Die Hüter für den Brandschutz und die öffentliche Gefahrenabwehr sind alarmiert: Die Bereitschaft in der Bevölkerung, freiwillig Hilfe zu leisten sinkt kontinuierlich, was sinkende Bestandszahlen in den Ortsfeuerwehren verdeutlichen. Auch bei der Ausbildung sieht es nicht besser aus.

Klötze l Das Hobby Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu sein, dieses Verlangen ist aktuell kein attraktives, wie die Ortswehrleiter fast aller Feuerwehren in der Einheitsgemeinde Klötze in ihren Jahresberichten resümieren. Die Gründe dafür sind offensichtlich vielfältiger Art. Als Hauptgründe werden die beruflichen Erfordernisse und feuerwehrspezifischen Anforderungen benannt, die mit dem persönlichen Zeitmanagement nicht vereinbar sind. Insbesondere junge Menschen lehnen nicht die Mitgliedschaft in der Kameradschaft Feuerwehr ab, jedoch meinen sie einschätzen zu können, dass es dann für die Teilnahme an einem Feuerwehrlehrgang nicht reicht.

Aber genau derartige Lehrgänge müssen Mitglieder jeder Feuerwehr erfolgreich absolvieren, um überhaupt als Einsatzkraft verantwortlich und nach bestem Wissen und Können retten, löschen und bergen zu dürfen. Am kommenden Sonnabend beginnt eine Truppmannausbildung für Einsatzkräfte von Wehren aus der Einheitsgemeinde Klötze, die bereits die umfangreiche Grundausbildung bestanden haben. Lediglich sieben Teilnehmer treten an, um sinnbildlich den Gesellenbrief für das Feuerwerkhandwerk zu erlangen.

Mit diesem innerhalb von sechs Wochenenden erworbenen Wissen stehen die Truppmänner oder -frauen am Beginn, Gefahren für Leib und Leben, auch für das eigene, emotional ruhig einzuschätzen und als Trupp abzuwehren. Eine Ausbildungsstaffel in der Ersten Hilfe gehört dazu. Zudem soll ein zum Truppmann ausgebildeter Kamerad die Gerätschaften und die Bestückung aller Einsatzfahrzeuge, zumindest innerhalb der Einheitsgemeinde, kennen.

Für die Truppmann-Ausbildung in der Einheitsgemeinde zeichnet der Jahrstedter Jan-Christian Jacobs verantwortlich. Ihm zur Seite stehen ausgebildete und erfahrene Führungskräfte, die die Rechtsgrundlagen, die Geräte und deren Umgang sowie praktische Erfordernisse in Einsätzen beherrschen. Und sie besitzen auch das Zeug, den Nachwuchskräften die Hemmschwelle vor dem Unbekannten zu nehmen, wie Klötzes Stadtwehrleiter Rüdiger Wührl informiert. Nach Aussage des Stadtwehrleiters können die Anforderungen an eine Feuerwehreinsatzkraft mit einem hochkomplexen Berufsfeld verglichen werden. "Die Feuerwehrkameraden erfüllen freiwillig eine Aufgabe, die in einem gesetzlichen Rahmen fest formuliert ist und auch dementsprechend erfüllt werden muss", erklärt Wührl.

Er sieht in erster Linie die Ortswehrleiter in der Verantwortung, damit die Motivation für die Bekämpfung "heißer" und brenzliger Einsätze stimmt. "Die Wehrleiter müssen als Vorbild und mit Engagement den großen Rahmen des Feuerwehrwesens vorgeben", so Wührl. "Wie der dann auf die regionalen Bedürfnisse umgesetzt wird, das ist mittlerweile eine Anforderung, die im Verbund zu lösen ist. Wir müssen Feuerwehr vorleben und so begeistern", ist Wührl überzeugt.

Auch Bürgermeister Matthias Mann sieht Ausbildung und Einsatzerfüllung im Verbund als zukunftsweisendes Erfolgsrezept. "Wir praktizieren diese Vorgehensweise ja bereits. Das bringt Vorteile, auch weil die Feuerwehrleute bei Ausbildung, Übung und Einsatz immer wieder gemeinsam eine Lösung finden müssen", meint der Klötzer Bürgermeister.