Eine erstmals durchgeführte bundesweite Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover liefert in einer Studie die Faktoren für die Krisenfestigkeit einer Region. Landrat Jörg Hellmuth sieht die Studie jedoch kritisch.

Stendal. Der Landkreis Stendal ist krisenfest, ja fast unerschütterlich. Der Landkreis schneidet in Sachen Krisenfestigkeit laut einer Studie des hannoveranischen Pestel-Instituts besser ab als alle anderen Landkreise in Sachsen-Anhalt und sogar besser als für krisenfest erachtete Stadtkreise wie München oder Hamburg. Platz 36 erreicht der Landkreis deutschlandweit, Magdeburg belegt Platz 111 und auch der Altmarkkreis Salzwedel liegt laut der Untersuchung hinter dem Landkreis Stendal.

Erstellt und herausgegeben wurde die Studie vom Pestel-Institut. Das 1975 gegründete "Institut für angewandte Systemforschung und Prognose e. V." wurde durch Prof. Eduard Pestel und eine Gruppe von Wissenschaftlern ins Leben gerufen. 1988 wurde das Institut, nach dem Tode seines Gründers, in Pestel-Institut umbenannt.

Für die Studie wurden 18 Indikatoren aus den Bereichen Wohnen, Verkehr, Flächennutzung, Energie und Wirtschaft ausgewählt. Sie beschreiben die Verletzbarkeit einer Region. Sie sollen zeigen, wie gut auch im Krisenfall die Handlungsfähigkeit einer Region oder Stadt durch Flexibilität, Ressourcenausstattung und Sozialkapital erhalten bleibt.

Als Quellen dienten Materialien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, die Regionaldatenbank des Statistischen Bundesamtes und die Bundesagentur für Arbeit.

Spitzenplätze belegt Stendal ganze neunmal. Einen Platz im oberen Drittel hat das Institut mit der 1 gekennzeichnet, im Mittelfeld mit der 2 und im unteren Drittel mit der 3 (siehe Infokasten rechts).

Landrat Jörg Hellmuth betrachtet die Studie jedoch eher skeptisch: "Grundsätzlich halte ich nicht so viel davon und empfinde einige Indikatoren als zweifelhaft und wenig aussagekräftig."

Regenerative Energie bringt Punkte

Im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs schneidet der Landkreis gut ab. Zur Einordnung untersuchte das Institut die ÖPNV-Fahrzeugkilometer je Einwohner im Jahr 2008. Laut Erklärung lässt sich in Krisen die Mobilität aufrechterhalten, wenn es ein großes ÖPNV-Angebot gibt.

Als eher negativ betrachtet die Studie die Zahl der zugelassenen Pkws. Ein hoher Besatz mit Pkws sei auch verbunden mit einer hohen Abhängigkeit von der Lieferung und der Preisstabilität von Erdöl. Damit sei die Abhängigkeit der auf Pkw angewiesenen Einwohner von Erdöl-Importen besonders hoch. Krisen mit Auswirkungen auf den Rohölpreis würden laut Studie zu deutlich negativen Wirkungen führen.

Soziale Stabilität und Arbeitsplätze vor Ort

Doch auch hier schneidet der Landkreis gut ab und landet im oberen Drittel.

Ganz frei von Widersprüchen ist die Studie aber nicht. Schließlich ist auch der ÖPNV-Verkehr abhängig von Erdölpreisen und somit in krisenerschütterten Zeiten betroffen.

Ebenfalls im oberen Drittel landet der Landkreis in Sachen Windkraftleistung und Biogasleistung. Durch einen hohen Anteil beider Energieproduktionen sichere sich die Region eine gewisse Unabhängigkeit, womit, so das Institut, Energiekrisen abgemildert werden könnten.

Insgesamt soll die Studie zeigen, dass nicht unbedingt internationale Wettbewerbsfähigkeit Sicherheit für die Zukunft signalisiert. Gerade in der öffentlichen Diskussion vernachlässigte Bereiche würden Schutz vor den Auswirkungen von Krisen bieten, heißt es in der Studie.

Dezentrale Energieerzeugung, soziale Stabilität, Verfügbarkeit von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und Arbeitsplätze vor Ort würden demnach bei der regionalen Abfederung einer Krise helfen. "In den letzten Wochen und Monaten sind wir ganz gut durch die Krise gekommen. Wahrscheinlich auch weil wir hier im Landkreis nicht so abhängig von der großen Industrie sind. Damit liegt die Studie schon richtig. Was aber viel wichtiger ist und mir größere Sorgen bereitetet, sind die hohen Arbeitslosenzahlen. Auch die sind aussagekräftig und beschreiben den Zustand einer Region", sagt der Landrat.

Mehr Informationen und die ganze Studie gibt es im Internet:

www.pestel-institut.de