Marienborn l Innerhalb von Sekunden tauscht das Auto im Vorbeifahren Informationen mit der Notrufsäule aus. Beim Einbiegen in die Kurve auf dem Testparcours in Marienborn zeigt der Bildschirm im Wagen: Achtung, Panne! Erst nach weiteren 50 Metern sieht der Fahrer den Liegenbleiber mit eigenen Augen. "Das defekte Fahrzeug hat seinen Status automatisch an die Notrufsäule gemeldet", erklärt Tobias Kutzler, der das Projekt für das Magdeburger Fraunhofer Institut betreut. Die Notrufsäule hat die Verkehrsbehinderung an eine Leitstelle übermittelt, die das Hindernis direkt an andere Fahrzeuge weitergibt. Ein System, das künftig Leben retten und Unfälle auf Autobahnen vermeiden soll.

Das übergreifende Projekt der Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen ist einmalig in Europa. Seit Ende 2013 wird das System entwickelt, mit dem Notrufsäulen an deutschen Autobahnen künftig ausgerüstet werden könnten. Mehrere Partner aus Sachsen-Anhalt, darunter das Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und Automatisierung in Magdeburg sowie die Initiative Galileo-Transport für Verkehrsforschung der Universität Magdeburg, sind daran beteiligt. Am Donnerstagvormittag sind an der A2 in Marienborn erste Ergebnisse vorgestellt worden.

"Die aufgerüstete Notrufsäulen könnten sehr sinnvoll für das intelligente Verkehrsmanagement genutzt werden", sagt Andreas Müller, Projekt-Initiator. Parallel zum Verkehrsfunk kann die Leitstelle auch Warnungen vor Falschfahrern, Baustellen und Staus an Autofahrer übermitteln. Zudem ist das System in der Lage, aus den Fahrzeugdaten die Verkehrsdichte und Geschwindigkeit zu ermitteln.

Noch sind einige Hürden zu überwinden, bevor das System auf den Markt kommt. Experten arbeiten derzeit noch an einer ausreichenden Stromversorgung für die aufgerüsteten Notrufsäulen. Zudem müssen auch die Autos mit der entsprechenden Technik ausgestattet werden. Bei den Herstellern der Automobilbranche ist die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur bereits seit Jahren einer der wegweisenden Trends. In Europa sollen ab 2016 alle Neufahrzeuge mit entsprechenden Geräten ausgestattet werden. Darauf haben sich die Autokonzerne zusammen mit der Europäischen Kommission bereits verständigt.