Es brodelt in Wenze und Quarnebeck. Einwohner fordern konkrete Informationen von der Betreiberfirma GDF Suez, die derzeit Wartungsarbeiten an der Erdgasförderstelle vornimmt. Befürchtet wird, dass das Bohrloch bei Wenze für Förderprojekte mit dem Fracking-Verfahren fit gemacht werden soll.

Quarnebeck l Wie ein Weihnachtsbaum ist der Bohrturm bei Wenze beleuchtet. Container dienen als Lärm- und Sichtschutz, das Gelände ist Tag und Nacht bewacht. Anwohner in direkter Nachbarschaft zu dem Bohrloch empfinden das Prozedere als geheimnisvoll. Wer nichts zu befürchten habe und mit offenen Karten spiele, müsse sich nicht so verstecken, sagen die Kritiker. Während der Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstag in Quarnebeck machten sie ihrem Herzen Luft. Sie sprachen von ihrer Angst, dass die Bohrsonde still und heimlich für das Fracking vorbereitet werden soll. Bei diesem Verfahren werden Wasser und Chemikalien in das Gestein gepumpt, um Erdgas oder -öl leichter fördern zu können (Siehe Info-Kasten).

Ortstermin in nächster Zeit abgelehnt

Ortsbürgermeister Marco Wille berichtete, dass auch er Kontakt mit GDF Suez aufgenommen habe. "Ich wollte einen zeitnahen Ortstermin vereinbaren", sagte er. "Das sei in absehbarer Zeit nicht möglich, war die Antwort." Er befürchtet, dass GDF Suez auf Zeit spielt, denn in sechs Wochen sind die Arbeiten bei Wenze beendet. "Dann ist es zu spät für ein Treffen vor Ort", befand Marco Wille. "Das ist kein gutes Geschäftsgebaren." Wille schlägt vor, zusammen mit der Bürgerinitiative (BI) "Kein CO2-Endlager Altmark" die Firma GDF Suez nachdrücklich zu einer Informationsveranstaltung aufzufordern.

Besorgt zeigten sich auch Detlef Täger und sein Sohn Carsten. Ihr Betrieb liegt nur 300 Meter vom Bohrloch entfernt. "Ich bin besorgt deswegen, weil keiner Bescheid weiß", sagte Detlef Täger. "Wenn man das so hört hier, kriege ich Angst. Wir haben als Grundstücksbesitzer Rechte und fordern Informationen."

Marco Wille schränkte ein: "Wir haben rechtlich keine Handhabe. Zuständig ist das Landesbergbauamt in Halle." Wartungsarbeiten, wie von GDF Suez angekündigt, seien nicht genehmigungspflichtig, auch ein Beteiligungsverfahren für Kommunen und Grundstücksbesitzer müsse nicht durchgeführt werden.

Offizielle Anfrage an das Bergbauamt erwogen

Carsten Täger schlug vor, die Wege für das Unternehmen zu sperren, um es so zu klaren Aussagen zu zwingen.

Eine eindeutige Positionierung, ob bei Wenze Fracking angewendet werden soll oder nicht, forderte André Liesche von GDF Suez. "Keiner weiß was, das verunsichert uns. Das Bohrloch liegt im Naturschutzgebiet, das passt alles nicht", betonte er. Marco Wille will sich über die Möglichkeit einer offiziellen Anfrage an das Bergbauamt erkundigen. "Wir haben einen moralischen Anspruch auf Akteneinsicht", begründete er. "Und einen rechtlichen", ergänzte André Liesche. Fakt ist: Sie wollen sich nicht mit fadenscheinigen Aussagen abspeisen lassen.