Seit den 1890er Jahren steht in Schollene das backsteinerne Schulgebäude - seit Freitagmittag ist es verwaist. Die Kindertagesstätte wird im später errichteten Flachbau unterkommen, die Schollener Grundschüler werden sich in alle Winde zerstreuen.

Schollene l Die Angestellten müssen jetzt Trauerarbeit verrichten - in ihrer Urlaubszeit werden sie das Gebäude ausräumen. Die noch brauchbaren Dinge wurden auf die anderen Schulen verteilt.

Am letzten Schultag hatte Sportlehrerin Annegret Neumann noch eine gute Nachricht für alle Kinder: Die Schollener hatten im Vorjahr beim Sportabzeichenwettbewerb mit einer 87-prozentigen Beteiligung den 1. Platz unter all jenen Schulen im Landkreis Stendal belegt, die weniger als hundert Kinder haben. Von der Prämie bekam jedes Kind einen Gutschein für den Besuch des Havelberger Schwimmbades. Die besten Sportler aus jeder Klassenstufe - also Anton Scherf, Leonie und Tobias Thieke sowie Björn Bebenroth - durften sie als erste in Empfang nehmen.

Beim von Kathrin Kettern organisierten Abschlussfest am vorletzten Schultag leisteten die Kinder ein letztes Mal ihren kulturellen Beitrag zum Dorfleben. Die Viertklässler tanzten zu "Cotton Eye Joe" einen Linedance, Charlotta-Sofie Kutsche testete als Lehrerin in einem Sketch das Wissen ihrer Schüler. Auch Emma Beer, Adrian Schäfer und Niklas Graff spielten einen Sketch - ein Vater wollte seinem Sohn beibringen, wie man 28 durch 7 teilt. Elias Meyer sprach ein Gedicht über die Schule.

Die Schüler verabschiedeten sich von ihren Lehrern am letzten Schultag mit Blumen, auch Schulleiter Gunnar Berg bekam zum Abschied ein Geschenk.

Wernicke hätte sich mehr Widerstand gewünscht

Bürgermeister Armin Wernicke fehlen die Worte, wenn er über den letzten Tag der Schollener Schule sprechen soll. "Der Weg bis zu diesem traurigen Zeitpunkt war von vielen Emotionen geprägt. Das hat mir aber auch gezeigt, dass die Bewohner der Gemeinde hinter der Schule standen und sich für den Erhalt stark gemacht haben, wenn leider auch ohne Erfolg. Das war ein wichtiges Zeichen." Vom Verbandsgemeinderat hätte sich der Bürgermeister beim Thema Schulschließung gegenüber dem Land mehr Widerstand und zivilen Ungehorsam gewünscht, "man darf sich nicht alles gefallen lassen!"

Bringen würde die ganze Reihe der Schulschließungen gar nichts, "lediglich eine Umverteilung der Finanzen und eine Arbeitsgemeinschaft der Jungen Pendler". Nun sei es für die Gemeinde schwer, junge Leute für das Leben im Ort zu begeistern, denn eine fehlende Schule ist ein Ausschlusskriterium für das Leben auf dem Land. Von der Verbandsgemeinde erwartet der Bürgermeister, dass sie sich an ihre Zusage hält und nun schnellstmöglich die Schule zum Kindergarten ausbaut, damit zumindest der auf Dauer eine Zukunft in Schollene hat.

Absprachen mit dem Elternkuratorium

An dieser Zukunft muss noch geschliffen werden. Dazu treffen sich der Bauamtsleiter Ulf Wabbel und die Hauptamtsleiterin Renate Roßkamp demnächst mit der Kindergartenleiterin und dem Elternkuratorium vor Ort, um Einzelheiten zu besprechen. "Wir brauchen eine optimale Variante für die Kindergarten- und Hortkinder, die auch nachhaltig ist", so Ulf Wabbel. Wenn man sich auch mit dem Einverständnis des Jugendamtes auf eine endgültige Lösung geeinigt hat, soll zeitnah das Planungsverfahren beendet und die Genehmigung beantragt werden.

 

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