10 000 IHK-Unternehmen, 3000 Handwerksbetriebe. Die Industriedichte (Arbeitsplätze je 1000 Einwohner) liegt in der westlichen Altmark über dem Landesdurchschnitt. Der Landkreis Stendal weist eine überdurchschnittliche Exportquote auf. Die Altmark ist ein Wirtschaftsraum. Das ist am Dienstag während des "IHK-Dialog Altmark" in Salzwedel deutlich geworden. Unter den Gästen war auch Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU). Sie stellte erste Überlegungen zur künftigen Wirtschaftsförderungskulisse vor.

Salzwedel. Kaum im Amt und schon in der Altmark, die zwar fast ein Viertel der Fläche, aber weniger als zehn Prozent der Einwohner Sachsen-Anhalts stellt. Anerkennende Worte fand Wolfgang März, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg für Ministerin Wolff. Und es lag durchaus eine gewisse Spannung in der Salzwedeler IHK-Geschäftsstelle, als sie ans Rednerpult trat. Denn im Koalitionsvertrag von SPD und CDU ist die Rede von einer Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung.

Diese wird es auch geben, daran ließ die Ministerin keinen Zweifel aufkommen. Drei Aufgaben benannte die 45-Jährige: Erstens das bestehende Einkommensgefälle zu westlichen Bundesländern. Das sei eine offene Flanke. Zweitens sollen Forschungsgelder künftig nicht nur in die "verlängerte Werkbank", sondern in die gesamte Wertschöpfungskette fließen. Drittens das "qualitativ demographische Problem", sprich die ungebremste Abwanderung von Hochschulabsolventen. Die einzelbetriebliche Förderung soll künftig angesichts knapper Förderkassen und steigenden Bedarf anders strukturiert und transparenter werden. Die Förderung hochwertiger wissensintensiver Arbeitsplätze, die auch besser bezahlt werden, soll stärker in den Mittelpunkt rücken. Zugleich versprach Ministerin Wolff, dass sie die regionale Wirtschaftsförderung ernst nehme. Aufatmen bei den hiesigen Unternehmern. Konkrete Aussagen zur Region Altmark gab es indes (noch) nicht zu hören.

Salwedels Landrat Michael Ziche (CDU), der nach Rücksprache mit seinem Stendaler Amtskollegen Jörg Hellmuth (CDU), faktenreich über die "Wirtschaftsregion Altmark" sprach, nahm den Ball der Ministerin auf. Mit Blick auf die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung sagte er: "Ich hoffe, dass die Region Altmark davon partizipiert." Das hat sie auch nötig. Denn laut Ziche ist die westliche Altmark mit Ingenieurarbeitsplätzen alles andere als reich gesegnet. Die Zahl der Patentanmeldungen tendiere gegen Null. Im Bereich Forschung sei die Region benachteiligt.

Ob und wie sich daran etwas ändert, ist offen. Das geplante Kompetenzzentrum frühkindliche Erziehung am Stendaler Hochschulstandort ist von der Wissenschaftsministerin mit keinem Wort erwähnt worden. Wohl auch zum Leidwesen von Rektor Prof. Andreas Geiger, der zu den Gästen des IHK-Dialog zählte. Aber es gab ja noch die Möglichkeit intensiver Gespräche nach dem offiziellen Teil...

Den Kopf in den Sand müssen die Altmärker nicht stecken. Die wirtschaftliche Entwicklung in den zurückliegenden Jahren war laut Ziche beachtlich. So erhöhte sich das Bruttoinlandsproduktion in der westlichen Altmark seit 2001 um 34 Prozent. Das ländlich geprägt nicht gleich Landwirtschaft heißt, zeige sich an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Fünf Prozent von ihnen arbeiten in der Landwirtschaft und im Forstwesen, 34 Prozent im produzierenden Gewerbe. Das verfügbare Einkommen stieg seit 2001 um 20 Prozent, liege mit 1744 Euro (im Jahr 2009) im Bundesvergleich aber noch immer im unteren Drittel. Die Arbeitslosenqoute der westlichen Altmark liege schon jetzt unter den im Koalitionsvertrag angepeilten zehn Prozent. Auch Dank der rund 2500 Pendler nach Wolfsburg.

Anhaltender Bevölkerungsverlust und eine zunehmende Überalterung stehen auf der anderen Seite. Doch nicht nur mit auskömmlichen Einkommen, sondern vor allem mit weichen Standortfaktoren wie ärztliche Versorgung, Geldautomaten und Fleischerei könne der weiteren Abwanderung entgegengewirkt werden. Das zeige eine aktuelle Studie, so Ziche. Chancen für die Region sehe er unter anderem im Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, einschließlich der B71, im schnellen Internet, in der Bioenergieregion und in einer stärkeren Nutzung von Innovationspotenzial, das heißt einer engeren Zusammenarbeit von Unternehmen mit der Wissenschaft.