Große Bauvorhaben umzusetzen, ist in Zeiten knapper Kassen oft nur möglich, wenn es Fördermittel gibt. Das europäische Programm "Leader", in mehreren Phasen seit vielen Jahren laufend, hat im Altkreis Havelberg schon viel bewirkt.

Elb-Havel-Region l Die für 2013 angekündigten Zuwendungen aus Leadermitteln sind so vielversprechend, dass die "Lokale Aktionsgruppe im Gebiet zwischen Elbe und Havel" (LAG) zuversichtlich ist, alle beantragten Projekte umsetzen zu können. Vor wenigen Tagen trafen sich die Mitglieder zur Arbeitsberatung im Sandauer Rathaus.

Das Bauplanungsbüro Hackel und Preß aus Havelberg, mit dem Leader-Management beauftragt, berichtete über die Projektanträge für dieses Jahr. Ähnlich wie 2012 sind es zwölf Projekte, die auf der Prioritätenliste stehen. Vier ursprünglich geplante Vorhaben wurden von den Antragstellern zurückgezogen oder zurückgestellt, dafür sind aber zwei neue Investitionen dazugekommen.

Auf Platz 11 der Liste steht nun die Neugestaltung des Wasserwanderrastplatzes in Molkenberg durch die Vermögensgemeinschaft Steudel und Bischof. Die Investoren planen, einen alten Havelarm, wo jetzt schon hin und wieder Boote mehr schlecht als recht anlegen, auszubauen. Wasserwanderer sollen hier nicht nur rasten, sondern auch duschen, übernachten und speisen können. In einem ersten Bauabschnitt dieses Jahr ist der Bau eines Schwimmsteges und die Befestigung des Ufers geplant, alles weitere folgt 2014. "Gerade auch in Hinblick auf die Buga eine schöne Bereicherung für die Region", erklärt Birgit Villbrandt vom Management. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf 313000 Euro, im ersten Abschnitt werden 90000 Euro gebraucht. Gehofft wird dabei auf 30000 Euro Fördermittel.

Platz 12 auf der Liste nimmt der Antrag eines Molkenbergers ein, der den alten LPG-Stückpunkt gekauft hat und weiter zu Unterkünften für Touristen ausbauen möchte.

Während diese beiden Vorhaben neu auf der Liste sind, wurde die Rangfolge der Vorhaben 2013 nochmals bestätigt.

Letzter Abschnitt Sandauer Kirchturm hat oberste Priorität

An oberster Stelle steht erneut die Förderung des Wiederaufbaus des Sandauer Kirchturms, der damit fertiggestellt wird. 250000 Euro werden insgesamt benötigt, der antragstellende Förderverein hofft auf gut die Hälfte finanzielle Förderung.

Die Gestaltung der Außenanlagen am Schönhauser Bürgerzentrum für geschätzte 329000 Euro steht auf Platz 2. Das Landguthotel "Seeblick" in Klietz plant, mit Unterstützung aus dem Leadertopf den Service-Bereich umzubauen und zu erweitern. Weiter auf der Liste folgen der Wegebau von Klietz nach Neuermark, zehn weitere Wegemarken am Frau-Harke-Sagen-Pfad, die Sanierung des Daches der Wulkauer Kirche, die Restaurierung der Orgel in der Sydower Kirche, die Sanierung des Kriegerdenkmals in Schollene, die Sanierung und statische Sicherung des Schönhauser Kirchturms sowie der Erhalt des alten Schöpfwerkes in Vehlgast.

Vorziehen von schon fertigen Anträgen ist möglich

Noch einmal um ein Jahr verschoben werden sollen die Sanierung des Innenraumes der Vehlgaster Kirche, die Sanierung der Jederitzer Kirche (ein neues Dach für das Schiff und Erneuerung von Treppen, der einst geplante Wiederaufbau des Turmes ist erst einmal zurückgestellt) sowie die Reaktivierung der Freilichtbühne im Havelberger Mühlenholz, die der Verein "Kulturprojekt Stadtinsel" in Angriff nehmen will. Gänzlich zurückgezogen hat die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land den Antrag, den Campingplatz und die Bungalowsiedlung in Schönfeld mit Trinkwasser zu erschließen, da dieses Vorhaben nicht über die Rele (Richtlinie zur Entwicklung des ländlichen Raumes) förderfähig ist.

Für diese zwölf Projekte werden gut 800000 Euro Fördermittel benötigt. "Die Gesamtinvestitionssumme beträgt über drei Millionen Euro - das ist für so eine kleine LAG wie unsere schon eine beachtliche Summe und fördert die Wirtschaft im Gebiet zwischen Elbe-und Havel", erklärte Birgit Villbrandt. Gerhard Faller-Walzer aus Wust, Vorsitzender der LAG, sprach dem Management ein Lob für die gute Abwicklung der bisherigen Projekte (siehe Info-Kasten) aus.

Per Beschluss hat die Arbeitsgruppe die Prioritätenliste festgelegt. Da für 2013 so viel Geld in Aussicht gestellt ist, dass es für alle zwölf Anträge reichen sollte, können allerdings auch Projekte, deren Anträge bewilligungsreif beim ALFF vorliegen, vorrangig bearbeitet werden. Denn während bei manchen Projekten noch die Baugenehmigungen, Zusagen des Denkmal- oder Naturschutzes oder auch die Co-Finanzierung durch einen dritten Partner wie Sparkasse oder Lotto-Toto fehlen, ist für die Restaurierung der Sydower Orgel alles in Sack und Tüten und könnte kurzfristig umgesetzt werden.

Das Leader-Management weist darauf hin, das die positiven Entwicklungen für den Leaderprozess im Land Sachsen-Anhalt es ermöglichen, Leader-Vorhaben bis zum 31. Dezember 2014 zu bewilligen. Das bedeutet, dass auch für das kommende Jahr wieder Anträge auf Förderung gestellt werden können. Diese müssen der Dorferneuerung oder dem ländlichen Tourismus dienlich sein.