96 Prozent des vergangenen Jahres liefen die Motoren der Tangelner Biogasanlage mit voller Leistung und versorgten das Dorf mit preiswerter Wärmeenergie. Nur der Stromausfall zum Jahresende verhinderte ein noch besseres Ergebnis. Um zukünftig unabhängig von solchen Störungen im Netz des regionalen Energieerzeugers zu sein, schwebt dem landwirtschaftlichen Unternehmen (LU) eine autarke Stromversorgung mit alternativen Energien vor.

Tangeln. Das Bürgernahwärmenetz in Tangeln, das über die Biogasanlage des landwirtschaftlichen Unternehmens (LU) mit Heizenergie gespeist wird, ist zu einer großen Erfolgsgeschichte im Dorf geworden. "Ich höre nur positive Resonanz von den Bürgern, die an das Netz angeschlossen sind. Und die, die es noch nicht sind, würden am liebsten jetzt auch mitmachen", berichtete Günther Willer, Geschäftsführer des LU und der Biowärmegenossenschaft, während des Besuchs von Landrat Michael Ziche. Allerdings sei die Anlage an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, so dass eine Erweiterung des Nahwärmenetzes nicht mehr möglich ist.

Neun Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie hat die 2008 fertiggestellte Biogasanlage, in der Rindergülle, Stallmist, Mais- und Anwelksilage verarbeitet werden, im vergangenen Jahr produziert. "Davon verbrauchen wir 1,75 Millionen Kilowattstunden für unseren eigenen Betrieb und 6,8 Millionen Kilowattstunden fließen ins Nahwärmenetz", erläuterte Willer. Dazu kommen 8,5 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, die ins allgemeine Netz eingespeist werden. "Die würden für 2428 Haushalte reichen, so dass wir mit unserem Strom eine Stadt wie Klötze versorgen könnten", meinte der Geschäftsführer.

Die Biogasanlage trage zudem zu einer Vermeidung von Kohlendioxid-Ausstoß bei. "5,236 Tonnen im Jahr bei der Stromerzeugung und 2,38 Tonnen bei der Wärmeerzeugung. Und das netto", hat Günther Willer errechnet.

Die beiden 530-Kilowatt-Blockheizkraftwerke liefen im vergangenen Jahr 8429 beziehungsweise 8449 Stunden unter Volllast. Da das Jahr 8760 Stunden hat, waren somit über 96 Prozent der Zeit abgedeckt. Nur die Stromausfälle über die Weihnachtsfeiertage verhinderten ein noch besseres Ergebnis. "30 Stunden war das Oberdorf und sogar 44 Stunden das Unterdorf ohne Strom, so dass wir in dieser Zeit auch keine Wärme aus der Anlage liefern konnten", berichtete Günther Willer. Für die Zukunft sei die Absicherung mit eigenen Notstromaggregaten geplant.

Noch besser wäre allerdings ein eigenes Stromnetz für Tangeln, das abgekoppelt von demjenigen des regionalen Energieversorgers eon-Avacon ist. Dass das möglich ist, davon ist Willer überzeugt. "Ein Mix aus mehreren alternativen Energien wäre das beste", meinte der Geschäftsführer. So könnten neben dem Biogas auch Photovoltaikanlagen und Windräder zur Energieversorgung des Ortes beitragen. Doch bei Letzteren fängt das Problem schon an. Tangeln ist im aktuellen Regionalen Entwicklungsplan nicht als Gebiet für die Errichtung von Windkraftanlagen ausgewiesen. "Vielleicht würde es aber mit kleineren Windrädern klappen", meinte Willer.

Als erstes soll nun eine Untersuchung gestartet werden, inwieweit eine solche autarke Stromversorgung des Ortes machbar und wirtschaftlich ist. Günther Willer hofft dazu auf die Unterstützung der Regionalen Planungsgemeinschaft, der auch der Landrat angehört. "Ziel ist eine sichere Versorgung des Dorfes mit Strom und Wärmeenergie, mit der wir auch über Jahre unabhängig vom Weltmarktpreis sind. Vielleicht werden wir hier so eine Art Modellregion, wie es sie in Veltheim am Harz schon gibt", blickte der Rohrberger voraus.

Landrat Michael Ziche äußerte beim Besuch in Tangeln seinen "Respekt für den Mut, so ein Projekt wie das Nahwärmenetz auf die Beine zu stellen". Vor allem sei wichtig, dass die Bevölkerung dies nicht nur mitträgt, sondern sogar initiiert hat. "Hier haben alle etwas davon", freute er sich. Mit Sorge sehe er dagegen, dass sich große Aktiengesellschaften, die keine regionalen Wurzeln haben, zunehmend Grund und Boden auf privilegierten landwirtschaftlichen Flächen "unter den Nagel reißen". "Da geht es dann ausschließlich um Rendite und nicht mehr um den Nutzen für die Region", ist sich der Landrat sicher.

Die Idee einer Machbarkeitsstudie für ein autarkes Stromnetz nahm er auf, wies aber zugleich auf die Schwierigkeiten hin. "Die Altmark ist keine Windregion, außerdem können wir den so erzeugten Strom nicht speichern", gab er zu bedenken.