Ganz und gar nicht leise, zum Teil laut und hoch emotional, aber trotzdem in einer angenehmen und sachlich bleibenden Atmosphäre ist am Dienstagabend das Wahlforum der Havelberger Volksstimme im Festsaal des Rathauses abgelaufen.

Havelberg l Ein Fazit der Veranstaltung soll bereits am Anfang stehen: Am 26. April findet in Havelberg die wohl mit Abstand spannendste Bürgermeisterwahl statt, die die Stadt jemals erlebt hat. Die drei Bewerber um das Amt und ihre Ansichten kennen zu lernen, lockte am Dienstag immerhin an die hundert Wahlberechtigte und andere Interessenten in den Rathaussaal.

Jenny Kirchhoff möchte die "neue Trainerin" sein

Die drei Kandidaten stellten sich ihnen zunächst kurz vor und verbanden dies auch gleich mit einer kurzen Aussage darüber, wie sie sich ihre Bürgermeister-Amtszeit vorzustellen gedenken. Herbert Dierkes "möchte die Zukunft da gestalten, wo ich alt werde, möchte was bewegen". Zu den ersten Aufgaben müsse es seiner Ansicht nach gehören, "den Schwung, den die Buga bringt, mitzunehmen, so dass Havelberg noch lange davon profitiert". Jenny Kirchhoff verglich die bevorstehende Wahl mit dem Fußballsport. "Ich möchte eine gute neue Trainerin für Ihre Mannschaft sein", wandte sie sich an die Zuhörer im Saal, "und mit dieser nicht nur innen, also daheim, sondern auch auswärts punkten." Denn sie findet, dass so einige "Spielsysteme geändert werden" müssten, was im Fußball zumeist nur durch einen Trainerwechsel möglich ist. "Ein Wechsel bedeutet zugleich den Neuanfang und damit die Chance, Havelberg neu zu gestalten." Bernd Poloski als amtierender Bürgermeister findet, dass in Havelberg in den vergangenen 25 Jahren "eine Menge erreicht worden ist". Allerdings sei dies nicht allein Verdienst des Bürgermeisters, "sondern es war und ist immer die Leistung eines ganzen Teams", betonte er. Die Stadtentwicklung sei ein Prozess, der nie stehen bleibe. Im Fall, dass er wiedergewählt werde, "möchte ich meine Erfahrungen gern einsetzen und nutzen, um diese Stadt weiter nach vorn zu bringen", sagte er.

Der Haushalt der Stadt, die Frage zu Privatisierungen etwa der Touristinformation, des Bauhofes oder von Kindereinrichtungen, das "Kaufhaus Stadtinsel" oder die Frage, wie mehr Betriebe in der Stadt angesiedelt werden könnten, bestimmten im Anschluss das von der Redaktionsleiterin der Havelberger Volksstimme, Andrea Schröder, geleitete Forum.

Auch der Bürger sollte den Haushalt lesen können

Die Haushaltsfrage, so die grundsätzliche Auffassung aller drei Bürgermeisterkandidaten, werde auch in Zukunft maßgeblich die weitere Entwicklung der Stadt bestimmen. Jenny Kirchhoff möchte unter anderem mit einer Leitlinie zum Haushaltsplan die Überlegungen dahingehend fördern, wie Einnahmen erhöht und Ausgaben reduziert werden können. Dazu, findet sie, sollten auch Konzepte anderer Kommunen genutzt werden, denen es gelungen ist, neues Geld in ihre Kassen zu spülen. Aber nicht nur Geld, sondern zum Beispiel auch Sachleistungen müssten nach Havelberg geholt werden.

Herbert Dierkes möchte sich, wenn er denn Bürgermeister wird, dafür stark machen, dass der Haushalt nicht "im stillen Kämmerlein" gestrickt wird, sondern dass die Bürgerinnen und Bürger seinen Inhalt maßgeblich mitbestimmen können. "Die Einwohner der Stadt sollen den Plan lesen und verstehen, ihn öffentlich diskutieren und Anregungen für Veränderungen geben können." Jeder sollte zum Beispiel wissen, wie viel Geld für den Pferdemarkt ausgegeben wird, aber auch, wieviel Geld er andererseits für die Stadt einbringt und was damit gemacht wird.

Für Bernd Poloski hat in der Frage des (zur Verfügung stehenden) Geldes der Ausbau und die Weiterentwicklung der kommunalen Infrastruktur - diese deckt alle Bereiche in der Stadt ab, u.a. Straßennetz, Wohnraum, Trinkwasser, Abwasserentsorgung, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Jugendarbeit und Breitensport - oberste Priorität. Denn das seien Investitionen in die Gegenwart und die Zukunft der Stadt. Obgleich aufgrund der Knappheit des Geldes nicht immer alle Probleme zu lösen seien. "Auf Dauer können wir uns nur das leisten, was wir auch bezahlen können", sagte er. Zum Haushalt meinte Poloski, dass dieser selbst für die Mitarbeiter der Verwaltung und die Stadträte äußerst schwer lesbar wäre. Aber für seine Form gebe es nun mal gesetzliche Grundlagen, und an diese müsse sich die Stadt halten.

Was kann die Stadt besser, als ein Privatunternehmen?

Privatisierungen von Touristinformation und Bauhof sind für Herbert Dierkes absolut kein Thema: "Ein klares Nein! Denn welchen Einfluss würde dann die Stadt auf die Einrichtung behalten? Die Touristinformation ist Wirtschaftsförderung. Die können wir keinem Privaten überlassen." "Man kann nicht alles auf Teufel komm raus privatisieren, sondern muss abwägen: Macht das Sinn oder macht das keinen Sinn", ist die Auffassung von Jenny Kirchhoff "Die Frage ist: Was kann die Stadt besser und was kann ein privates Unternehmen besser?"

"Wenn das so einfach wäre, hätte es die Stadt schon längst getan", merkte Bernd Poloski an. "Wir verstehen die Finanzierung der Touristinformation als einen Beitrag zur Förderung des Tourismus. Was nützt eine Privatisierung, wenn der Inhaber nach zwei, drei Jahren insolvent ist und der Stadt die Leistungen der Touristinformation dann nicht mehr zur Verfügung stehen?"

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