Einen gesunden Vormittag haben die Kinder der Kuseyer Kindertagesstätte "Haus der Zwerge" am Donnerstag in der Turnhalle an der Grundschule erlebt. Nicht, dass sie sich an diesem Tag bei Leibesübungen verausgabt hätten - vielmehr verfolgten sie gespannt das Puppenspiel Alfred Büttners, der mit dem Sodexo-Korbtheater angereist war. Der Puppenspieler erzählte die Geschichte vom dicken Hasenkind Paule. Im Anschluss servierte Küchenmeister Mario Skandera Platten mit gesundem Obst und Gemüse.

Kusey. Eine Dreiviertelstunde lauschten die Mädchen und Jungen, die die Kuseyer Kindertagesstätte besuchen, gespannt, was in der Turnhalle an der Grundschule vor sich geht: Das Korbtheater mit dem Essensversorgers Sodexo war zu Gast.

In dem Korb mit der Bühne, welche über mehrere Türen verfügt, gedreht werden kann und zwecks Dekorationswechsels während des Stücks tatsächlich mehrfach die Position wechselt, hatte es sich Alfred Büttner bequem gemacht. Er ist Puppenspieler und erzählte, verstärkt mit einem Mikrofon und zwischendurch die Reaktion des Publikums aus Kindern, Erzieherinnen, einigen Müttern und Pressevertretern bestehend ebenso wie die aktuelle Politik kommentierend, die Geschichte vom Hasen Paule.

"Mutti, du weißt doch aber, dass ich gar kein Gemüse mag"

Dieser ist ein naschhaftes Tier und bevorzugt - ganz im Gegensatz zu seinen Artverwandten in der freien Wildbahn - keineswegs Möhren und Rüben vom Acker des Bauern oder Salat aus Nachbars Garten. Paule steht auf Pommes, auf Eis und Süßigkeiten. "Du weißt doch, ich mag kein Gemüse", erklärt er seiner Hasenmutter.

Er hat keine Freunde, wird gern und oft verspottet - und ist unglücklich. Als ihm dann eines Tages das T-Shirt platzt und ein dicker Hasenbauch hervorquillt und er sich angesichts seiner Leibesfülle nicht einmal durch den Eingang zu seinem Schuppen zwängen kann, ist Schluss mit lustig: Paule möchte abnehmen. Er schwört sich, nichts mehr zu essen und nur noch Sport zu treiben.

Und damit verfällt er in das nächste Extrem: Er läuft durch das Dorf, bis er umfällt. Erst die junge Häsin Lilo, die ihn findet, macht ihm klar: Er kann nicht aufhören zu essen. Denn neben viel Bewegung ist es die richtige Ernährung, die Hasen wie Menschen gesund wachsen lässt. Lilo bringt Paule auf den Geschmack gesunder Dinge und erklärt ihm, dass man ihn auch gern haben kann, selbst wenn er nicht der ranke schlanke Hase ist wie sie. Dass der Hase Paul letztlich doch noch von seinem Übergewicht wegkommt, erscheint daher geradezu nebensächlich.

Grund für die Veranstalter des Essensversorgers, mit diesem Programm vom 8. Februar bis 5. Mai durch 30 Kindereinrichtungen und Grundschulen in ganz Deutschland zu touren: Laut einer OECD-Studie ist die Fettleibigkeit inzwischen als eine Volkskrankheit einzustufen. Und das betrifft nicht allein die Erwachsenen. So seien in Deutschland 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren als übergewichtig einzustufen, von diesen wiederum sind ein Drittel adipös - sie leiden an krankhafter Fettleibigkeit.

Der dicke Paule mit seinen Kameraden vom Korbtheater ist bereits seit vier Jahren in ganz Deutschland unterwegs. In mehr als 140 Einrichtungen hat er bereits Station gemacht, mehr als 13 000 Kinder haben ihn laut Veranstalter inzwischen gesehen und sich damit mit den Fragen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung und der ausreichenden Bewegung beschäftigt.

Das Programm soll nicht allein dem Nachwuchs zu einem Obst-und-Gemüse-Bewusstsein verhelfen. Es geht auch um Akzeptanz und Toleranz. Akzeptanz und Toleranz den Kindern gegenüber, die unter ihrem Übergewicht leiden. Zu oft würden sie ausgegrenzt und von ihrer Umwelt belächelt - mit der Folge, dass sie ihrem eigenen Körper gegenüber negative Gefühle entwickeln, heißt es in einer Pressemitteilung.

Neben dem Programm aus des Schauspielers Puppenkörbchen gibt es für die besuchten Einrichtungen auch pädagogisches Begleitmaterial. Mit den Szenetexten, Liedern, Noten und Tipps zu den verschiedenen Themen, die die Aktion anschneidet, sollen die jungen Zuschauer das Erlebte und Gelernte im Spiel vertiefen können.

Im Anschluss an die Vorstellung trat bei der Aufführung in Kusey der Puppenspieler Alfred Büttner vor die Bühne seines Korbtheaters und befragte die Mädchen und Jungen aus dem Dorf und der Umgebung, wie sie es denn mit dem Sport halten. Einige Kinder zeigten daraufhin, mit welchen sportlichen Übungen sie sich denn fit halten: Liegestütze wurden gezeigt, und vornehmlich Jungs berichteten davon, dass sie selbstverständlich Fußball spielen.

Nach all der Kultur und der Sportabfrage rund um die gesunde Ernährung durften die Jüngsten aus Kusey und Umgebung dann aber selber zulangen: Küchenmeister Mario Skandera, Leiter der Klötzer Großküche, hatte für die jungen Leute eine ganze Reihe an Platten mitgebracht: Appetitlich aneinandergereiht lagen da Kohlrabi, Gurken, Möhren und andere Gemüse, es gab die verschiedensten Sorten von Obst, auch ein paar Salzstangen zur Knabberei wurden nicht aus gesundheitlichen Gründen von der Tafel verbannt, welche im hinteren Bereich der Turnhalle der Grundschule Kusey aufgebaut worden war. Yvette Annecke, Kundenbetreuerin des Essensversorgers, ist mit dem Programm in der Region unterwegs und erzählt: "Die Kinder lassen sich mit dem Programm gut für das Thema gesunder Ernährung und sportlicher Betätigung interessieren. Sie sind bei der Vorstellung immer voll bei der Sache." Und auch was das Obst- und Gemüsebuffet angeht habe sie es bislang noch nie erlebt, dass der Nachwuchs lange Hasenzähne macht oder gar von Karotte, Kohlrabi und Co. noch nie etwas gehört hätte.

Wie die stellvertretende Leiterin der Kuseyer Kindertagesstätte Doreen Bauke übrigens im Anschluss an die Veranstaltung erzählte, teilt sie diese Einschätzung: Kinder seien dem Stück gegenüber sehr aufgeschlossen, und auch beim gesunden Essen greifen sie beherzt zu - gerade wenn sie dies von den erwachsenen Begleitern auch so sehen.

"Wenn es nach mir geht, könnten wir uns in zwei Jahren wieder bewerben"

"Kein Wunder, dass wir uns dieses Programm in diesem Frühjahr nicht zum ersten Mal nach Kusey geholt haben", so Doreen Bauke. Bereits vor zwei Jahren sei das Korbtheater samt dem Hasen Paule schon einmal in ihr Dorf gekommen. Und schon damals seien Programm und Buffet bestens angekommen. "Und wenn es nach mir geht, könnten wir uns in zwei Jahren wieder um einen Besuch bewerben", sagt die Vize aus dem Haus der Zwerge.

Das Hasenstück passte übrigens ganz ausgezeichnet ins Programm der Kuseyer Hauszwerge: Hatten sich die Mädchen und Jungen doch am Morgen erst bei einer Osterfeier amüsiert - und bereits dort waren Hasen Thema.

Nach den Ferien, so die Pädagogin, geht es in Kusey mit den Vorbereitungen für die nächsten großen Veranstaltungen im "Haus der Zwerge" weiter: der Muttertag und der Oma-und-Opa-Tag der Einrichtung wollen als nächstes vorbereitet werden.

   

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