist es schon fast nicht mehr verwunderlich, dass sich die beiden Jugendlichen in ihrer ersten Spielzeit trafen und fortan den Weg gemeinsam gingen. Im Laufe der Jahre haben sie in mehreren Theaterstücken ihr schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt.

"Wir wollten schon immer mal ein Stück leiten."

Doch ein Wunsch musste lange in ihnen keimen, bis er nun in dieser Spielzeit Realität werden konnte. "Wir wollten schon immer mal ein Stück leiten", berichtet Tom Diesing. Ebenso wie zum Theaterspielen selbst bietet der Theaterjugendclub im Magdeburger Theater auch diese Möglichkeit an. Und so nahmen Tom Diesing und Maraike Küpper gemeinsam mit der 19-jährigen Marielena Berge aus Wahlitz zu Beginn des Schuljahres 13 Jungschauspieler zwischen 15 und 23Jahren unter ihre Fittiche, um mit ihnen ein Theaterstück zu erarbeiten. "Am Anfang haben wir unsere Grundidee präsentiert und uns die Schauspieler dazu gesucht", erinnert sich Tom Diesing. Die Idee selbst war ihm während eines Urlaubs beim Fahrradfahren in den Kopf gekommen.

Unter dem Titel "Was wäre, wenn ..." geht es, wie die beiden Regisseure erzählen, um eine Welt, in der das Schicksal von jedem Menschen in einem Buch aufgeschrieben ist. Jeder lebt danach, obwohl niemand weiß, wie sein Leben vorbestimmt ist und was in seinem Buch steht. Problematisch wird es erst, als einer von seinem vorbeschriebenen Weg abweicht. Nun nämlich ist die Institution gefordert, die die Bücher des Lebens schreibt. Sie muss ihn auf den vorbeschriebenen Weg zurückbringen, damit kein Chaos auf der Welt ausbricht. "Schwierig wird das besonders, weil die private Moralvorstellung dem Glück des Kollektivs gegenübersteht", betont der 18-jährige Schüler des Magdeburger Domgymnasiums.

"Aus der Grundidee haben wir das Stück dann gemeinsam in der Gruppe entwickelt", erklärt Maraike Küpper. Dazu gehörte es unter anderem auch, die Charaktere anzupassen und letztlich das Textbuch zu schreiben.

"Wir hätten Super-Lust, noch ein Stück zu machen, aber das geht leider nicht."

Mittlerweile haben sie auch schon einige Male über den Applaus des Publikums Anerkennung für ihre Leistung erfahren. "Wir sind jetzt in der Aufführungsphase", so Tom Diesing. Seit der Premiere am 15. Februar haben die Theaterschüler schon mehrmals auf der Bühne gestanden und Maraike, Marielena und Tom mit etwas Lampenfieber dahinter. Die nächsten Aufführungen für die Theatergruppe sind am 20. März sowie am 12. und am 25. April. "Bis jetzt ist es gut angekommen", resümiert Tom Diesing. Jedoch hat Maraike Küpper festgestellt, dass die Spanne vom Ende des Stückes bis zum einsetzenden Applaus immer ziemlich lang war: "Es ist ein offenes Ende, das müssen die Zuschauer dann wohl erstmal verdauen."

Ein bisschen Wehmut haben die jungen Leute schon im Herzen, denn sie werden dem Magdeburger Theater und dem Theaterjugendclub nach der Spielzeit den Rücken kehren müssen. "Wir hätten zwar Super-Lust, noch ein Stück zu machen, aber das geht ja leider nicht", sagt Tom Diesing traurig.

Die Entfernung wäre einfach zu groß, denn das Studium wird die Remkersleberin und den Groß Santersleber nach Rostock an die Ostseeküste führen. Tom Diesing will nach seinem Abitur wahrscheinlich auf Lehramt studieren, während sich Maraike Küpper der Medizin verschrieben hat. Sie absolviert derzeit einen Bundesfreiwilligendienst in einem Magdeburger Krankenhaus und möchte dann ein Medizinstudium beginnen. Beide wollen in Rostock ein Wohngemeinschaft gründen und vielleicht auch ihre Theaterleidenschaft weiter ausleben. Eines jedenfalls haben sie schon erkundet: In Rostock gibt es ein Theater.

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