Auf das Wetter des gesamten Jahres 2010 in der Region blickt unser Wetterbeobachter Franz Böttcher aus Schönhausen zurück.

Schönhausen. "Macht der Juli uns heiß, bringt der Winter viel Eis", ist für 2010 bis Ende Dezember voll zutreffend. Und so hofften die Bauern im Juli immer auf Regen, doch der blieb seit dem 12. Juni bis 11. Juli für vier Wochen aus. Am 9. Juli wurde das erste Getreide angeliefert. Erzielte man bei Wintergerste und Raps noch gute Erträge, so sah es beim Weizen und Roggen schon wesentlich schlechter aus. Kartoffeln, Rüben und der Mais litten allerdings stark unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit, vor allem auf fünf Tage verteilt. Im Juli 2010 gab es elf Sommertage (über 25 Grad) sowie 13 heiße ab 30 Grad und mit 37 Grad wurden am 10. und 11. Juli die höchsten Tagestemperaturen des Monats und des gesamten Jahres gemessen. Die Elbe hatte am 30. Juli einen Wasserstand von 3,28 Meter.

Eine Weisheit sagt: "Fängt der August mit Hitze an, bleibt sehr lang die Schlittenbahn."

Von 717 Liter Regen im Jahr 2010 fielen im August die meisten Niederschläge. Nach langer Zeit der Trockenheit brachte der 14. August mit 30 Millimeter Niederschlag den ersten richtigen Regen. Doch das setzte sich nun fort und so wurde die Gesamtmenge von 157 Litern erreicht, womit dieser Monat als der regenreichste August in unserer Region eingehen wird. Es gab wenig Sonne und die Tagestemperaturen lagen zwischen 13 und 31 Grad. Dazu sechs Sommertage über 25 Grad, aber nur einen heißen am 1. August mit 31 Grad. Die Elbe hatte am 30. August einen Wasserstand von 3,85 Meter, wobei 2,90 Meter der Normalwert sind.

"Septemberregen dem Bauern ein Segen, dem Winzer Gift wenn er ihn trifft." Doch rund 100 Millimeter Niederschlag in vier Tagen sind auch für die Bauern kein Segen mehr. Die Getreideernte war bei uns abgeschlossen, obwohl bis Mitte September noch mehrere tausend Hektar Weizen landesweit auf den Feldern standen und wegen des nassen Wetters nicht abgeerntet werden konnten. Die Niederschlagsmenge kam im September auf gewaltige 137 Millimeter, wobei die Temperaturen aber nur fünfmal über 20 Grad lagen und wir am 12. September mit 23 Grad den wärmsten Tag des Monat hatten. Die Elbe war am 30. September bei einem Wasserstand vom 4,92 Meter gemessen worden.

"Ist der Oktober warm und fein, kommt ein harter Winter rein." Nach einem nassen September sorgte ruhiges und trockenes Hochdruckwetter im Oktober für den Fortgang der Feldarbeiten. Die Gräben waren voll und die Wiesen in unserer Gemarkung glichen während dieser Zeit einer Seenlandschaft. Der Oktober brachte aber nur 14 Millimeter Niederschlag, was für die bis dahin nassen Äcker sehr vorteilhaft war. Die Aussaat des Getreides ging weiter und bereits im September abgesoffene Flächen konnten zum Teil nachbestellt werden. Es gab mit ein bis zwei Grad minus die ersten kalten Nächte, während mit 18 Grad plus die höchsten Tageswerte erreicht wurden. Die Elbe hatte in diesem Jahr ihr viertes Hochwasser und mit 5,88 Metern am 6. Oktober den Höchststand des Monats, während am 30. Oktober 3,20 Meter gemessen wurden.

"Wenn‘s im November friert und schneit, tut‘s allemal dem Landmann leid. Viel Regen pflegt wohl insgemein, auch nicht nach seinem Wunsch zu sein." Nach einem trockenen Oktober wurde es im November aufgrund vieler Niederschläge wieder sehr nass und das Wasser stand an vielen Stellen erneut als See auf dem Acker. Die gesamte Niederschlagsmenge kam auf 69 Millimeter und war über 12 Tage verteilt. Mit sieben Grad minus war es am Morgen des 28. November am kältesten, während der 14. November mit 17 Grad plus die höchsten Tageswerte des Monats brachte. Die Elbe führte ihr fünftes Hochwasser in diesem Jahr und hatte am 30. November noch einen Wasserstand von 4,75 Metern.

"Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtbares Jahr mit reichlich Klee", besagt eine Weisheit. Doch die Voraussetzungen für eine gute Ernte im neuen Jahr sind nicht so gut, weil viel Getreide aufgrund der Nässe spät ausgesät wurde und durch die Wasserstellen auf den Äckern viel Wintergetreide abgesoffen ist. Der Dezember aber brachte vom ersten Tag an bis Ende des Monats eine geschlossene Schneedecke mit 27 Frostnächten. Dazu 26 Eistage, an denen die Temperaturen Tag und Nacht im Minusbereich lagen. Mit plus fünf Grad war es am 11. Dezember am wärmsten, während mit 15 Grad minus am 21. Dezember die tiefsten Temperaturen des Monats gemessen wurden. Die gesamte Niederschlagsmenge, überwiegend als Schnee gefallen, kam auf 57 Millimeter pro Quadratmeter. Die Elbe war eisfrei, führte aber im Jahr 2010 zum sechsten Mal Hochwasser. Sie hatte am 30. Dezember 2010 einen Pegelstand von 5,08 Meter, während vor einem Jahr 3,38 Meter gemessen wurden.

Zusammenfassend muss man sagen, dass 2010 kein so gutes Erntejahr war. Wir hatten in einem Jahr zwei Winter mit viel Dauerschnee und lange anhaltendem Frost. Den ersten Winter von Januar bis Ende Februar und den zweiten vom Ende November bis Ende Dezember 2010. War die Ernte von Getreide und Raps noch gut, so waren die Erträge von Kartoffeln, Zuckerrüben und Silomais nur mittelmäßig, während die Ernte von Äpfeln und Birnen in unserer Region ein totaler Ausfall war. Doch eine hundertprozentige Zufriedenheit hinsichtlich des Wetters gibt es nicht und so waren die Bedingungen von Januar bis Dezember 2010 auch nicht immer optimal. Es gab Wochen der Trockenheit, aber auch Monate mit viel Regen. Die gesamte Niederschlagsmenge des Jahres kam in unserer Region auf 717 Millimeter pro Quadratmeter, wobei im April mit drei Litern die geringste Menge gefallen ist und die Monate Mai mit 125 Litern, der August mit 157 Litern sowie der September mit 137 Litern die größten Regenmengen brachten. Die heißtesten Tage des Jahres waren mit 37 Grad der 10. und 11. Juli, während wir am Morgen des 26. Januar mit 17 Grad Frost die kälteste Nacht des Jahres 2010 hatten.

In der Hoffnung, dass 2011 ein besseres Jahr für uns alle wird und die Landwirte wieder durch eine gute Ernte für ihre Arbeit belohnt werden, möchte ich meinen Rückblick auf das Jahr 2010 mit einem Zitat von "Friedrich dem Großen" beenden, der da sagte: "Wer es im Leben fertig bringt, wo bisher ein Halm gewachsen ist, dass dort zwei wachsen, der hat für sein Volk mehr geleistet, als ein großer Feldherr, der eine Schlacht gewinnt."