Mit seinen Pfunden muss man wuchern. Eines dieser Pfunde, mit dem die Stadt Klötze punkten kann, ist die Orchideenwiese hinter dem Waldbad. Um die seltenen Pflanzen des Biotops zu schützen und gleichzeitig Naturfreunden zugänglich zu machen, ist ein Steg angelegt worden.

Klötze l Ein großer Steg ragt seit einigen Tagen in die Orchideenwiese am Klötzer Waldbad hinein. In Auftrag gegeben hat das Projekt der Klötzer Ortschaftsrat. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der Steg in den vergangenen Winterwochen gebaut worden.

"Die ABS Drömling leistete hier hervorragende Arbeit", freut sich Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Schmidt bei einem Ortstermin am Dienstag. "Die Kosten dafür sind für die Stadt gering, weil die Forst den Steg gesponsert hat", sagt er.

Jedoch ist die hölzerne Anlage noch nicht ganz fertig und deshalb auch noch nicht freigegeben. "Das Schlammloch im Zugangsbereich muss noch mit einem Mineralgemisch aufgefüllt werden", stellt Hans-Jürgen Schmidt in Aussicht. "Am Wanderweg aus Richtung Waldbad, an der Benjeshecke vorbei, wird ein Knüppeldamm angelegt, damit Wanderer trockenen Fußes hierher gelangen können", sagt er weiter.

3000 bis 5000 Orchideen wachsen dort

Allerdings könne keine Betonbahn für Rollstuhlfahrer angelegt werden. Dafür sei dort nun mal Wald, schränkt Schmidt ein.

Zweck des Holzsteges ist einerseits, die Orchideen auf der morastigen Wiese vor dem Zertreten durch unvorsichtige Wanderer zu schützen, die seltenen Pflanzen andererseits aber auch für Naturfreunde erlebbar zu machen. Sie können sich über den Steg mehrere Meter in die Wiese hinein begeben. Ein Fernglas mitzubringen, ist empfehlenswert.

"Der Standort ist ideal", schwärmt der Ortschef: "In der Nähe befindet sich die Stelle zum traditionellen Schöpfen des Osterwassers, der Altmark-Rundkurs führt hier vorbei, Benjeshecken bieten Kleintieren Lebensraum."

Wie in Klötze üblich, traten schon kurz nach dem Bau des Steges die ersten Kritiker und Spötter auf den Plan. Überdimensioniert, Schiffsanleger ohne Schiffe und anders betitelten sie den Steg. Hans-Jürgen Schmidt entgegnet ihnen: "Die Pfeiler sind absichtlich so groß gewählt worden, weil der Steg ja möglichst 100 Jahre halten soll."

Der Ortschef hat einmal die Pflanzen auf drei Quadratmetern ausgezählt. "Wenn ich das hochrechne, komme ich auf zirka 3000 bis 5000 Orchideen auf dieser Wiese", hat er ermittelt. "Während der Blühzeit im Mai ist das hier eine wahre Pracht", findet Hans-Jürgen Schmidt. Deshalb soll in dem Wonnemonat auch die offizielle Einweihung der touristischen Attraktion erfolgen. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Ebenso im Mai trifft sich Hans-Jürgen Schmidt mit dem Beetzendorfer Folker Rattey für eine Bestandsaufnahme an der Orchideenwiese. Der pensionierte Lehrer soll sich einmal die verschiedenen Pflanzenarten auf dem Areal ansehen. Nach seinen Angaben werden dann zwei Schautafeln angefertigt, eine zu den seltenen Pflanzen, eine zweite mit Informationen über die Tiere, die dort leben.

Auch die Mitglieder des Klötzer Imkervereins wollen ihr Schärflein beitragen. "Sie wollen hier einen Bienen-Lehrpfad einrichten", berichtet Hans-Jürgen Schmidt. Dieser solle interessante Informationen über die Imkerei und die Bienenhaltung liefern.