Die frühere Petroleuminsel in Havelberg entsteht neu. Die Arbeiten zu ihrer Wiederherstellung auf dem Gelände des einstigen Baustoffwerkes laufen auf Hochtouren (die Volksstimme berichtete am 7. Februar).

Havelberg l Ab Mitte der 1920er Jahre war die Petroleuminsel aber gar keine Insel mehr, denn es gab schon auf der vorderen Seite eine Verbindung mit dem Festland. Mit dem Bau der Schleuse im Jahr 1934 wurde von der Halbinsel auch noch etwas abgetrennt, um den Weg zum Schleusenkanal zu begradigen. Den verbliebenen Havelarm nutzten die frühere Ziegelei und auch das Baustoffwerk als Hafen. Kleine Lastkähne fuhren hier bis etwa Anfang der 1950er Jahre ein und wurden be- oder entladen.

Auf der Petroleuminsel befand sich ein kleines Haus, in dem über die Jahre verschiedenste Besitzer wohnten. So diente es auch dem früheren Ziegeleibesitzer Gröger als Sommerresidenz. In die idyllische Lage des Massivhauses hatten sich schon damals viele Menschen verliebt. Die Bewohner setzten einen Fuß vor die Tür und hatten einen bezaubernden Blick auf die historische Altstadtinsel, den Dom und die Stadtkirche. Nur einen Schritt weiter führte eine Treppe hinunter zum Havelufer. Idylle pur!

Traumhaft schöne Kindheit

Davon kann die Havelbergerin Helga Kranz auch heute noch schwärmen. Sie hat mit ihren Eltern Gerda und Max Lindholz von 1953 bis 1970 in dem Haus gelebt. "Es war für meine Geschwister und mich eine traumhaft schöne Kindheit, denn wir hatten alles, was man sich zu dieser Zeit nur wünschen konnte. Im Sommer gingen wir vor der Haustür baden und im Winter war der Hafen zugefroren und lud zum Schlittschuhlaufen ein", erzählte die Seniorin. Aber auch das Rodeln war hier möglich, denn dazu wurden die Hänge des Hafens genutzt.

Unvergesslich sind für Helga Kranz die Stunden, die sie vor dem Haus auf der Bank saß und den Blick auf die Havel und alles, was sich rundherum befand, genoss. Die Eltern hatten gleich am Haus einen kleinen Garten mit Blumen und Gemüse für den Eigenbedarf, und daneben wurden zusätzlich noch Rüben und Kartoffeln angebaut. "In Richtung Sandauer Brücke befand sich damals, entlang am Havelufer, eine kleine Parkanlage, die mein Vater gepflegt hat. Sie war wunderschön", erinnert sich Helga Kranz.

Otto Mädel lebte als Letzter im Gebäude

"Hinter der Werkstatt der Ziegelei, in der ich beschäftigt war, gab es nur einen ganz schmalen Weg, der zum Haus führte", fügte Ehemann Egon Kranz an.

Langeweile gab es auf der kleinen Insel nicht, denn die Kinder aus der näheren Umgebung fanden auch den Weg dorthin. Anfang der 1970er Jahre, als ein Anbau an die alte Ziegelei durch einen Brand völlig zerstört worden war, schüttete man den Rest des Havelarmes zu.

Der letzte Bewohner des Hauses auf der Petroleuminsel war der Domstädter Otto Mädel. Nachdem er verstorben war, stand das Haus völlig leer und war dem Zahn der Zeit und damit dem Verfall preisgegeben. Einige Havelberger hatten aber großes Interesse daran, die Immobilie zu erwerben. Leider führte kein Weg dort hin, und so wurde sie abgerissen.

"Wir bedauern das sehr und hätten uns darüber gefreut, wenn der Zeitzeuge erhalten geblieben wäre", meinten Helga und Egon Kranz übereinstimmend.

   

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