Zum 70. Mal hat sich am 10. April die Ermordung 58 unbekannter KZ-Häftlinge in Drackenstedt gejährt. Die örtliche Kirchengemeinde hat der Gräueltat am Sonntag mit einem Gottesdienst und einer Kranzniederlegung am Mahnmal gedacht.

Drackenstedt l Sieben Dekaden sind vergangen - doch die Betroffenheit über die grausigen Geschehnisse vom 10. April 1945 in der Gemeinde ist nach wie vor spürbar groß. Drackenstedt gedachte der KZ-Häftlinge, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in einer hiesigen Feldscheune von der SS ermordet wurden.

Zum Gottesdienst in der Dorfkirche waren neben Gemeindegliedern aus Drackenstedt und den umliegenden Orten Dreileben, Druxberge, Seehausen und Klein Wanzleben auch Landesminister Hermann Onko Aeikens, der ehemalige Landtagspräsident und derzeitige Vorsitzende des Landesverbands im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dieter Steinecke, sowie die Landtagsabgeordnete Silke Schindler und Gemeindebürgermeister Manfred Jordan gekommen.

Beate Schmidt vom Gemeindekirchenrat erinnerte an das schwarze Kapitel: "Damals wurden 58 unbekannte KZ-Häftlinge verschiedener Nationalität bei einem Todesmarsch vom KZ-Außenlager Stempeda des KZ Dora-Mittelbau über den Harz getrieben und von SS-Männern in einer Scheune hier in Drackenstedt ermordet."

Schmidt sprach außerdem über den elsässischen Priester Jean Uhl, der als 16-Jähriger mit weiteren jungen Luftwaffenhelfern Augenzeuge des Verbrechens wurde: "Uhl ist zusammen mit Familienangehörigen und einem Freund nach der deutschen Wiedervereinigung noch dreimal hier gewesen, um sich mit den Drackenstedtern gemeinsam an die schrecklichen Ereignisse zu erinnern, so auch zum 50. Jahrestag des Geschehens 1995. Kurz danach, im September 1995, wurde er wegen seines klaren Bekenntnisses gegen jede Form faschistischen Handelns von einem französischen Neonazi in seinem Pfarrhaus im elsässischen Kingersheim ermordet."

Im anschließenden Gottesdienst sprach Pfarrer Thomas Seiler in der Predigt über die Bedeutung des Gedenkens: "Es ist wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren, Intoleranz, Ausgrenzung und Menschenverachtung schon in ihren Anfängen zu erkennen und ihnen entgegenzutreten, damit sich solche Ereignisse wie vor 70 Jahren niemals wiederholen."

Unter Glockengeläut gingen die rund 60 Teilnehmer der Gedenkfeier zum Friedhof, auf dem sich die Grabstelle der Opfer und ein Ehrenmal befindet. Vertreter der Gemeinde, der evangelischen Kirche sowie des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge legten Kränze nieder. Kirchenratsvorsitzende Marion Fruth trug Worte des Gedenkens vor, Dieter Steinecke sprach ein Gebet, und Beate Schmidt schloss die Ehrenbekundung mit dem Gedicht "Stationen auf dem Wege zur Freiheit" des Widerstandskämpfers und Theologen Dietrich Bonhoeffer.

Feierlich umrahmt wurden der Gottesdienst und die Kranzniederlegung von Posaunenbläsern aus Eilsleben und Hermsdorf.

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