Das Bördekrankenhaus Neindorf schließt zum Ende dieses Jahres die Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin. Grund sind zu wenige Geburten und Behandlungsfälle in der Pädiatrie.

Oschersleben l Werdende Mütter aus der Region, die zum Jahresende ihr Babys auf der Geburtsstation des Bördekrankenhauses Neindorf zur Welt bringen wollten, müssen sich eine andere Klinik suchen. Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin wird geschlossen. Grund dafür sind die gesunkene Anzahl von Geburten sowie der sinkende Bedarf an stationärer Behandlung in der Pädiatrie (Kinderheilkunde). Im Jahr 2011 kamen in Neindorf 206 Kinder zur Welt. 300 Geburten sind nach den "Rahmenvorgaben für die Versorgungs- und Qualitätsziele der Krankenhausplanung Sachsen-Anhalts" nötig, um eine Geburtsklinik am Leben zu halten.

"Die beiden Abteilungen sind im aktuellen Krankenhausplan des Landes Sachsen-Anhalt mit einem Auflassungsvermerk gekennzeichnet", sagte Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Wüstner. Dass heißt, sie sollen geschlossen werden. "Auch wenn die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe geschlossen wird, ist beabsichtigt, dass unsere Gynäkologen innerhalb der Klinik für Chirurgie gynäkologische Operationen weiterhin durchführen werden", erklärte Wüstner.

Zudem wolle die Rhön-Klinikum AG ein neues Bettenhaus bauen und investiert dafür 5,1 Millionen Euro. Hinzu kommen 6,4 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm für Krankenhausbauten. "Die Mittel für das 2009 beschlossene Investitionsprogramm kommen aus den Beiträgen der Benutzer der Krankenhäuser oder ihrer Kostenträger", verdeutlichte Wüstner.

Über die Vergabe der Fördermittel habe 2009 eine Kommission aus den Landesverbänden der Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaft und dem Ministerium für Arbeit und Soziales entschieden. Die Vergabe sei jedoch daran gebunden gewesen, die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin zu schließen. Der Geschäftsführer betonte dennoch, dass diese Förderzusage aus seiner Sicht ein Bekenntnis der Kostenträger und des Landes zum Krankenhaus-standort Neindorf sei.

Investitionen an Schließung der Kliniken gebunden

In seinem Förderantrag hat der ehemalige Träger des Krankenhauses, die Medigreif-Gruppe, die Schließung der schon seit längerem unter Beobachtung stehenden Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin vorgesehen, sofern sich kein deutlich positiver Trend beim Bedarf für die Leistungen dieser Kliniken abzeichnet.

"Den mit dem Bevölkerungsrückgang verbundenen Geburtenrückgang können wir nicht aufhalten, so dass uns jetzt keine andere Wahl bleibt, als die Kliniken zum Jahresende 2012 zu schließen", bedauerte der Verwaltungsleiter des Krankenhauses, Dr. Horst von Kracht. Seit Jahren könne man nur etwa zwei Drittel der geforderten Mindestzahl von 300 Geburten nachweisen.

Wie Wüstner sagte, bekomme das Personal der zu schließenden Kliniken die Möglichkeit, in die Erwachsenenpflege umzuschulen. Auch die Ärzte bekämen die Chance, in der Chirurgie weiterzuarbeiten. Mit dem Neubau werde es die klassischen Stationen für Inneres und Chirurgie nicht mehr geben. Vielmehr werde es fünf Stationen geben, die sich nach dem Pflegeaufwand der Patienten gliedern. Angefangen von der Intensivstation bis hin zum geringen Pflegebedarf. Mit dem Neubau verstärke das Bördekrankenhaus seinen Schwerpunkt der altersgerechten Medizin, da die Menschen im Kreis immer älter würden.

Verwaltungsleiter von Kracht kündigte den Beginn der Bauarbeiten im Bördekrankenhaus ab Mitte August an. "Wir beginnen mit der Schaffung von Übergangslösungen für die im Bettenhaus 2 untergebrachten Stationen. Danach beginnen die Abbrucharbeiten einiger Nebengebäude und später dann der Abbruch des alten Bettenhauses. Im Juni 2015 wollen wir komplett fertig sein."

"Entstehen wird ein Neubau als Ersatz für das 1990 in Betrieb gegangene Bettenhaus", erklärte Wüstner. Der Neubau sei erforderlich, weil das alte Bettenhaus nach einem DDR-Projekt für ein vorgefertigtes Plattenbau-Wohnheim errichtet worden sei. "Das war ein Schwarzbau", sagte der Geschäftsführer, der heute den Ansprüchen nicht mehr genüge.

Außerdem lässt das Krankenhaus die Baracke der früheren Krankenpflegeschule abreißen. Dort entstehen mehr als 50 Parkplätze für Mitarbeiter des Bördekrankenhauses.

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