Die Schollener Kinder haben die ersten Wochen an der Klietzer Grundschule gemeistert. Die gemischten Klassenverbände sind gut zusammengewachsen, so dass Schulleiterin Christine Kapl eine erste positive Bilanz ziehen kann.

Schollene l Die Klassenkameraden, die Lehrer, die schönen Klassenzimmer, den Schulhof, die Arbeitsgemeinschaften - all das finden die Schollener gut an der Klietzer Schule, zählten die Viertklässler unlängst im Sachkundeunterricht auf. Aber eine Sache gefällt ihnen ganz und gar nicht: Es gibt keine Schulklingel! In der Tat: Bislang reichte in Klietz ein Blick auf die Uhr, um die Stunde zu beginnen oder zu beenden. Den Wunsch der Schollener hat Schulleiterin Christine Kapl umgehend erfüllt: nun schrillt die Glocke zur Pause.

Dass sich die Schollener so gut in Klietz eingelebt haben, freut Christine Kapl. Sie hatte im zurückliegenden Jahr, als die Entscheidung zur Schulschließung in Schollene - von einer sehr emotionalen Debatte begleitet - gefallen war, so manche schlaflose Nacht und viele Sorgen, ob die Aufnahme der Mädchen und Jungen aus Schollene auch problemlos klappen wird. "Als es dann endlich soweit war, lief eigentlich alles wie am Schnürchen." Dafür wurde aber auch einiges getan: Im alten Schuljahr, als Schollene noch existierte, gab es einen Tag der offenen Tür in Klietz mit vielen Elterngesprächen, ein Schulfest, gleich am zweiten gemeinsamen Unterrichtstag eine Wanderung um den See, die Agrarspiele, Buchlesung, das Sandkastenprojekt, Crosslauf und die Projektwoche "Lebendige Elbe". Stets wurden dabei gemischte Gruppen gebildet, was die Freundschaft unter den Kindern förderte. Und die fußballspielenden Jungs fanden sofort einen Draht zueinander.

Unterschiedliche Lernmethoden

"Die Schollener sind für uns eine Bereicherung und ein Gewinn für unsere Schule!" ist die Schulleiterin erleichtert, dass es kaum Startschwierigkeiten gab. "Nicht ganz einfach war es in der 2. Klasse. Wir mussten uns etwas überlegen, weil sie in der 1. Klasse mit unterschiedlichen Methoden das Schreiben und Rechnen gelernt hatten. Die Klietzer lernten beispielsweise Druckschrift, die Schollener Schreibschrift, um nur ein Beispiel zu nennen. Deshalb werden sie in Deutsch, Mathe und Sachkunde auch getrennt unterrichtet und beide Methoden nach und nach zusammengeführt, so dass am Ende des Schuljahres alle die gleichen Voraussetzungen haben. Die beiden Lehrerinnen Margit Lemke und Annegret Neumann arbeiten hier eng zusammen."

Gut angenommen werden von den Schollenern auch die Arbeitsgemeinschaften. Die Teilnahme ist auch deshalb möglich, weil nach jeder Stunde ein Schulbus fährt, "über diese Regelung sind wir sehr glücklich". Neu im Klietzer AG-Programm ist Schach - ein Mitbringsel aus Schollene. Ebenfalls von dort übernommen wird der Wettbewerb zur Ermittlung des "Stärksten Schülers", der im Frühjahr das erste Mal ausgetragen wird.

Auch gute Zusammenarbeit mit den Eltern

Die Schollener Schüler sind in Klietz angekommen. Die Lehrer auch? "Wir sind auf dem Weg", so die vier Lehrerinnen und die pädagogische Mitarbeiterin optimistisch. Sie müssen auch in Sandau und Havelberg unterrichten, um auf ihre Stundenzahl zu kommen. "Die Schollener sind tolle, motivierte Kolleginnen, die unser kleines Klietzer Team stärken." Als Bereicherung empfindet Christine Kapl auch die Schulsekretärin Angela Berthold aus Schollene. Sie war schon ein Jahr zuvor nach Klietz gekommen. "Das hat vieles leichter gemacht!" Aus Schollene mitgebracht wurden auch Unterrichtsmaterialien und Dinge, die man in Klietz noch gut gebrauchen konnte, "wir sind jetzt bestens mit allem ausgestattet!" Der Umzug sei zwar mühsam gewesen, aber weil so viele Helfer auch aus den Gemeinden zupackten, habe man die Arbeit pünktlich zum Schuljahresbeginn geschafft.

Auch über die Zusammenarbeit mit den Schollener Eltern kann Christine Kapl nicht klagen, "es gibt kooperative, intensive Gespräche und Zustimmung zu unserem Konzept und den Angeboten".

Und die gibt es auch in den kommenden Wochen. Am 18. November heißt es "Eine Welt kommt ins Klassenzimmer". In mehreren Workshops geht es nach Kamerun, Peru und Afghanistan und auf Ostseefahrt. Der musische Weihnachtsabend findet am 5. Dezember statt. Am 15. Dezember fahren die Schüler zum Theater nach Rathenow.

86 Kinder lernen an der Klietzer Schule. In der 1. Klasse sind es 24 Mädchen und Jungen (ein Schüler aus dem Schollener Einzugsbereich), in der 2. Klasse 26 (13), in der 3. Klasse 14 (8) und in der 4. Klasse 22 (10). Neben den Klietzer Lehrerinnen Christine Kapl, Carmen Koch und Sabine Ebel sowie den Schollenerinnen Anja Berg, Annegret Neumann, Margit Lemke und Kathrin Kettern gibt es die pädagogischen Mitarbeiterinnen Katrin Köhler und Sylvia Hodum sowie die Schulsozialpädagogin Jacqueline Ladwig-Stempin.