Wie die Situation in den Schulen ist, wollten die Mitglieder des Havelberger Kultur- und Sozialausschusses auf ihrer jüngsten Sitzung erfahren. Im Fokus stehen Grundschule und Hort, die räumlich aus den Nähten zu platzen drohen.

Havelberg l Das Raumproblem für Grundschule und Hort ist kein neues, doch erwartet Schulleiter Lothar Riemann eine mögliche weitere Verschärfung, wenn sich die Prognosen für die kommenden Einschulungen bewahrheiten. "Wir schulen im nächsten Jahr einen relativ schwachen Jahrgang aus, erwarten jedoch mit 52 Einschülern einen starken Jahrgang", sagte er auf der Ausschusssitzung, an der neben Schulleitern und Hortleiterin auch die Leiterin des Kreisschulamtes Ulrike Bergmann sowie Stadtelternrat und weitere Elternvertreter teilnahmen.

Im Jahr darauf könnten es 47 bis 53 Einschüler sein, je nachdem, wie mit den Erstklässlern aus Kuhlhausen, Warnau und Garz und den Schuleinzugsbereichen verfahren wird. Da es für die Klassenstufen 1 und 2 keinen Klassenbildungserlass gibt und somit keinen Teiler bei 29 Schülern, können drei 1. Klassen gebildet werden. Das Lernen in Gruppen sei angesichts dessen, dass Schüler mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen eingeschult werden, ohnehin angebracht. Bei 52 Kindern sollten drei 1. Klassen gebildet werden.

"Hort auf einer Ebene für mehr Sicherheit."

"Das Personal dafür haben wir, aber nicht die Räume", sagte Lothar Riemann. Derzeit verfügt die Grundschule über neun Klassenräume, zwei Werkräume sowie ein Musik- und ein Computerkabinett. "Wir haben in Havelberg eine stabile Zweizügigkeit mit der Tendenz zur Dreizügigkeit. Uns fehlen Räume, es ist fünf Minuten vor zwölf." Bis 2016/17 müsste mit knapp 200 Schülern gerechnet werden.

In dem jetzigen Gebäude der Grundschule weitere Räume schaffen zu wollen, wäre die Quadratur des Kreises, so Lothar Riemann. Wie die Lösung aussieht - Nutzung von Räumen der früheren Sekundarschule, Anbau oder Container - müsse diskutiert werden. Wichtig sei, dass eine Lösung gefunden wird, machte der Schulleiter deutlich.

Das Raumproblem betrifft nicht nur den Grundschulbetrieb, sondern auch den Hort. Zwar haben sich beide Seiten arrangiert und die Nutzung der Unterrichtsräume am Nachmittag für die Hausaufgaben wird auch praktiziert. Doch optimal ist das nicht und mit vielen Einschränkungen verbunden, wie Hortleiterin Bärbel Preß berichtete. Jeder Raum ist, angepasst an das Alter der Grundschüler, anders bestuhlt. Will eine Lehrerin etwa ein Tafelbild für den nächsten Schultag vorbereiten, geht das nicht, da die Hortkinder gleich nach Schulschluss den Raum nutzen wollen. Es passiert, dass Sachen wegkommen, weil sie auf den Schulbänken liegen geblieben sind und ein Hortkind sie aus Versehen mit einpackt. Schwierig ist auch, die Aufsichtspflicht zu gewährleisten in Horträumen, Fluren, auf dem Spielplatz und in der oberen Etage. Sobald Kollegen ausfallen, funktioniert das System nicht mehr.

Bei einem Rundgang zum Brandschutz wurden die Flure, die in der Betriebserlaubnis als Spielfläche erlaubt sind, kritisch betrachtet. Auf die Auswertung wird noch gewartet. Sorgen bereitet Bärbel Preß auch die Frage, was im Notfall bei einem Feueralarm ist. Die Kinder sind überall im Haus verstreut. "Kriegen wir auch alle wirklich rechtzeitig raus aus dem Haus?" Bestenfalls sechs Erzieher kümmern sich auf zwei Ebenen um 120 Kinder. "Ich bin für eine Ebene, und die Sicherheit ist gegeben."

Stadträtin Anke Dorsch brachte das Gebäude der Weinbergschule ins Gespräch, das nun seit über einem Jahr leer steht und wieder an die Stadt zurückgegangen ist. Möglicherweise wäre über das Förderprogramm Stark III was möglich, sagte sie - wohlwissend um die finanziellen Probleme Havelbergs. Fraktionskollege Herbert Luksch wollte von den Vertretern der Sekundarschule und des Gymnasiums wissen, ob sie Bedarf hätten, das Haus mit zu nutzen. Denn zumindest das Gymnasium plagen auch Raumprobleme. Doch beide verneinten dies.

Die Raumproblematik für Grundschule und Hort wird die Stadträte noch weiter beschäftigen. Wie Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski auf Nachfrage sagte, hat sich der Bauausschuss darauf geeinigt, ein Gutachten in Auftrag zu geben.

Der Bauzustand beider Gebäude soll analysiert werden, um sich über eine mögliche Entwicklung und Nutzung Gedanken machen zu können. Es hat mehrere Bekundungen gegeben von Interessenten, das Grundstück zu kaufen. Doch ein Vertrag ist nicht zustande gekommen. Auf die Ausschreibung, die die Stadt vorgenommen hatte, hat sich bisher niemand gemeldet.