Havelberg l Was die Besucher im "Haus der Flüsse" künftig erwartet, hat Projektleiter Armin Wernicke vom Biosphärenreservat Mittelelbe kürzlich den Mitgliedern des Havelberger Bau- und Wirtschaftsausschusses vorgestellt. Das Informationszentrum zum Thema "Natura 2000" entsteht in der Elbstraße neben dem neuen Parkplatz zur Bundesgartenschau. Das Wachsen des Gebäudes ist gut zum Beispiel von der Sandauer Brücke aus zu beobachten, auch die Struktur der Außenanlagen ist schon zu erkennen. In dieser Woche wurden zahlreiche Bäume angeliefert.

Das Gebäude, das mit viel Holz und Glas die Form eines Treibholzes erhält, wird im Innern mit multimedialer Technik ausgestattet, die jede Menge Informationen zum Biosphärenreservat und zur Havelrenaturierung bereithält. Vom Haus aus geht es über einen freigelegten Altarm der Havel auf einen Steg mit Blick zur neu angelegten "Petroleuminsel" - Havelrenaturierung in der Praxis.

Für den Inhalt der Ausstellung hat die Biosphärenreservatsverwaltung etliche Experten gewinnen können, berichtete Armin Wernicke. Das Konzept im Groben steht, an den Feinheiten wird noch gearbeitet. Spannend dürfte es auf jeden Fall sein, dank moderner Technik Natur und Umwelt erlebbar zu machen. Etwa mit einem Auenmodell, bei dem man sich mit einem fahrbaren Monitor Details anschauen kann.

Mit einem LED-Fußboden wird der Besucher in einen Flusslauf "gestellt", in dem ihm das Wasser virtuell um die Füße strömt. Die Flutungspolder werden dargestellt. Am virtuellen Aquarium lassen sich Fischarten beobachten. Jeder Platz im Haus wird ausgenutzt. So entsteht unter der Treppe ein Dunkelraum, der den Flug der Fledermäuse und ihre Laute darstellt. Auch an eine "Talkrunde" zu Naturschutz und Biosphäre mit einem Hauch von Provokation ist gedacht. Eine Klangecke in der Empore mit Blick nach draußen soll den Ruhepol bilden. Diverse Module geben Auskunft über Menschen, Tiere, Pflanzen, Arbeit, Kultur und Tourismus im Biosphärenreservat. "Der Zeitplan ist immer schon recht angespannt gewesen", antwortete der Projektleiter auf die Frage vom Ausschussvorsitzenden Uwe Klemm.

"Das wird hoffentlich eine maximale Punktlandung."

"Unsere Zielstellung ist aber nach wie vor, dass wir das Haus zur Buga eröffnen. Es wird hoffentlich eine maximale Punktlandung." Für die Erschließung mit Strom und Wasser musste auf der Elbstraße mit Ampelverkehr gearbeitet werden. Geheizt wird mit Erdwärme, in Spitzenzeiten springt eine Gasheizung ein.

Zum Personalkonzept befragt, sagte Armin Wernicke, dass zwei Mitarbeiter maximal vorgesehen sind, so wie auch schon jetzt im Biosphärenreservat Mittelelbe am Salzmarkt. Für die Zeit der Bundesgartenschau soll zusätzliches Personal geordert werden. Die Außenanlagen sind so angelegt, dass sie nicht ständig gepflegt werden müssen. Das Gelände soll frei zugänglich sein. Hier gab Ausschussmitglied Sven Hetke zu bedenken, doch über einen Zaun nachzudenken, um die Außenanlagen zu schützen. Die Erfahrungen in der Stadt, wo von frisch angelegten Bereichen Pflanzen herausgenommen und Wände und Mauern mit Graffiti beschmiert wurden, würden für eine Barriere sprechen.

Wolfgang Schürmann fragte nach der Verbindung zur Natur. "Vieles, was Sie im Haus zeigen, findet sich ja gleich in der Nähe." Es gibt Informationen im "Haus der Flüsse", wo bestimmte Dinge wie zum Beispiel Auenwälder in natura zu erleben sind, sagte Armin Wernicke. Er nannte auch die enge Verbindung zum Förderverein "Naturschutz im Elb-Havel-Winkel". "Wir suchen auch weiterhin Leute, die uns als Landschaftsführer unterstützen."

"Für Havelberg ist das Haus der Flüsse eine tolle Einrichtung und einmalig von Form und Inhalt. Das ist eine große Bereicherung", sagte Kämmerin und Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski. Das Angebot steht in dem bereits erschienenen Katalog für das "Grüne Klassenzimmer", das zur Buga öffnet. Es gibt schon über 70 Anmeldungen. "Wir müssen es schaffen, dass das Haus am 18. April 2015 eröffnet wird. Wir erwarten Besucher aus der gesamten Bundesrepublik und aus dem Ausland. Wir können uns keine Blamage leisten."

Damit das nicht passiert, wird emsig auf der Baustelle gearbeitet. Ziel ist es, das Haus so schnell wie möglich winterfest zu machen, um den Innenausbau vornehmen zu können. Gestern hob ein Kran die Brettbinder ein. Die Fassade wird zunächst mit Folie als Wetterschutz verkleidet, bevor sie ihr endgültiges Aussehen erhält. Das Dach, das als Gründach bewachsen sein wird, soll demnächst gebaut werden.