Haldensleben l Das Ameos Klinikum Haldensleben ist seit dem 1. Mai Kooperationspartner der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und wird künftig als akademisches Lehrkrankenhaus Medizinstudenten in der Praxis ausbilden. "Im Studium sind die letzten beiden Semester als praktisches Jahr zu absolvieren. Das ist die letzte Hürde vor dem Examen", weiß PD Dr. Boris Haxel, der Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung (HNO), aus eigener Erfahrung. Vorgeschrieben sind dabei jeweils vier Monate Praxiseinsatz in der Inneren Medizin, der Chirurgie und in einem Wahlfach.

Doch gerade letzteres würde sich an den Universitätskliniken oft als schwierig erweisen. "HNO oder Urologie sind an vielen Großkliniken keine Hauptabteilungen mehr. Daher ist der Bedarf der Unis, dass ihre Studenten aber auch auf diesen und anderen Gebieten praktische Erfahrungen sammeln können, vorhanden", sagt Dr. Haxel. Genau an diesem Punkt kommt nun Haldensleben ins Spiel, das eben nicht nur die Chirurgie und die Innere Medizin als Hauptabteilungen vorhält. "Wir haben hier in unseren beiden Häusern eine hohe Dichte an habilitierten Ärzten und viele Fachabteilungen", macht Krankenhausdirektor Andreas Schultz deutlich. "Somit können wir bei uns eine gute Betreuung der Studenten gewährleisten."

Frühere Versuche des vorhergehenden Krankenhausbetreibers Sana, auf diesem Gebiet mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zusammenzuarbeiten, waren laut Schultz gescheitert. "Deshalb haben wir den Kontakt nach Halle aufgenommen", erzählt er. Um in den akademischen Kreis aufgenommen zu werden, musste zunächst ein umfangreicher Fragebogen ausgefüllt werden. "Anschließend wurden unsere Antworten hier bei einem Vor-Ort-Besuch der Zuständigen auf Herz und Nieren geprüft", berichtet der Direktor über das Prozedere. Mit Erfolg. "Das Fakultätsgremium hat zugestimmt, und so haben wir mit der Universität einen Vertrag geschlossen. Seit dem 1. Mai sind wir akademisches Lehrkrankenhaus", so Schultz weiter.

Für den Krankenhausdirektor eine Zusammenarbeit, die dem Klinikstandort Haldensleben einige Vorteile bringen würde. "Es ist ja schon eine gewisse Auszeichnung und fast so, als würde man geadelt werden, weil wir hier Leistungen auf universitärem Niveau bieten", meint er stolz. Dazu kommt auch, dass mit den Studenten mehr Personal zur Verfügung steht. "Und wir können über diesen Weg versuchen, für die Zukunft Fachärzte für Haldensleben zu gewinnen", ergänzt Dr. Boris Haxel.

Der Chefarzt hat die angehenden Ärzte sozusagen unter seinen Fittichen. "Natürlich steht die praktische Ausbildung im Vordergrund", betont er. Doch auch die Möglichkeiten für Lehre und Forschung seien in Haldensleben gegeben, wenn auch nicht im ganz großen Stil, fügt er hinzu. "Neun Studenten haben die Möglichkeit, ein Jahr lang in unseren beiden Häusern jeweils alle drei Monate zu rotieren, um so Erfahrungen zu sammeln, die ihnen unsere Ärzte mit Sicherheit gern weitergeben werden", ist Dr. Boris Haxel überzeugt.