Großer Bahnhof herrschte am Sonnabend im beschaulichen 380-Seelen-Ort Bottmersdorf. Mit einem großen Festumzug blickten die Bewohner am Sonnabend auf ihre 1125-jährige Ortsgeschichte zurück - und zwar bis in die frühen Sonntagmorgenstunden und jeder Menge Glück.

Bottmersdorf l Anlässlich der 1125-Jahr-Feier zog es für den Festumzug am Sonnabend nicht nur fast ganz Bottmersdorf vor die Tür, auch zahlreiche Gäste aus den befreundeten Nachbargemeinden säumten den Straßenrand, oder reihten sich gleich mit in den bunten Tross ein. So wie Gertraude und Franz Müller aus Blumenberg. Sie hatten sich für die Cabriofahrt mit dem 98 Jahre alten Ford von Landwirt Eduard Schmidt durch die Gemeinde in Schale geworfen. Die mondäne Hut- und Zylinder-Fahrt in dem schwarzen Oldtimer ohne Verdeck hatte Klärchen möglich gemacht. Denn bei herrlichstem Sonnenschein hatten die Organisatoren nicht nur pures Glück mit dem Wetter, es fuhr auch buchstäblich bei ihnen mit. Und zwar mit Schornsteinfegermeister Manfred Schoof. Während der Glücksbringer von seinem Drahtesel aus Handküsse in die Menge warf, nahmen hinter ihm herausgeputzt und hoch zu Ross die Mitglieder des Pappelhofer Reitvereins um Diana Bahners am Umzug teil. Landwirt Werner Arndt präsentierte auf der Rundfahrt ebenfalls sein bestes "Pferd im Stall" - einen preisgekrönten Zuchtbullen aus seiner erfolgreichen Fleischrinderzucht.

Der bunte Tross, abgesichert von Polizei und Feuerwehr, war musikalisch von der bekannten Schalmeienkapelle aus Sülldorf angeführt worden.

Solch einen großen Umzug hatte es hier in der 380-Seelen-Gemeinde zuletzt kurz vor dem Mauerfall im August 1989 zur 1100-Jahr-Feier gegeben, erinnert sich Hans-Dirk Sill, der jüngst am 16. Juli mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Bottmersdorfer Ortsbürgermeister erklärt hatte. Für ihn war das die Konsequenz nach den Querelen rund um die Ortschaftsratswahl in Bottmersdorf. Ob hier nun neugewählt werden muss, steht indes noch nicht fest. Bis zur Entscheidung über das Verfahren bleibt der "alte" Ortschaftsrat in Amt und Würden und Stellvertreter Michael Biere leitet die Geschicke. Gemeinsam mit Ortswehrleiter Jörg Krückemeier führte Biere so auch am Sonnabend den Umzug an. Als Gratulant hatte sich auch Klein Wanzlebens Ortschef Horst Flügel eingereiht.

Hans-Dirk Sill hielt das bunte Treiben indes mit seiner Kamera fest. Statistisch gesehen sei die Bevölkerung Bottmersdorfs und Klein Germerslebens in den vergangenen 25 Jahren zusammen übrigens um nur rund 70 Einwohner geschrumpft, merkte er an. "Nach der politischen Wende wohnten in den beiden Geschwistergemeinden zusammengerechnet 780 Bürger. Heute sind es 710", erklärt Sill auf Nachfrage.

Auf das nächste große Jubiläum steuern nun die Kameraden der Wehr zu. 1996 hatten sie ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. "Das bedeutet, dass uns die nächste große Feierlichkeit in zwei Jahren ins Haus steht. Dann begehen wir unser 120-jähriges Feuerwehrjubiläum", erklärt Ortswehrleiter Jörg Krückemeier, der das Amt seit 2005 inne hat und in seinen Reihen derzeit 20 aktive Kameraden zählt. Sie präsentierten den Besuchern im Rahmen des Festes auch historische Feuerwehrtechnik. Das passende Gegenstück aus der Neuzeit hatten die Einsatzkräfte aus Wanzleben dabei. Sie lenkten die große Drehleiter durch den jubelnden Ort. Der ortsansässige Rettungsdienst Ackermann hatte sich ebenfalls mit seiner auf Hochganz polierten Wagenflotte eingereiht. Der mit der Auflösung des Heimatvereins im Januar neugegründete Förderverein der hiesigen Wehr kommt derweil auf 32 Mitglieder. Sie hatten bereits im März damit begonnen die 1125-Jahr-Feier zu planen. Über die Besucherresonanz zeigte sich Vorsitzender Silvio Lanz, der zudem auch stellvertretender Ortswehrleiter ist, mehr als zufrieden. "200 Portionen Erbsensuppe sowie 200 Nudelteller gingen aus der Gulaschkanone weg wie warme Semmeln", zeigte er sich mit seinem Team überglücklich. Gefeiert wurde mit zahlreichen Gästen aus den Nachbarorten bis drei Uhr morgens. Und zwar zur Musik von DJ Bernd Linke.

   

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