Klötze l So hatte sich Hubert Reinecke den ersten Tag zu Hause nach einer erlebnisreichen Flugreise nicht vorgestellt. Nachts um zwei Uhr nach einem zehntägigen Urlaub wieder in Klötze angekommen, führte sein erster Weg nach dem Frühstück zur sogenannten alten Müllkippe unweit des Breitenfelder Weges in Klötze. Seit Jahren hat er die Fläche vom Landkreis gepachtet, betreibt mit seinen Schafen dort Landschaftspflege. "Die Tiere halten das Gras kurz und der Eigentümer hat keine Ausgaben für Pflegemaßnahmen", so Reinecke.

Während seines Urlaubs hatten sich seine Tochter Yvonne Krebs und deren Tochter Franziska um die Schafe gekümmert. "Wir waren zweimal am Tag hier, haben sie gefüttert, durchgezählt und geguckt, ob alles in Ordnung ist. Es waren bis Mittwochabend immer alle 15 Schafe da", so Yvonne Krebs.

Zwei Schafe aus der Herde fielen Wölfen zum Opfer
Als Hubert Reinecke nun Donnerstag früh die Tiere wie gewohnt wieder selbst versorgte, fiel ihm zunächst auf, dass sie sich ihm scheuer als sonst näherten. Beim Zählen stellte er dann fest, dass zwei Tiere fehlten: ein ausgewachsenes mehrere Jahre altes Mutterschaf und ein schon etwas größeres Lamm.

Bei der Suche nach den Tieren wurde er rasch fündig, als er ein gutes Stück weit vom Futterplatz entfernt den ausgeweideten Kadaver des Mutterschafes entdeckte. "Ein furchtbares Bild", sagt er. "Das Fleisch von den Rippen war fast vollständig abgenagt und das an der Wirbelsäule auch." Einige Meter davon entfernt fand Hubert Reinecke noch die Überreste eines Hinterlaufes mit Huf und samt einem großen bewollten Fellfetzen. Darüber hinaus Spuren von Blut und Schafswolle, die vermuten lassen, dass die Beute es seinem nächtlichen Räuber nicht leicht gemacht hat. "Das Lamm ist ganz verschwunden, das hat er wohl mitgenommen", vermutet der Schafsbesitzer. Die gesamte Wiese hat er mit seiner Tochter abgesucht - und keine Überreste des Tieres gefunden.

Dass dies das Werk eines einzigen Wolfes gewesen sein soll, kann sich Hubert Reinecke kaum vorstellen. "Das waren bestimmt mehrere", vermutet er.

Gewissheit, dass tatsächlich ein Wolf auf der Weide gewütet hatte, bekam er noch am selben Tag von Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolf des Biosphärenreservates Mittelelbe. Vom Wolfsbeauftragten zur Begutachtung gebeten, traf er am frühen Nachmittag auf der Weide ein.

DNA-Test soll klären, ob Wolf bereits registriert ist
Wie Reinecke erfuhr, sollen die genommenen DNA-Spuren nun Erkenntnisse darüber bringen, ob es sich um einen Wolf handelt, der bereits registriert ist.

Für Hubert Reinecke steht indes fest, dass er seine Tiere nicht weiter als Lebendfutter auf dem Silbertablett servieren will. "Ich werde sie noch heute hier wegholen", kündigt er an. Auch denke er darüber nach, seinen Schafbestand deutlich zu reduzieren. Dann müsse die Landschaftspflege auf der alten Müllkippe wohl anders realisiert werden, sagte Hubert Reinecke.

 

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