Wer wissen will, was es mit den Philosophischen Bauern und ihrem ornithologischen Wundertütenkabinett auf sich hat, wie die Gesellschaft die Landnutzung beeinflusst und was sich hinter den "9 Yards of Flavour" verbirgt, sollte die "Old School" in der Havelberger Schulstraße besuchen.

Havelberg l Den Tag der Städtebauförderung nahmen die Künstler Ursula Achternkamp und Wolf Guenter Thiel am Sonnabend zum Anlass, die neuen Ausstellungen in ihrem neuen Domizil zu eröffnen. Sie haben sich dem zur früheren Wolf-Schule gehörenden Gebäude auf dem Areal des Erlebnispädagogischen Centrums ELCH angenommen, wollen es für sich privat und als Künstlerhaus für die Öffentlichkeit sanieren. Damit schon jetzt wieder Leben in das lange Zeit leerstehende Haus kommt, sind zwei Ausstellungen in die untere Etage eingezogen. Draußen ist ein Teil der "9 Yards of Flavour" zu sehen, wovon es auf der Stadtinsel weitere zu entdecken gibt.

Mit den neun Kräuter- und Duftfeldern auf dem Salzmarkt, im Havelvorland, in der Langen Straße und in der Schulstraße stellt Wolf Guenter Thiel die Verbindung zu dem Weltbild der Beguinen her. Das Beguinenhaus auf dem Salzmarkt ist neben der Stadtkirche das einzige erhaltene mittelalterliche Gebäude auf der Stadtinsel. Ausgehend von der Geschichte der Beguinen als Laienschwestern und ihren Kenntnissen in der Pflanzen- und Kräuterheilkunde wurde mit jeder Skulptur jeweils ein "monochromes Duftkissen" geschaffen. So wachsen in den ummauerten Feldern zum Beispiel Kamille, Salbei, Thymian, Wermut, Indianerkraut, Lavendel und Minze. Die alten Backsteine stammen von Abbruchgrundstücken aus der Region.

Die Felder werfen Fragen auf wie: was passiert mit den privaten und halböffentlichen Räumen, die offensichtlich nicht genutzt werden? "Indem wir hier Skulpturen schaffen, schaffen wir einen Zugang der Öffentlichkeit zu diesen Orten und rücken diese nachhaltig ins Bewusstsein", so die Idee des Künstlers. Natürlich dürfen die Kräuter gepflückt werden. Für den Hof Lange Straße 36/37 ist noch mehr vorgesehen, berichtet Ursula Achternkamp. Besucher könnten dort ein Picknick machen und die Kräuter dafür nutzen.

In der "Old School" wurden am Sonnabend zwei Ausstellungen eröffnet. Zum einen die LandNutzenLeben in Kooperation des Johann Heinrich von Thünen-Institutes Braunschweig und des Thünen-Museums Tellow. Johanna Fick und Angela Ziegler berichteten über die Erstellung der Tafeln, die sehr anschaulich den Wandel der Landnutzung am Beispiel der Landwirtschaft seit 1800 zeigt. Ausgehend von der Zeit Johann Heinrich von Thünens wird darüber informiert, wie gesellschaftliche Veränderungen die Landnutzung beeinflussen. Die Ausstellung erläutert aktuelle wissenschaftliche Forschung zur Landnutzung und wagt auch einen Ausblick auf die zukünftige Landnutzung.

Zudem öffnete am Sonnabend in der "Old School" das Ornithologische Wundertütenkabinett der Philosophischen Bauern. Basis hierfür war das 222-jährige Jubiläum von "Der Philosophische Bauer" von Johann Andreas Naumann aus Köthen. Rund 60 Autoren lenkten einen ornithologischen Blick auf die Gesellschaft und auf "strukturelle Vogelprobleme". Die Druckgrafiken samt Betrachtungen stecken als "ungebundenes Blätterwerk" in einer Box und können gekauft werden - auch zugunsten der Sanierung der "Old School".

Alle Ausstellungen laufen während der Buga-Zeit, die Duftbeete werden als Kunstprojekt der Gartenschau vom Zweckverband mit präsentiert. Beide Künstler bedankten sich am Sonnabend anlässlich der Eröffnung - die sich an den ersten Rundgang zur Städtebauförderung anschloss - bei all den Partnern, die die Projekte unterstützt haben.

   

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