Mit so einem Andrang hatten die Organisatoren des Film-abends anlässlich des 1050. Ortsjubiläums in Flechtingen dann doch nicht gerechnet. "Wir sind gerade mal 51 Karten im Vorverkauf losgeworden", so Kerstin Seifert vom Kurhaus Flechtingen.

Von Carina Bosse

Flechtingen. Bei den 51 Interessenten vom Kartenvorverkauf blieb es nicht, denn Montagabend füllte sich der große Festsaal plötzlich mit fast 200 Flechtingern, die gespannt waren auf den Film, den Heimatfreund Klaus Pieper über die Vergangenheit und Gegenwart Flechtingens gedreht und zusammengestellt hatte. Die letzten Besucher halfen noch, Stühle in den Saal zu schaffen, damit alle Sitzgelegenheiten hatten.

Vom einst schwierigen Dasein der Bauern im entlegenen Walddorf bis hin zur Erntehilfe in den LPGen durch Schüler und moderne Technik auf den Feldern schlug er einen geschichtlichen Bogen bis in die heutige Zeit hinein.

Alte Aufnahmen von Gebäuden, Festen und Ereignissen im Ort untermalte Klaus Pieper mit Schnappschüssen und Videoeinspielungen von heute.

So manches Mal ging während der 90-minütigen Spielzeit, die durch eine Pause unterbrochen wurde, ein Raunen oder Lachen durch die Reihen. Auf den Aufnahmen erkannte sich der eine oder andere natürlich wieder, wie er zum Beispiel das erste Mal den Weg zur Schule angetreten oder zum Ernteeinsatz auf dem Traktor-anhänger Platz genommen hatte. Damals pflückten die Schüler zum Beispiel das Obst für die Schulspeisung selbst. Und jeder Unterricht in Flechtingen fand an anderen Orten statt. Alle Schulgebäude hatte Klaus Pieper auf Fotografien festgehalten und in den Film eingebaut. Aufnahmen aus der herrlichen Natur um Flechtingen und aus den Ortsteilen gestalteten den Film abwechslungsreich und informativ.

Auch dem Vereinsleben widmete Klaus Pieper eine ganze Sequenz, denn was ist ein Ort schließlich ohne seine kulturelle und gesellschaftliche Geschichte? "Ein Dorf ohne Verein ist wie ein Haus ohne Dach", sagte der Hobbyfilmer und Fotograf. Von den Anfängen des Landwehrvereins, aus dem 1991 wieder der Schützenverein Flechtingen gegründet wurde, über den Männer- und Turnverein aus dem Jahr 1867 nahm er seine Zuschauer in die Gegenwart mit.

Hatten die Sportler vor 145 Jahren vor allem das Turnen und Radfahren im Sinn, wandelte sich das Vereinsleben bis heute grundlegend. Heute gehören zum Flechtinger SV zahlreiche Sektionen wie Fußball, Schach, Laufen, Tischtennis und Kegeln. Für viele neu war sicherlich, dass sich aus der Sportbewegung heraus die freiwillige Feuerwehr entwickelte.

Monate hatte Klaus Pieper an dem Film gearbeitet und gefeilt, doch die Mühe hatte sich gelohnt. Er war sehr erfreut, so viele interessierte Einwohner gefunden zu haben, die einen Exkurs in die Geschichte antreten wollten.

 

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