Sechs hochmoderne Windkraftanlagen will ein Bremer Unternehmen südwestlich von Drebenstedt errichten. Die Pläne wurden den Einwohnern am Dienstagabend vorgestellt.

Bornsen l Am Ende gab es am Dienstagabend nur zufriedene Gesichter im Bornsener Dorfgemeinschaftshaus: bei den Einwohnern, die über den geplanten Windpark informiert wurden, ihre Fragen los wurden und schließlich keinerlei Bedenken hatten, bei den Landeigentümern, die für die Bereitstellung der Flächen fürstlich entlohnt werden, bei der Gemeinde, die vom Windpark finanziell profitiert, und natürlich bei den Verantwortlichen des Bremer Unternehmens WPD über die Vertragsunterzeichnung mit der Kommune. Die fand im nichtöffentlichen Teil der anschließenden Ratssitzung statt, nachdem die Gemeindevertreter ihre Zustimmung gegeben hatten.

Nachdem das Areal südwestlich von Drebenstedt 2013 als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen wurde, hat das Unternehmen die erforderlichen Vorarbeiten für die Genehmigung des Windparks erledigt. "Es wurden ein Vogel- und Fledermausgutachten erstellt, der Schall- und Schattenwurf untersucht, Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen für die Versiegelung festgelegt und Vermessungen durchgeführt", berichtete Mitarbeiter Nils Warburg. Mitte vorigen Jahres sei man in das Genehmigungsverfahren gegangen, das in diesem Jahr seinen Abschluss finden soll.

Geplant ist die Errichtung von sechs Windrädern, die sich wie an einer Perlenschnur aufreihen. Mit 179 Meter Gesamthöhe und einem Rotordurchmesser von 117 Metern werden es Anlagen der neuesten Generation (Typ Nordex N 117) sein. "Sie haben den Vorteil, dass die Rotoren ruhiger laufen, was nicht nur für das menschliche Auge vorteilhafter ist, sondern durch die langsamere Drehzahl auch geringere Geräuschimmissionen produziert", erläuterte Nils Warburg. Man liege weit unter dem gesetzlich festgelegten Grenzwert von 45 Dezibel bei Nacht.

Das nächste Wohnhaus liege wie vorgeschrieben mindestens 1000 Meter von den Anlagen entfernt. Und auch um den Schattenwurf brauchen sich die Bornsener und Drebenstedter keine Sorgen machen, versicherte Warburg. Es sei genau berechnet worden, in welchen Minuten bei welchem Wohnhaus Schatten zu sehen wäre. "Für diese Zeit wird die Anlage aus dem Wind genommen. Die entsprechenden Protokolle müssen wir der Genehmigungsbehörde als Nachweis vorlegen", erklärte Nils Warburg.

Mit dem Bau der Windräder soll im dritten Quartal begonnen werden, wenn die Genehmigung vorliegt. Das Betonfundament, das jeweils 20 Meter Durchmesser hat, wird zuerst gesetzt und muss zirka zwei Monate trocknen. Dann kommen die Anlagen, deren Aufbau jeweils eineinhalb Wochen dauern wird. Mit 65 Meter langen Schwerlasttransportern sollen die Teile vom Rostocker Hafen über mehrere Autobahnen, Radenbeck, Gladdenstedt, Jübar und von da über Feldwege angefahren werden. "Wir haben auch noch zwei Alternativrouten, aber das ist die wahrscheinlichere Variante", informierte Warburg. Der Antransport würde über sieben bis acht Nächte erfolgen.

Gemeinde hat finanzielle Vorteile ausgehandelt

Der erzeugte Strom (ein Windrad hat eine Nennleistung von 2,4 Megawatt, der gesamte Windpark kann 14700 Haushalte versorgen) soll über das Umspannwerk Nettgau, das auf dem Gelände des Glunz-Werkes liegt, ins Netz eingespeist werden. Bis dorthin muss deshalb vom südlichst gelegenen fünften Windrad eine zirka acht Kilometer lange Kabeltrasse gelegt werden. Auch deren Route steht bereits fest. "Sie führt über den alten Postweg und dann parallel zur Kreisstraße nach Jübar", erläuterte Volker Sittig, der für die Trassenplanung zuständig ist. Der Ort wird über den unbefestigten Seitenstreifen des neu ausgebauten Verbindungsweges zum Kahnberg, den Mehmker Weg und den Bromer Weg umrundet. "Wir gehen einen Meter in die Erde und verlegen dort ein Mittelspannungskabel von 15 Zentimeter Durchmesser sowie ein Leerrohr für die Steuerkabel", berichtete Sittig.

Mit der Fertigstellung des Windparks rechnet das Unternehmen bis zum Jahresende. "Wenn die Witterung mitspielt, sonst kann es auch Anfang 2016 werden", beantwortete Nils Warburg eine entsprechende Frage der Einwohner. Die wollten auch wissen, was denn die Gemeinde von dem Windpark für Vorteile hat. Bürgermeister Carsten Borchert versicherte, dass mit Firma und Eigentümern Verträge mit finanziellen Zusagen ausgehandelt worden seien, mit denen die Gemeinde sehr zufrieden ist. "Und wenn ich sehr zufrieden sage, dann will das was heißen", meinte Borchert, ohne konkrete Zahlen zu nennen.