Die Gemeinde Barleben setzt das Projekt zur Mobilität von Fachkräften fort. Nach dem erfolgreichen ersten Jahr wurde die Zusammenarbeit mit der spanischen Kommune La Pobla de Vallbona um ein Jahr verlängert.

Barleben l Das Projekt zur Integration spanischer Arbeitskräfte in der Gemeinde Barleben wird fortgeführt. Dies wurde am Montagnachmittag offiziell bekannt gegeben.

Begonnen wurde mit der Partnerschaft zwischen der Gemeinde Barleben und der spanischen Kommune La Pobla de Vallbona im Januar 2014. Zunächst auf ein Jahr ausgelegt, fassten alle Beteiligten nun den Beschluss, das Projekt ein weiteres Jahr fortzuführen.

8 Auszubildende sowie 15 Fachkräfte konnten im ersten Jahr bereits erfolgreich eingegliedert werden. Die Ziele für 2015 sind jedoch um einiges größer. Bis zu 60 Auszubildende sollen es in der Region Magdeburg werden.

"Dieses Projekt ist einmalig in Sachsen-Anhalt", berichtet Sven Fricke, Leiter des Unternehmerbüros. Das erste Vierteljahr sei vor allem für den Aufbau von Strukturen und Datenbanken notwendig gewesen.

In Spanien wurden zahlreiche Informationsveranstaltungen angeboten, die den Arbeitssuchenden das duale Ausbildungssystem in Deutschland näher bringen sollten. Ebenso wurden die Berufswünsche mit den Ausbildungsplätzen abgeglichen.

Vor allem die Region profitiere von den motivierten Arbeitskräften, bestärkte Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff die Initiative. "Wir agieren in erster Linie für die Unternehmen der Gemeinde", so Keindorff weiter.

Auch Matthias Kaschte, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Magdeburg, zog eine positive Bilanz: "letztlich ist das Projekt für alle eine Win-Win-Situation und wir sollten die Migrationsströme als Chance und nicht als Bedrohung wahrnehmen". Dies sei vor allem bei dem herrschenden Fachkräftemangel ein wichtiger Punkt.

Förderung durch die Initiative MobiPro

Doch nicht nur die Region selbst profitiert von den spanischen Auszubildenden und Arbeitskräften. So sprach Klaus Olbricht, Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, auch die Perspektivlosigkeit in Spanien an. Die schlechten Aussichten auf eine feste Ausbildungs- und Arbeitsstelle sind für viele junge Spanier der Hauptgrund, ihr Glück im Ausland zu suchen. Knapp 45 Prozent der unter 25-Jährigen in Spanien sind derzeit arbeitslos. "Durch die gute Integration entsteht bereits eine spanische Community in der Region, diese wollen wir weiter stärken", wagte Olbricht einen Blick in die Zukunft.

Gefördert wird das Programm über die Initiative MobiPro, der Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa. Früher sei, so Kaschte, vor allem für Sprachkurse in den jeweiligen Ländern gesorgt worden. "Nun planen wir bereits konkrete Projekte, so dass die Jugendlichen sich besser darauf einstellen können, was sie erwartet".

Die Förderung MobiPro macht das Projekt in Barleben allerdings noch nicht zu etwas Besonderem. Dies tut erst der Koordinator für die Fachkräftevermittlung, Angel Romero Fonfria. In ihm haben die jungen Spanier einen Landsmann als Ansprechpartner. Er hilft den Neuankömmlingen außerdem bei Behördengängen und der Wohnungssuche. Den Arbeitsplatz sowie den Wohnraum für Fonfria stellt die Gemeinde Barleben bereit. MobiPro ist ein Bundesprogramm und wird dementsprechend aus Bundesgeldern finanziert. Die genauen Kosten des Projektes für die Gemeinde Barleben stehen noch nicht fest.

"Wir werden mit dem Projekt nicht die Welt retten", so Fricke, "aber wir bieten ein gutes Beispiel, wie gut Integration funktionieren kann." Bürgemeister Keindorff ergänzte, man wolle eine verfestigte Organisationsform schaffen, die so auch über einen längeren Zeitraum bestehen kann.

Pro Jahr gibt es in der gesamten Region circa 3000 Ausbildungsplätze, hiervon werden rund 200 nicht besetzt. "Wenn wir nun 60 davon mit spanischen Arbeitern abdecken, wäre das bereits ein großer Schritt", so Kaschte.

Grundsätzlich deckt das Projekt ein breites Spektrum an Ausbildungsplätzen ab. Schwerpunkte sind hierbei der Hotel- und Gaststättenbereich, technische Berufe, Metallverarbeitung und der Verkauf. Von den Unternehmen selbst kommt positives Feedback. Interessierte Unternehmen auf der Suche nach Auszubildenden können sich an das Unternehmerbüro der Gemeinde Barleben wenden.