Das vierte Jahr in Folge sind im Rahmen eines Landesprogrammes tausende Meerforellen in die Jeetze, den Tangelnschen Bach und die Salzwedeler Dumme ausgesetzt worden. Sie sollen zum Laichen Richtung Nordsee wandern und anschließend in den Flüssen wieder heimisch werden.

Beetzendorf l Auch Meerforellen mögen keinen Temperaturschock. Deshalb misst Steffen Zahn, Projektbearbeiter des Wanderfischprogramms Sachsen-Anhalt, zunächst, wie kalt das Jeetze-Wasser oberhalb der Brücke am Beetzendorfer Stölpenbad ist. Neun Grad zeigt das Thermometer an. Ungefähr die gleiche Temperatur sollte auch das kühle Nass im Beutel haben, in dem die winzig kleinen Forellen-Brütlinge schwimmen. Ist die Anpassung erfolgt, geht es in den Eimer, den Ronald Gracz, Vorsitzender des Kuhfelder Angelvereins, vorsichtig in der Flussmitte gegen den Strom entleert.

30000 der Fische haben Mitglieder der Angelvereine Salzwedel, Kuhfelde und Klötze, die das Wanderfischprogramm unterstützen, am Freitag in mehreren Flüssen der Region ausgesetzt. Mit 12500 davon die meisten an fünf verschiedenen Stellen in der Salzwedeler Dumme. In den Tangelnschen Bach kamen 10000 Tiere an vier Stellen, die Jeetze schließlich wurde mit 7500 Meerforellen an drei Standorten besetzt.

Ziel der Aktion, die bereits das vierte Jahr in Folge wiederholt wird, ist es, die Fischart in den Fließgewässern wieder heimisch zu machen. Bis vor 100 Jahren war die Meerforelle in Jeetze, Tangelnschen Bach und Dumme noch überall anzutreffen. "Der Raum Salzwedel war für seine großwüchsigen Lachsforellen regelrecht berühmt, das wissen wir aus historischen Unterlagen", erläuterte Steffen Zahn, der am Institut für Binnenfischerei in Potsdam arbeitet.

Durchlässigkeit der Flüsse hat sich verbessert

Doch dann legte der Mensch den Fischen, die zum Laichen flussabwärts in Richtung Meer wandern, mehr und mehr Barrieren in den Weg. "Vor allem der Verbau durch Wehranlagen und Mühlen hatte seine Auswirkungen", weiß Steffen Zahn. Meerforellen seien zwar relativ sprungkräftig, "aber irgendwann liegt auch für sie die Barriere zu hoch". Dazu kam die intensive Bewirtschaftung von Flächen durch die Landwirtschaft, die Begradigung der Flussläufe und der Verlust von Laicharealen. "Die Gewässerverunreinigung und Nährstoffbelastung haben ihr Übriges getan, dass die Meerforelle im Laufe der Zeit verschwunden ist", berichtete Zahn.

Seit der Wende habe sich die Situation an und in den Flüssen zum Guten gewendet. Die Gewässer wurden sauberer und Schritt für Schritt gelang es, den ursprünglichen Lebensraum der Meerforelle wieder herzustellen. "Es wird viel für die Durchlässigkeit getan, damit die Tiere zu ihren Laichplätzen gelangen können, etwa durch den Bau von Wanderhilfen an Wehren", erklärte Zahn.

Erste Rückkehrer im Herbst nachgewiesen

Das 2009 gestartete Wanderfischprogramm des Landes habe auch schon erste Erfolge aufzuweisen. So sind in der Nuthe bei Zerbst, in die ebenfalls regelmäßig Brütlinge eingesetzt wurden, inzwischen über 100 Meerforellen wieder heimisch geworden. In der westlichen Altmark können diese Zahlen noch nicht erreicht werden, aber die ersten Forellen sind nach Auskunft von Steffen Zahn im vergangenen Herbst von ihren Laichplätzen in die Jeetze zurückgekehrt. "Sechs habe ich selbst nachgewiesen und von weiteren aus dem Einzugsgebiet der Jeetze weiß ich. Das ist für den Anfang schon sehr zufriedenstellend", freute sich der Experte.

Allerdings warte noch viel Arbeit. "Der Bestand muss sich weiter stabilisieren. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen", so Zahn. Etliche Baumaßnahmen an den Flüssen, die deren Durchlässigkeit verbessern und von denen die Fische profitieren, seien noch geplant. Und mit der Zeit würden auch die Rückkehrerzahlen der ausgesetzten Fische steigen. "Wir müssen einfach noch ein paar Jahre Geduld haben", zeigte sich der Institutsmitarbeiter optimistisch, dass die Meerforelle schon bald wieder ein echter Altmärker wird.

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