Havelberg l Sie ist eine von nur drei erhaltenen größeren Orgeln von Gottlieb Scholtze und zu gut 50 Prozent noch in ihrem Originalzustand erhalten. Gute Voraussetzungen für eine Restaurierung des in der Stadtkirche befindlichen Instrumentes, finden die 19 Frauen und Männer, die in Havelberg den Verein zur Restaurierung der barocken Scholtze-Orgel in der Sankt Laurentius Kirche gegründet haben. Wie berichtet, hatte Domkantor Matthias Bensch im Vorfeld bereits einige Anstrengungen unternommen. Die Evangelische Kirchengemeinde Havelberg als Eigentümerin des Gotteshauses ging zudem in Vorleistung und beauftragte ein Fachgremium mit vorbereitenden Aufgaben.

Zur Vereinsgründung hob Matthias Bensch noch einmal die Bedeutung der Orgel hervor. Scholtze, ein Schüler des herausragenden Orgelbauers Joachim Wagner, hatte sie in der Größe und Disposition so konzipiert, dass sie mit Wagner-Orgeln vergleichbar ist, etwa der im Brandenburger Dom. Von den zweimanualigen Orgeln sind heute nur noch fünf größere von Wagner und drei von Scholtze erhalten. Zwei davon stehen in Havelberg im Dom und in der Stadtkirche. Das besondere an der Stadtkirchenorgel ist, dass über die Hälfte im Originalzustand erhalten ist und das Instrument sehr gut in seinen Urzustand restauriert werden kann.

"Das ist eine ganz eigene Klangwelt, die hier geschaffen wird", verspricht der Domkantor. Die Klanglichkeit wird eine ganz andere als die im Dom, wo die Orgel 1796 von Ernst Julius Marx deutlich vergrößert und umgebaut wurde.

Kostenschätzung liegt bei 800000 Euro

Friedrich Egberink hob die Bundesgartenschau 2015 im nächsten Jahr und die Vereinsgründung zum jetzigen Zeitpunkt hervor und stellte den Bezug zur derzeit laufenden Sanierung der Stadtkirche her. Ohne die Buga, wenn in der Kirche die Blumenhallenschauen stattfinden, wäre die Restaurierung des Gebäudes nicht denkbar gewesen, die Kirchengemeinde hätte das Geld nicht zusammenbekommen. Und damit wäre auch an eine Orgelrestaurierung nicht zu denken.

Gemeindekirchenratsvorsitzende Sabine Jahnke berichtete von der in diesem Zuge geplanten Restaurierung der Gewölbedecke. Bei der jüngsten Bauberatung einigten sich die Beteiligten jedoch mit Blick auf die Orgelrestaurierung darauf, eine Notdecke einzuziehen, um die Orgel zu schützen. Für die Deckensanierung müsste das Instrument ausgebaut werden. "Da wir nicht wissen, wie lange wir brauchen bis zum Beginn der Orgelrestaurierung, wird jetzt eine Notdecke eingezogen", ergänzte Matthias Bensch. Eine solche in der Art einer Wanne sei übrigens bei jeder restaurierten Orgel gefordert, um das Instrument vor gegebenenfalls eindringender Feuchtigkeit durch das Dach zu schützen. Die Kirche wird im Gegenzug später die Restaurierung der Gewölbedecke übernehmen.

Die Kosten für die Restaurierung werden auf 800000 Euro geschätzt. Ziel des Vereins ist es, möglichst viele Leute ins Boot zu holen, die mitarbeiten und Ideen entwickeln, wie Spenden und Sponsoren eingeworben werden können. "Bei solch einem herausragenden Instrument sehen wir sehr gute Chancen, auch von Stiftungen finanziell unterstützt zu werden", sagte Matthias Bensch. "Diese Orgel ist für die Orgelwelt deutschlandweit von Bedeutung."

Konzept zur Restaurierung möglichst bis November

Für Startkapital in Höhe von 1000 Euro sorgte die Kiebitzberg-Gruppe. Nachdem ihm Mathias Bensch Anfang des Jahres die Bedeutung der Orgel erklärt hatte, sei der Funke sofort übergesprungen, sagt Geschäftsführer Andreas Lewerken. "Das sind zwei Glücksfälle für Havelberg: ein junger, engagierter Organist mit klaren Zielen und die Wiederentdeckung einer bedeutenden Orgel. Beides wird unsere Stadt weiter zu einer kulturellen Region entwickeln. Dafür wollen wir alle Register ziehen." Andreas und Renate Lewerken gehören zudem zu den Gründungsmitgliedern des Vereins.

Zum Vorsitzenden wurde Matthias Bensch gewählt, sein Stellvertreter ist Friedrich Egberink, Schatzmeister Ralph Jahnke. Sabine Jahnke ist Schriftführerin, Frank Ermer erster Beisitzer, Burghard Braatz zweiter Beisitzer.

Sobald die Eintragung im Vereinsregister erfolgt ist, soll die inhaltliche Arbeit beginnen. Denkbar zur Spendeneinwerbung sind zum Beispiel Patenschaften für Orgelpfeifen. Gesetzt wird natürlich auch auf die Buga-Besucher. Wenn jeder nur einen Euro spendet, käme schon ein ordentliches Sümmchen zusammen. Möglichst noch vor der Sommerpause soll die erste Mitgliederversammlung stattfinden. Bis November soll das Gutachten des Orgelsachverständigengremiums vorliegen, das ein Konzept zur Restaurierung erarbeitet und mit einem Orgelbauer abstimmt. Dann sind die Kosten konkreter zu benennen.