Der öffentliche Informationsdruck auf den Betreiber der Bohrstelle Wenze, GdF Suez E P Deutschland mit Sitz in Lingen, wächst. Eine Bürgerinitiative hegt Zweifel, dass dort nur Wartungsarbeiten vorgenommen werden, was die Bevölkerung weiterhin verunsichert.

Wenze l Beide Seiten bleiben in ihren Verlautbarungen auf Kurs: Die Information von Pressesprecherin Hanna Jansky vom Lingener Unternehmen lautet eindeutig, dass es sich bei den derzeitigen Aktivitäten auf dem Areal der Bohrstelle Wenze1 ausschließlich um routinemäßige Wartungsarbeiten handelt. Derartige Überprüfungen und Wartungen unterliegen alle Bohrstellen, die von dem Unternehmen betrieben werden, so die Pressesprecherin bereits am 26. November auf eine Anfrage der Volksstimme.

Allerdings war in der Anwort nicht die Rede von einem möglichen Abfackeln von Rohgas. Dass diese Möglichkeit "in Ausnahmefällen besteht, um eine Bohrung zu testen oder im Zuge von Wartungs- und Reparaturarbeiten, wie im Falle der Bohrung Wenze 1, das ist möglich". Das Gas werde aber gereinigt, bevor es über eine Fackel verbrannt wird, stellt die Pressesprecherin heraus.

Diese Information erfolgte erst nach einer erneuten Anfrage, nachdem die Bürgerinitiative (BI) "Kein CO2-Endlager Altmark" vergangenen Mittwoch informierte, "dass auf dem Areal der Wenzer Bohrstelle ein weiterer zirka acht bis zehn Meter hoher Turm aufgestellt worden sei.

Bürgerinitiative befürchtet Quecksilber-Emissionen

Nach Ansicht des Anrufers, so der lokale BI-Sprecher Siegfried Lenz, könnte es sich um einen sogenannten Gasbrenner handeln. "Das würde bedeuten, GdF beabsichtigt, Rohgas abzufackeln", so die Annahme von Lenz. Rohgas falle bei der Erdgasgewinnung immer wieder an, sei jedoch der gesundheitsschädlichste Teil in der Erdgasproduktionskette. "Darin enthalten sind sämtliche Giftstoffe aus der Tiefe, wie beispielsweise Quecksilber, andere Schwermetalle und radioaktive Stoffe. Die würden durch Abfackeln je nach Windrichtung und -geschwindigkeit in die Umgebung verteilt werden", gibt der Umweltschützer zu bedenken. Lenz kenne aber auch eine Aussage, die informiert, dass das vor geraumer Zeit zu verbrennende Rohgas aus einer Anlage bei Kemnitz zuvor gereinigt worden sei. "Halte sich eine Person zirka 15 Minuten in solch einem Abgasbereich auf, könne das zu einem etwa 20 Stunden anhaltenden unangenehmen Gefühl von Trockenheit im Mund führen, was auf Quecksilber hindeuten könnte", so seine Warnung.

Eine andere Befürchtung der BI sei die sogenannte Freiförderung. So würden Flüssigkeiten oder Feststoffe aus Förderbohrungen entfernt. Bei Freiförderarbeiten und Tests werden ebenfalls häufig Fackelarbeiten notwendig, wodurch Quecksilberemissionen auftreten können, informiert Lenz.

Die Bürgerinitiative rät den politischen Vertretern auf kommunaler wie Landesebene, sensibel auf die möglichen Gefahren mit Anfragen beim Landesamt für Geologie und Bergwesen und beim Betreiber zu reagieren. Auch zieht die BI eine Demonstration als Bürgerprotest vor der Bohrstelle bei Wenze in nächster Zeit durchaus in Erwägung.