Klötze. Für die altmärkische Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Die Linke) ist es nach eigenen Angaben "wichtig, nicht nur vor den Wahlen, sondern auch in der Zeit zwischen den Wahlen den Kontakt zum Wahlkreis zu haben". Und so hat sie, nachdem sie Kreishandwerksmeister Adelbert Neuling vor einigen Tagen auf der Ausbildungsmesse in Salzwedel getroffen hat, mit ihm einen Gesprächstermin vereinbart. Sich noch der Ausbildungsmesse erinnernd, sollte vornehmlich das Thema Ausbildung im Handwerk eine Rolle bei dem Gespräch bilden, wie Katrin Kunert erklärte.

Doch bevor das eigentliche Thema mit Landtagsmitglied Hans-Jörg Krause (Die Linke) gemeinsam diskutiert wurde, wollte Adelbert Neuling nochmals den noch zu beschließenden Rundfunkstaatsvertrag angesprochen wissen. Werde der in absehbarer Zeit beschlossen, dann würden gerade die Mittelständler, die verschiedene Fahrzeuge in ihren Betrieben zugelassen haben, erheblich zur Kasse gebeten. Für Adelbert Neuling bedeutet das in seinem Autohaus, dass er künftig das mehr als Fünffache an GEZ-Gebühren zahlen muss. "Und das auch, wenn das Fahrzeug gar kein Autoradio hat", wie sich der Kreishandwerksmeister in den vergangenen Wochen schlau gemacht hat. Am 30. Mai wird er zu dieser Problematik vor der Handwerkskammertagung sprechen und hofft darauf, weitere Mitstreiter für Proteste zu finden. Diese Front der Protestler auf möglichst viele Mittelständler, aber auch andere von den Neuregelungen Betroffenen auszuweiten, riet ihm Katrin Kunert: "Nur wenn es ein breites Bündnis gibt, wird es möglich sein, noch Änderungen vornehmen zu lassen." Für sie sei es nach eigenen Angaben geradezu unverständlich, dass der Staat mit der Änderung des Rundfunkstaatsvertrages durch die Kassierung von Gebühren in allen polizeilich gemeldeten Haushalten Mehreinnahmen bekommt, aber gleichzeitig auch noch die Mittelständler um ein Vielfaches mehr zur Kasse bitten wird.

Zur Ausbildungssituation im Handwerk schätzte Adelbert Neuling für die Handwerker im Altmarkkreis Salzwedel, aber auch für seinen eigenen Ausbildungsbetrieb ein, dass das Handwerk noch immer genügend geeignete Lehrlinge findet. "Im Handwerk gibt es für die jungen Leute noch gute Zukunftschancen, auch wenn es in den vergangenen Jahren immer schwieriger für hiesige Handwerksbetriebe geworden ist, junge Leute nach der Ausbildung im Betrieb zu halten". Ein Grund dafür sei, dass die jungen Leute nach ihrer Ausbildung in Betrieben in anderen Teilen Deutschlands weitaus mehr Geld verdienen würden. "Mehr Netto vom Brutto. Nur so können wir die jungen Fachkräfte in unseren Betrieben hier halten", ist sich Adelbert Neuling sicher. Schon seit Jahren sei das eine Forderung des Handwerks, aber bisher habe diese Forderung kein Gehör gefunden.

Für problematisch hält Adelbert Neuling auch, dass in den nächsten Jahren der Bildungsstand der Schulabgänger weiter schlechter wird, was sich letztlich auch auf ihre Ergebnisse in der Ausbildung in den Berufsschulen auswirken wird. Da sei die Bildung gefragt; müssen kompetente und vor allem ausreichend Lehrer im Land für alle Schulformen vorgehalten werden. "Das hat unser Land über die Jahre total verpennt", kritisiert Katrin Kunert den Lehrermangel. Hunderte Lehrer werden dem Land in den nächsten Jahren fehlen. Das jedoch wieder in Ordnung zu bringen, kann Jahre dauern, was letztlich auch jeder Ausbildungsbetrieb schmerzlich erfahren wird.