Um die ärztliche Versorgung in der Region zu verbessern und wieder einen Hausarzt in die Gemeinde zu locken, setzt Apenburg-Winterfeld auf Eigeninitiative und das Leader-Programm. Mit der entsprechenden Förderung könnte ein Gesundheitszentrum entstehen.

Apenburg/Winterfeld l Apenburg hat nach der Aufgabe von Allgemeinmediziner Siegfried Garten schon keine Hausarztpraxis mehr und mit den regelmäßigen Sprechstunden, die der Badeler Walter Schulz einmal wöchentlich im Nachbarort Winterfeld anbietet, könnte es auch bald vorbei sein. Denn der Arzt geht in wenigen Jahren in den Ruhestand und ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Die Gemeinde Apenburg-Winterfeld droht wie schon Jübar und Dähre ein weißer Fleck auf der Hausarztkarte zu werden.

Doch damit wollen sich die Gemeinderäte nicht abfinden, sondern offensiv gegensteuern. Sie haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem Thema beschäftigt. "Eine Chance, etwas zu reißen, wäre Leader", erläuterte Bürgermeister Harald Josten der Volksstimme. Im Rahmen des EU-Förderprogramms könnte in der Gemeinde ein Gesundheitszentrum entstehen. "Wir würden als Gemeinde das Gebäude stellen, in dem sich ein oder mehrere Ärzte mit ihren Praxen, aber auch Therapeuten und medizinische Dienstleister niederlassen könnten", so Josten. Durch die gemeinsame Nutzung von Personal und Wartezimmern könnten Synergieffekte erzielt und Kosten gespart werden.

Dachverband: Bedarf für mehr als einen Hausarzt da

Das Projekt hat die Gemeinde bereits bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Mittlere Altmark eingereicht, die über die Prioritätenliste der zu fördernden Maßnahmen entscheidet. Auch eine Mitgliedschaft in der LAG als Interessengruppe "Querdenker Apenburg-Winterfeld" ist beantragt. "Damit wir mitentscheiden können", berichtete Ninett Schneider. Die Winterfelder Ratsfrau hat sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Frage beschäftigt, wie junge Mediziner nach ihrem Studium als Hausärzte in die Region gelockt werden können.

Eine Mindestumsatzgarantie - wie in Dähre, wo sich trotzdem kein Arzt gefunden hat - reiche nicht aus, vielmehr müsse man ein soziales Umfeld schaffen, in dem sich potenzielle Kandidaten aufgehoben fühlen. "Viele haben Angst, allein dazustehen, die müssen wir ihnen nehmen", meinte Schneider. Es gehe um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Einbindung in das soziale Leben vor Ort und die Vermittlung von Lebensqualität in der ländlichen Region. "Wenn ein junger Arzt überzeugt ist, dass es hier lebenswert ist und es eine Perspektive für ihn gibt, kommt er auch zu uns", hofft Harald Josten.

Zur Kassenärztlichen Vereinigung (KÄV) hat Ratsmitglied Bernd Benecke, der ebenfalls in der Arbeitsgruppe mitarbeitet, bereits Ende vergangenen Jahres Kontakt aufgenommen, um eine Bedarfsanalyse zu erhalten. Die liegt inzwischen vor. Ergebnis: In der Gemeinde Apenburg-Winterfeld gibt es definitiv Hausarztbedarf und zwar für mehr als eine Stelle. "Und selbst wenn es für Dr. Schulz einen Nachfolger gibt, besteht immer noch Bedarf. Der Bereich ist groß genug für mehrere Ärzte, die sich auch ergänzen können", berichtete Ninett Schneider.

Kontakt mit Unis Halle und Magdeburg aufgenommen

Die Winterfelderin hat Kontakt mit den Universitäten Magdeburg und Halle aufgenommen, an denen Mediziner ausgebildet werden. Während in Magdeburg die Studenten erst im letzten Semester in Richtung Allgemeinmedizin orientiert werden, wenn die Weichen oft längst anderweitig gestellt sind, gibt es in Halle ab dem ersten Semester eine Allgemeinmedizinerklasse. Die Studenten werden so frühzeitig herangeführt, erhalten einen erfahrenen Hausarzt auf dem Land als Mentor und machen bei diesem in den Semesterferien praktische Erfahrungen. "Leider wird da nur der südliche Bereich des Landes abgedeckt, so dass wir höchstens Glück mit einem Studenten aus unserer Region haben könnten, der wieder zurück will", meinte Schneider, die den Leiter der Sektion Allgemeinmedizin, Professor Andreas Klement, als Unterstützer des Projekts gewinnen konnte.

Mit Medizinabsolventen, die bei der KÄV nach einer Hausarztstelle anfragen, will die Gemeinde frühzeitig Gespräche führen und sie von den Vorteilen der Region überzeugen. "Wenn es uns gelingt, junge Leute zu binden, die einen Draht zu den Unis haben, baut sich hier vielleicht in Zukunft eine ganz neue Ärztestruktur auf", hofft Ninett Schneider. Das sei auch eine Chance für Orte wie Beetzendorf, wo sich ebenfalls die Hausarztsituation in einigen Jahren altersbedingt verschlechtern könnte.

Auch mit den aktiven Ärzten der Region habe man bereits Kontakte geknüpft. Diese könnten potenzielle junge Kollegen an die Hand nehmen und ihnen den Berufseinstieg erleichtern.

Fest steht: Die Gemeinde will nicht abwarten, bis das Projekt eine Förderzusage über Leader erhält. "Wenn die Kassenärztliche Vereinigung sagt, wir haben jemanden für euch, werden wir zugreifen", kündigte Ninett Schneider an.