Pfingsten ist in vielen Orten der Region eine Zeit, um die Traditionen der Urgroßeltern zu pflegen. Mit vereinten Muskelkräften haben Männer in Elsebeck, Klüden und Zobbenitz Pfingstbäume samt Ochsen als Zeichen des Frühlings in die Höhe gestemmt.

Elsebeck/Klüden/Zobbenitz l "Wir hatten schon lange nicht mehr so viele Helfer. Alles funktioniert heute super, weil es im Ort immer noch genügend Leute gibt, die die Tradition pflegen", sagte Enrico Loch, der im Wald bei Elsebeck das Kommando hatte, um einen passenden Pfingstbaum auszuwählen und zu fällen. Loch gestand, dass er nur ein Zugezogener sei. "Aber seit 2004 - also seitdem ich zu meiner Frau nach Elsebeck zog - bin ich auch beim Pfingstbaumaufstellen dabei", erzählte Loch.

Marko Röhl ist hingegen gebürtiger Elsebecker. Schon als kleiner Junge ist er mit in den Wald gefahren, um den Brauch mit zu erleben. "Früher gab es im Wald Eierback. Damals wurden zwei Bäume geschlagen. Einer wurde gleich verkauft. Das Geld kam in die Kasse. Dann ging es in die Kneipe, wo die gesammelten Schnapsflaschen geleert wurden. Die Reste machten die Männer beim Nachtrunk alle", dachte Röhl zurück. Die Puppe, die am Stamm baumelt, ist der sogenannte Pfingstochse, der die Tortur des Vorjahres - also das Hängen bei Wind und Wetter - überstanden hat. Der Pfingstochse, der in einer alten Feuerwehruniform steckt und mit Heu ausgestopft wurde, hat für seine neue Mission nur eine Schönheitsbehandlung bekommen. "Früher hat der Pfingstochse noch Flaschen mit nach oben bekommen, damit er nicht verdurstet", sagte Röhl schmunzelnd.

Jonny Weidler ist mit zehn Jahren der jüngste Helfer im Wald. "Ich bin nicht das erste Mal dabei", betonte der junge Elsebecker, der versicherte, dass auch er die Tradition der Urgroßeltern weiter führen wird. Der 19 Meter lange Stamm wurde nach altem Brauch mit einer Kette hinter dem Traktor befestigt. Auf dem Anhänger verstauten die Männer Birkenzweige. "Wer von den Elsebeckern eine Flasche Schnaps hinstellt, bekommt einen Zweig vor die Tür gestellt", erklärten die Männer die klare Regel. Die freie Nacht, in der damals sogar Pferdewagen auf Scheunendächer gestellt wurde, gibt es im Ort so nicht mehr. Viel zu groß sei heutzutage die Gefahr, dass es gleich eine Strafanzeige gibt. Eierback gab es trotzdem. Die oberste Aufsicht an der Bratpfanne hatte Voller Preetz, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, der gemeinsam mit den Frauen des Ortes auf dem Platz neben dem ehemaligen Kindergarten unzählig viele Hühnereier zu einem Festmahl rührte.

Auch Zobbenitz gehört zu den Orten, die sich in Sachen Pfingstbräuche im Besonderen mit der Altmark eng verbunden fühlen. Triumphierend wie Eroberer ritten die jungen Männer, die den Pfingstbaum aus dem Wald geholt hatten, am frühen Abend auf dem Stamm zum Dorfplatz. Auch die Zobbenitzer hatten sich - wie in alten Zeiten - zuvor im Wald mit Eierback gestärkt. Zahlreiche Schaulustige begrüßten die Tatkräftigen. Bevor das große Stemmen der 24 Meter langen Kiefer begann, wurde die Pfingstpuppe an den Stamm genagelt. Die Jugendlichen der Zobbenitzer Feuerwehr hatten die Puppe gebastelt. Rainer Tornetzki übernahm nun das Kommando.

Auch die Klüdener haben als Zeichen des Frühlings einen Baum samt Pfingstochsen aufgestellt, um damit endgültig den Winter zu vertreiben. In Klüden erklärte Dirk Schnelle von der Feuerwehr: "Wir brauchen jetzt jeden Mann. Es macht sich besser, wenn jeder mit anpackt." Nachdem alle kräftigen Männer ihre Biergläser zur Seite gestellt hatten, übernahm Schnelle lautstark das Kommando. "Wir werden den Baum nicht - wie in Haldensleben der Maibaum - mit einem Kran aufstellen, sondern ihn mit Muskelkraft in die Senkrechte bringen", versicherten die starken Männer, die mit Hilfe von Holzgabeln den Baum auf dem Hof der alten Schule in die Höhe wuchteten. Jede Generation hatte ihre Aufgabe. Während die jungen und jung gebliebenen Männer beim Baumaufstellen mächtig ins Schwitzen gerieten, gaben die älteren Herrschaften weise Ratschläge. Mit einem wiederholten "Zuuuuu gleich!" war es in einer halben Stunde geschafft. Mit frisch gezapftem Gerstensaft stießen die Akteure auf ihr geglücktes Werk an.

 

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