Der Dresdner Verein "arche noVa" - auch er sammelte nach der Flut Spenden für die Region - finanziert ein Projekt, bei dem Jugendliche die Spuren der Flut künstlerisch aufarbeiten. Eine weitere Etappe war jetzt in Kamern.

Kamern l Das "Grüne Haus", die Umweltbildungsstätte in Kamern, ist in dieser Woche wieder fest in der Hand von Jugendlichen. Sie kommen aus dem gesamten Landkreis und gehören zur jungen Gemeinde der evangelischen Kirche. Beim Jugend-Konvent stehen diesmal Theater und Fotografie im Mittelpunkt, informierte Gemeindepädagoge Andreas Gierke. Der Erfahrungsaustausch zur Flut passt terminlich - jetzt, ein Jahr nach der Katastrophe.

"Spuren im Land" heißt das Projekt, das die aus Kamern stammende Anna Liban betreut. Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren sollen dabei die Katastrophe aufarbeiten, zwei Workshops laufen dazu im Grünen Haus parallel. Gastgeberin Stefanie Wischer ist zugleich im Vorstand des Kamernschen Vereins "neugierig" tätig, dieser ist Projektträger.

Der Treff in Kamern ist nach Stationen in Schönhausen und Klietz eine weitere Etappe. Die junge Fotografin Friederike Kalz aus Berlin ging mit ihrer Gruppe auf Fotosafari, dabei reiste man natürlich auch nach Fischbeck, wo das Unheil im Vorjahr seinen Lauf nahm. Jeder Teilnehmer des Workshops bekam eine Kamera, teils wurden diese über eine Firma geliehen. Unterwegs war die Truppe auch in Kamern, um Veränderungen nach der Flut zu dokumentieren.

Aus Berlin kam auch die junge Theaterwissenschaftlerin Jenifer Schnarr, sie leitete den Theater-Workshop. Die Teilnehmer sollten hier ihre Gefühle während der Flut zum Ausdruck bringen - die Isolation, die Rettung oder auch die Verteidigung der Deiche. Einer der Jugendlichen war selbst als Taucher mit vor Ort gewesen.

Die Ergebnisse der Workshops - also die Fotoausstellung und eine Theaterpräsentation - wurden gestern zum Abschluss allen gezeigt. Doch soll dies nicht alles gewesen sein: Beim Kirchentag, der am 14. und 15. Juni in Werben stattfindet, werden die Fotos sowie das Video von der Theatergruppe auch präsentiert. Zudem sind in Werben die jungen Christen aus Kamern, Kuhlhausen, Sandau und Schollene mit Exponaten vertreten, erklärte Andreas Gierke. Er verspricht ein Programm, das für die gesamte Familie interessant ist.

Beim Konvent in Kamern blieb er diesmal außen vor, er musste lediglich kochen und die Andachten halten. Mit dabei war auch seine Kollegin Rabea Reinhold aus Stendal.

Die jungen Christen aus Stendal hatten bei der Flut ebenfalls eifrig Spenden gesammelt. Und zwar auf ganz originelle Art: In der Fußgängerzone wurden Passanten angesprochen, ihr Geld für den guten Zweck zu tauschen. Die Sammler gaben eine bestimmte Summe, der Spender verdoppelte diese. So kamen am Ende über 200 Euro zusammen.

Nach dem Pfingstfest wird das Spuren-Projekt fortgeführt, berichtete Anna Liban. Eine Schulklasse aus Havelberg wird dazu geteilt, ein Teil geht ins offene Atelier nach Schönhausen, der andere nach Kamern. Umweltbildung und Kunsttherapie stehen auf dem Plan. Vom 14. bis 17. Juli wird das Grüne Haus erneut Gastgeber sein, neben Umweltbildung wird es dann auch ein Lehmbauprojekt geben. Der Ofen mit Bank soll auf dem Hof entstehen. Am Abend des 18. Juli werden alle Projekte präsentiert.