Die Mitglieder des Vereins "Altes Schöpfwerk Vehlgast" freuten sich, aus Anlass des Tages des offenen Denkmals so viele Interessenten begrüßen zu können.

Vehlgast l Unter den Gästen der Veranstaltung unter dem Motto "Farbe bekennen - eine neue Zukunft für das alte Schöpfwerk" war auch der Leiter des NABU-Havelprojektes, Rocco Buchta. "Ich bin selbst ein Kind der Havel, denn ich wurde in Rathenow geboren", begann er seine Ausführungen. Er erzählte kurz von einem Besuch in Kanada: "Als ich wieder zurückkam, stellte ich fest, dass es an der Havel viel schöner ist. Der Wildnis in Kanada fehlt die Natur und die haben wir hier an der Havel."

Deshalb ist er auch sicher, dass Menschen, die Ruhe suchen, verstärkt die Region aufsuchen. Er lobte die angebotene Hilfe der Stadt Havelberg bei der Instandsetzung des alten Schöpfwerkes und ebenso die Initiative der Vehlgaster zum Altarmanschluss. Rocco Buchta stellte das Projekt Altarmanschluss kurz vor und ging auf die langjährige Planungs- und Genehmigungsphase ein.

Ein weiteres wichtiges Thema war dann die Auenwaldbegrünung, bei der auch Stecklinge vom Havelberger Förderverein "Naturschutz im Elb-Havel-Winkel" zum Einsatz kamen. Rocco Buchta wünschte sich und allen Vehlgastern, dass alle Vorhaben noch bis zur Bundesgartenschau 2015 geschafft werden. "Ich bin optimistisch", so der "Vater" der Havel. Die Fragen der Vorsitzenden des Vehlgaster Schöpfwerkvereins, Ute Funk, und von weiteren Gästen konnte er ausführlich beantworten.

Schöpfwerk war von großer wirtschaftlicher Bedeutung

Vereinsmitglied Holger Ellmann referierte dann zur kulturhistorischen Entwicklung der Region aus wasserwirtschaftlicher Sicht. Er zeigte die verschiedenen Flussläufe der Elbe und Havel von der Steinzeit bis zur Neuzeit, den Bau der ersten Deichanlagen und Schleusen sowie das Hochwasser 1926/27 samt seinen Folgen.

Nach einer kleinen Pause ergriff der Mannheimer Albert Gieseler das Wort. Er war über viele Jahre im Mannheimer Landesmuseum für Arbeit und Technik als Gutachter für Industrie- und Denkmalpflege im süddeutschen Raum im Einsatz. "Ich kannte das Schöpfwerk in Vehlgast bisher nur von Fotos, die ich auch auf meiner Homepage habe, auf der fast alle Schöpfwerke Deutschlands zu finden sind. Daher freut es mich besonders, heute hier zu sein und alles mit eigenen Augen zu sehen", so der Technikexperte. Havelberg kannte er nur vom Namen her - aus Theodor Fontanes Erzählungen.

Albert Gieseler lobte zunächst den multifunktionalen Zweck der Kirche in Vehlgast und erzählte dann von der Flussleitung des Rheins und den dortigen Schöpfwerken. "Das Schöpfwerk in Vehlgast hat zu Zeiten seiner Tätigkeit ein Fünftel der umliegenden Flächen nutzbar gemacht und sich von den Kosten her schon nach zwei Jahren amortisiert." Albert Gieseler berichtete über die früheren Entwässerungsgenossenschaften, die sich zu Zeiten des Alten Fritz gegründet hatten, und von den verschiedenen Pumpanlagen auch in Holland, die es damals gab. Darunter befindet sich auch eine Anlage, die Weltkulturerbe ist. Zum Gebäude, in dem sich das Vehlgaster Schöpfwerk befindet, warnte der Fachmann vor einer wesentlichen Veränderung.

Obergeschoss soll Treff der Gemeinde werden

Ute Funk bedankte sich bei allen Referenten und sagte froh gelaunt: "Nun haben wir zusätzlichen Schwung für unser Projekt erhalten!"

Dazu gab es dann einige Ausführungen von den Vereinsmitgliedern Irma Stopka und der Architektin Petra Kahlfeld, die ein technisches Denkmal und einen Ort der Begegnung zugleich schaffen wollen. Die baulichen Belange des alten und neuen Schöpfwerkes wurden angesprochen und erläutert, wie man über weitere Schritte zum technischen Denkmal gelangen will. "Da die Hülle des alten Schöpfwerkes nicht unter Denkmalschutz steht, können wir das Projekt als technisches Denkmal in Angriff nehmen", so Petra Kahlfeld. Sie zeigte Entwürfe, wie es einmal aussehen könnte, und gab Erklärungen zur Aufstockung des Gebäudes. Die Vorstellungen des Vereins gehen dahin, im Obergeschoss des Neubaues einen Treffpunkt für die Gemeinde zu schaffen.

Der Erhalt der alten Technik im Maschinenraum steht aber im Vordergrund. Das fertige Gebäude soll ein Blickfang im Ort werden und nutzbar für Vereine, den NABU, die Feuerwehr, die Senioren und andere Interessenten sein.

Rocco Buchta zeigte sich von dieser Idee begeistert und meinte: "Das könnte die letzte Anlage im Binnenland Deutschlands sein. Daher sollte man anstreben, alles herauszuholen, um eine wirkliche Attraktion zu schaffen."

Dann ging es raus aus der Kirche zum Schöpfwerk.

Auf dem kleinen Fußweg dorthin wurde sich angeregt unterhalten. Der wuchtige alte Elektromotor für die Pumpe und die gesamte Anlage versetzte die Besucher ins Staunen. Die kleine Ausstellung mit Dokumenten aus der Kriegszeit ebenfalls.

Unter einem Pavillon gab es leckere Fischsuppe, die der Fischer in Strodehne gekocht hatte.

Mit angeregten Gesprächen klang der Tag aus.

   

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