Auf die Hilfe aufmerksam zu machen, die Nepal auch zwei Monate nach der Erdbebenkatastrophe benötigt, ist das Ziel von Jörn Dreuw. Als rollender Spendenbutler war der Journalist aus München auch auf Buga-Wegen unterwegs.

Havelberg l "Nepal nicht vergessen. Bitte spenden Sie!" steht zusammen mit der Internetadresse auf der Rückseite der Butler-Uniform von Jörn Dreuw. Am Donnerstagabend und Freitagmorgen fiel er in Havelberg auf. Denn auf seinem akkubetriebenen Einrad daher rollend, bietet er ein ungewohntes Bild. Und dann ist da noch die Montur eines Butlers mit einer großen Melone auf dem Kopf.

"Das Thema soll lange in den Medien bleiben."

Der 45-Jährige macht auf die Menschen in Nepal aufmerksam, die seit dem schweren Erdbeben vom 25. April und den Nachbeben in großer Not leben. Dabei sammelt er selbst kein Geld, sondern macht auf vier Hilfsorganisationen aufmerksam. "Zur jetzt beginnenden Monsunzeit in Nepal haben Tausende Menschen auch Wochen nach dem Erdbeben noch kein Dach über dem Kopf. Zudem sind die Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen, auch die Trinkwasserversorgung funktioniert noch nicht", sagt Jörn Dreuw. Ihm ist wichtig, dass die Erdbebenkatastrophe von Nepal möglichst lange als Thema in den Medien bleibt, um die verheerenden Folgen immer wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rufen.

Wie er auf die Idee gekommen ist? "Ich habe gerade einige Wochen Zeit. Da wollte ich, so wie Freunde von mir auch, in München ehrenamtlich Asylbewerbern helfen, sie bei Ämterbesuchen begleiten, ihnen Nachhilfe in Deutsch geben. Dann kam das Erdbeben und ich überlegte, was ich für diese Menschen machen kann", erzählt der Online-Journalist, der auch für den Focus gearbeitet hat. Nur Radfahren wäre nicht auffällig genug. Ihm kamen zwei seiner Hobbys in den Sinn, mit denen er Tradition und Moderne verbindet und, vor allem, auffällt. Schon als Kind hat ihn die Fernsehserie "Das Haus am Eaton Place" mit Butler Hudson begeistert. Vor ein paar Jahren absolvierte er deshalb auf der Butlerschule in den Niederlanden einen Lehrgang. Seit kurzem interessieren ihn zudem elektrische Einräder. Die perfekte Kombination war gefunden.

Zum Ausprobieren war er zuerst im Bereich Regensburg unterwegs, besuchte den Nepal-Himalaya-Pavillon, der nach der Expo 2000 dort von einem Privatmann aufgebaut wurde, und die Walhalla. Er kam an mit seiner Idee und die Pläne, entlang der Flusswege Deutschlands als rollender Spendenbutler auf Tour zu gehen, wurden konkreter. Von Reiseangeboten mit Gepäcktransport nahm er aus Kostengründen schnell Abstand. Es geht auch viel einfacher, wie Jörn Dreuw auf den ersten Etappen von Hamburg bis Wittenberge festgestellt hat. Seinen schweren Rucksack verschickt er per Versanddienst. Auf der Tour von Wittenberge bis Berlin, wo er am Montag ankommen wollte, reicht ihm eine Bauchtasche. Drei Kilogramm Gepäck gönnt er sich. Portemonnaie, weiße Handschuhe, Zahnbürste, einmal Ersatzunterwäsche - abends wird gewaschen -, zwei Handys mit verschiedenen Netzanbietern, Akkus und das drei Zigarettenschachteln große Netzteil fürs Einrad finden darin Platz. Außen angebracht ist eine Luftpumpe.

Die Melone für den Kopf war nicht so leicht zu bekommen. Der Skater-Helm für die Sicherheit auf seinen Touren hat einen Durchmesser von 67 Zentimetern, die größte Melone misst 63 Zentimeter. Er fand einen 3-D-Drucker, der ihm das passende Rund für den Helm anfertigte.

Gerade komfortabel scheint das Fahren mit dem Einrad über so lange Wege nicht zu sein. Schließlich steht man mehr oder weniger still. "Es fängt schon mal an zu kribbeln in den Füßen, aber das ist schnell wieder vorbei, wenn man abgestiegen ist." Und wie fährt sich solch ein Einrad? Am Anfang sind Laternenmaste eine gute Hilfe, um aufzusteigen und loszufahren. Beim Losfahren balanciert er nach vorn, beim Halten lehnt er sich zurück. Mit den Armen schwingt Jörn Dreuw, um nach links oder rechts zu fahren. Zehn Zentimeter über dem Boden ist er bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell. Bis zu 25 Kilometer schafft er mit einer Akkuladung. Ist der Akku ganz leer, muss er eine zweieinhalbstündige Pause einlegen, um ihn aufzuladen.

"Pro Tag fahre ich 40 bis 50 Kilometer."

"Pro Tag fahre ich 40 bis 50 Kilometer." Mehr ist zeitlich nicht zu schaffen. Nicht nur wegen der Ladezeit, sondern auch, um zum Beispiel die vielen Pressetermine zu schaffen, direkt im Gespräch mit Journalisten oder am Telefon. Und um den Internet-Blog zu füttern, dort lässt sich alles nachlesen. Am Freitagvormittag hat er schon zwei Interviews hinter sich, als er sich, über die Fähre von Werben aus kommend - in Havelberg hatte er aufgrund der Buga keine Übernachtung mehr bekommen -, am Haus der Flüsse mit der Volksstimme trifft. Die Pressetermine sind ihm wichtig, denn damit erhält er genau die Aufmerksamkeit, die er sich für Nepal wünscht.

Das funktioniert. Ebenso die Gespräche mit Leuten, die er unterwegs trifft. Da er kein Geld annimmt, verteilt er stattdessen kleine Zettel mit den wichtigsten Daten der Hilfsorganisationen. Und dann steht ja, nicht überlesbar, auf seinem Rücken: Nepal nicht vergessen!

Es gibt noch viele Flussradwege in Deutschland, die Jörn Dreuw als Spendenbutler entlangrollen will. Elbe und Havel haben ihm schon viel Spaß gemacht.

Wer mehr über seine Tour und die Spendenaktion erfahren möchte: www.spenden-butler.de

 

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