Vehlgast-Kümmernitz l Seit dem Hochwasser 2002 sind Schafe als "Deichpfleger" wieder gefragt. Sie halten die Grasnarbe kurz, düngen sie zugleich und treten Mauselöcher zu. Doch die "Pfennigsucher" leben gefährlich - sie sind für Wölfe eine leicht zu greifende Beute.

Auf dem Havelsommerdeich nahe Vehlgast war die Herde eingepfercht gewesen, als sie nächtlichen Besuch von den "Neubürgern" erhalten hatte. Die Schafe gerieten ob der Nähe zu den Raubtieren hinter ihrem schützenden Elektrozaun in Panik und trampelten diesen auf der wilden Flucht nieder.

Über drei Kilometer weit lagen die toten Schafe nach der mörderischen Hatz verstreut, einige trieben in der nahen Jäglitz. Noch am Dienstag hatte ein Bauer einen siebten Kadaver auf seiner Weide gefunden - das tote Schaf war nach zwei Wochen Liegezeit schon übel verwest.

Wolfsfachleute hatten die Kadaver untersucht, die Rissgutachten bestätigten zum überwiegenden Teil, dass es sich um Wölfe gehandelt hatte, informierte Peter Oestreich von der Arneburger Biosphärenreservatsverwaltung. Diese ist im Land für das Wolfsmanagement zuständig.

Im Bundesland erhält der Tierhalter Entschädigung für Schäden durch Wölfe, der Antrag ist beim Landesverwaltungsamt einzureichen. Allerdings müssen die Schäfer einen gewissen Grundschutz vorhalten - ein Elektrozaun hält die Wölfe von der Herde ab. Das Problem hierbei: Ist der Pferch nur recht schmal, können die Schafe nicht weit genug ausweichen und geraten in Panik. Besser sei eine quadratische Einzäunung, raten Experten. Empfohlen werden zudem Herdenschutzhunde.

Für solche Fälle wie in Vehlgast liegen im Land Notfallsets bereit, welche an den betroffenen Schäfer nach Wolfsattacken ausgeliehen werden. Auch an den Haveldeich wurde anschließend ein stabilerer und höherer Zaun gebracht.

Tierhalter bekommen eine Entschädigung

Auf der Karte des Landesamtes für Umweltschutz sind die gesamte Nordhälfte sowie der Osten des Bundeslandes als Wolfsgebiete ausgewiesen. Erste Hinweise gab es 2008 beim Riss eines Schafes in Nedlitz.

Anziehungspunkte für die wiedereingebürgten Wölfe sind vor allem die relativ ruhigen Truppenübungsplätze, so hat sich seit 2009 in Altengrabow ein Rudel angesiedelt. Vor zwei Jahren wurde ein Paar in der Colbitz-Letzlinger Heide nachgewiesen.

Und auch in der Klietzer Heide verdichten sich inzwischen die Anzeichen: "Zwei, drei Wölfe sind wohl ständig auf unserem Platz", schätzt Kurt-Werner Balke vom Klietzer Bundesforstbetrieb. Regelmäßig gebe es Ablichtungen von den Fotofallen, auch Fährten gleich mehrerer Tiere wurden schon gefunden.

Unklar ist, ob sich in Klietz bereits ein Rudel gebildet hat, denn auch Jährlingswölfe streifen auf der Suche nach neuen Revieren gemeinsam umher. Diese könnten es womöglich auch gewesen sein, welche die Schafe nahe Vehlgast massakriert haben - um das Jagen zu erlernen.