Tischler Asifiwe Kyando aus Tansania lernt seit Anfang der Woche in Remkersleben bei Christian Schreiner dem Schmied das Einmaleins des Metallbauhandwerks. Den Auslandsbesuch für den 36-Jährigen, der seit seiner Kindheit taub ist und in seinem Heimatort Tandala in einer Tischlerei einer Behindertenwerkstatt arbeitet, hat der Eilsleber Tischlermeister Christoph Timme eingefädelt.

Remkersleben/Eilsleben l Zielgenau, treffsicher und mit viel Kraft schlägt Asifiwe Kyando ein Loch in ein glühendes Stück Baustahl. Im Schmiedefeuer auf 1200 Grad erhitzt, wird aus dem magmaroten Metallstück auf dem Amboss und zig Hammerschlägen später ein Türscharnier. Der 36-jährige Tischler aus Tansania bekommt seit Anfang der Woche in der Schmiede von Christian Schreiner die Grundlagen der traditionellen Handwerkskunst gezeigt. Beide verständigen sich mit Händen und Füßen, oder mit Stift und Papier, denn seit einem Unfall in seiner Kindheit ist Asifiwe Kyando taub. Für den Afrikaner, der in seinem Heimatort Tandala die Tischlerei in einer Behindertenwerkstatt leitet, ist der Besuch in der Schmiede eine wertvolle Erfahrung. "Weil ihnen eine Schmiede im Ort fehlt, fehlen den Holztüren die nötigen Beschläge und Scharniere aus Metall. Bislang wurden einfache Möbelscharniere beim Einbau verwendet. Das soll sich nun ändern. Ich zeige ihm, wie man die Bauteile selber herstellen kann", erklärt Christian Schreiner, der seine Schmiede in Remkersleben betreibt. Er vermittelt dem 36-Jährigen das Einmaleins seiner Arbeit. "Auch zeige ich ihm, wie man schweißt", erklärt der Remkersleber, der seinem "Praktikanten" nicht nur sein Wissen mit auf den Weg geben möchte, sondern auch eine Schmiedegrundausstattung bestehend aus Amboss, einer Feldschmiede, Zangen und Hammer. "Solch eine nigelnagelneue Erstausstattung kostet zwischen 2000 und 3000 Euro. Um die Utensilien kaufen zu können, bin ich noch auf Sponsorensuche. Ich hoffe, dass die Utensilien im Sommer mit einem Container verschifft werden können."

Die Bildungsreise hatte Tischlermeister Christoph Timme als Entwicklungszusammenarbeit eingefädelt. 2009 hatte der gehörlose Tischler Asifiwe erstmals die Börde besucht. "Dieses Mal soll er auch einen Einblick in andere Gewerke bekommen. Die Fähigkeiten und Kompetenzen anderer Handwerker kennenlernen", erklärt der 43-jährige Eilsleber die Ausbildungsidee. Er und seine Familie unterstützen und besuchen die Werkstatt für Menschen mit Behinderung im Diakoniezentrum Tandala bereits seit zwölf Jahren. Ein Ort gelegen in zirka 2000 Meter Höhe. "2001 war das Jahr, in dem die Zollbestimmungen für Hilfsprojekt-Transporte geändert worden sind. Das ermöglichte und vereinfachte uns, Werkzeuge für eine komplette Tischlerei verschiffen zu können", erklärt der Holzfachmann. "Der Grundstein für unseren kleinen deutsch-afrikanischen Handwerker-Kreis ist jedoch schon viel früher gelegt worden. Und zwar bei uns in der Tischlerei 1987. Ein Diakon drückte damals bei meinem Vater drei Monate lang die ,Lehrbank`, bevor er zurück nach Tansania ging. 1989 wurde erst das Diakoniezentrum im tansanischen Hochland und im Anschluss daran die Werkstatt aufgebaut", erzählt der dreifache Vater, der vor zwei Jahren schon den Familienurlaub mit seinen drei Söhnen und seiner Frau für seinen Arbeitseinsatz nach Tandala nutzte. Gemeinsam mit seinem afrikanischen Kollegen Asifiwe wird er das nächste Mal am 26. Mai Richtung Tansania aufbrechen. Denn hier wird derzeit an einem neuen Werkstattgebäude für Menschen mit Behinderung gebaut. "Die Tischlerei, in der Asifiwe tätig ist, ist eigentlich nur für zwei Kräfte ausgelegt. Aktuell sind es aber bis zu sieben Mitarbeiter. Deshalb benötigen sie dringend ein weiteres Gebäude", erklärt er.

Dafür wird allerhand Baumaterial benötigt, für das noch Paten gesucht werden. Denn das Projekt wird größtenteils über Spenden finanziert. Der erste Spatenstich für das neue Gebäude war 2012 gefeiert worden. "Die Maurer waren bereits fleißig. Jetzt soll mit den Holzbauarbeiten begonnen werden. Hierfür habe ich meine Unterstützung zugesagt", erzählt Christoph Timme. Vor Ort ist ausschließlich Handarbeit und Muskelkraft gefragt. "Denn es gibt kein Sägewerk, das die großen Balken bearbeitet", weiß er aus Erfahrung.

Die Spendensammlung für den Kauf von 40000 Ziegelsteinen, 70 Kubikmeter Holz und 160 Wellblechplatten läuft in der Region über die Kirchengemeinde in Eilsleben. Ein Transport mit Hilfsmitteln, Maschinen und Werkzeugen, die ein Schmied zum Arbeiten benötigt, ist bereits für den Sommer geplant.

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