Über den Bau des Radweges von Klietz nach Hohengöhren über Neuermark-Lübars wird schon seit Jahren geredet. Doch immer wieder werden die Pläne geändert. Auch aus der Zusage "2015 geht es los!" wird wieder nichts.

Klietz l Es wäre zu schön gewesen, wenn es gestimmt hätte, was Ministerpräsident Reiner Haseloff am Dienstagnachmittag bei der Einweihung der Klietzer Brücke sagte: "Der vierjährige Michel und seine Omi Christel Lühmann sind die Ersten, die den neuen Radweg von Neuermark bis nach Klietz passiert haben. Nun kann der Kleine täglich sicher mit dem Rad zum Kindergarten nach Klietz fahren."

Denn tatsächlich fertig ist nur ein ganz kurzes Stück des Radweges: 352 Meter von der neuen B107-Brücke über den Trübengraben entlang des alten Bahnhofsplatzes bis zur Einfahrt zum Wirtschaftsweg nach Neuermark. 180000 Euro hat dieser Abschnitt gekostet und gehörte zur Wiederherstellung des durch die Flut geschädigten Brückenbauwerkes. Die Landes- und Bundesvertreter, die zur feierlichen Freigabe gekommen waren (wir berichteten gestern), zeigten sich dankbar für die Solidarität, die es nach der Flut im Sommer 2013 gab, "das zeigt, dass wir in Deutschland solche Katastrophen gemeinsam bewältigen können". Der größte Teil des Geldes, das alle Bundesländer für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt haben, ist nach Sachsen-Anhalt geflossen.

Dass erst ein kurzes Stück des Radweges fertig ist, hörte der Ministerpräsident erst nach seinem Grußwort. Manfred Krüger von der Landesstraßenbaubehörde - zuständig für Bundesstraßen und begleitende Radwege - erklärte auf Volksstimme-Anfrage die weiteren Pläne: Nach langem Hin und Her ist die Entscheidung gefallen, den Radweg auf dem Bett der alten Kleinbahnlinie zu bauen. Der erste von vier Abschnitten ist jetzt fertig. Teil 3 von der Einfahrt zum Wirtschaftsweg bis zum Bahnhof sollte eigentlich dieses Jahr in Angriff genommen werden. Doch baurechtlich ist das noch nicht möglich, weil noch Grundstücksangelegenheiten zu klären sind. 2016 könnte es hier erst losgehen. Das bereits für dieses Jahr eingeplante Geld wird in ein anderes Projekt gesteckt. Abschnitt 2 vom Bahnhof bis zum Ortsausgang Lübars folgt ein Jahr später und das letzte Stück bis Hohengöhren anschließend. "Es wird bis 2017/18 dauern, bis alles fertig ist. Gerade das letzte Stück ist wegen einer ordentlichen Anbindung in Hohengöhren auch abhängig vom Ausbau der Ortsdurchfahrt. Der ist für das kommende Jahr geplant - unter der Voraussetzung, dass bei der beabsichtigten Vollsperrung die Umleitungsstrecke von Klietz über die Dämme fertig saniert ist." Hier muss noch die Straße von Klietz bis zur B188 erneuert werden und auch die Straße zwischen Schönhausen und dem Schönhauser Damm ist auszubauen. Beide Baumaßnahmen erfolgen in den kommenden Monaten. Für die Dammstraße läuft die Ausschreibung, für die von Klietz bis zum Wuster Damm war am Dienstag Submission.

Der künftige Klietzer Bürgermeister Hermann Paschke zeigte sich wenig erfreut von den langfristigen Plänen. Denn der Radweg von Klietz nach Neuermark ist in denkbar schlechtem Zustand: auf dem Streifen Betonplatten ist es holprig und der Sommerweg daneben birgt bei Trockenheit mit etlichen Stellen Zuckersand ebenfalls Gefahren für Radler. "Hier müssen wir umgehend wirksam werden!"

Im Rahmen der Flutsanierung ist die Reparatur des Wirtschaftsweges von Klietz nach Neuermark-Lübars geplant, die Genehmigung liegt noch nicht vor. Bauamtsleiter Ulf Wabbel rechnet nicht damit, dass vor 2016 etwas passiert. Auf Wunsch der Gemeinde Klietz soll das Stück vom Neuermarker Ortsausgang bis zur alten Bahnlinie (künftiger Radweg) befestigt werden - ob dem so zugestimmt wird, wird sich zeigen.

Der Bau des Radweges von Klietz nach Hohengöhren bleibt also eine unendliche Geschichte. Der vierjährige Michel wird wohl schon zur Schule gehen, wenn er tatsächlich auf ordentlichem Weg nach Klietz radeln kann.

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