Werben l In Werben fand gestern eine beeindruckende Demonstration für den Erhalt der örtlichen Grundschule statt. Deutlich über 100 Personen zogen lautstark und mit Transparenten ausgestattet von der Schule aus ins Stadtzentrum. Am Rathaus gab es eine Kundgebung.

Gegen 7.30 Uhr füllte sich die Straße vor der Schule mit Menschen. Viele Kinder und noch viel mehr Erwachsene fanden sich ein, zeigten Transparente und Plakate. "Wer Schulen zumacht, denkt nicht weiter", "Schließung unserer Schulen - Steuerverschwendung", "Unsere Schule - unsere Zukunft", "Stoppt Grundschul-Schließungen" und viele andere Sprüche waren zu lesen. Aber auch ein Slogan der SPD Sachsen-Anhalts im Landtagswahlkampf wurde aufgegriffen. Der Spruch der Partei lautete damals: "Wir streichen keine einzige Schule, sondern alle". Darauf ist ein Kind mit einem großen Farbpinsel in der Hand zu sehen - eine Aussage, die von bei der Demo als Wahlkampflüge entlarvt wurde.

Unter den erwachsenen Teilnehmern befand sich auch Anja Rose. Gegenüber der Volksstimme meinte die Werbenerin: "Ich bin hier zur Schule gegangen, aber auch schon meine Eltern und mein Großvater. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mir von der Maulbeerhecke erzählte, die damals hier stand. Von der Hecke gibt es heute noch ein Überbleibsel - eine Maulbeere ist zu einem stattlichen Baum herangewachsen. Es macht mich sehr traurig, dass eine Schule mit einer solchen Geschichte geschlossen werden soll. Als ich von der Demo gehört habe, war für mich klar, dass ich teilnehme."

Ines Bergmann erzählt Kindern eine Geschichte

Elternsprecherin Ines Bergmann begrüßte die Teilnehmer und brachte ihre Freude über die große Resonanz zum Ausdruck. An die anwesenden Kinder gerichtet, erzählte sie eine kurze Geschichte - über die 100 Jahre alte Werbener Schule und die Hansestadt. "Irgendwann hieß es, ihr braucht hier keine Schule mehr in eurer Stadt, weil zu wenig Kinder da sind. Darum aber zogen die Eltern mit ihren Kindern in eine andere Gegend - dorthin, wo es kleine Schulen auf dem Land gibt. Dann war es gar nicht mehr schön in Werben, weil es so sehr leer war. Aber wir wollen einen guten Ausgang unserer Geschichte. Und darum sind wir heute hier und demonstrieren." Dann ging es auch schon los. Alle Demo-Teilnehmer marschierten von der Schule in Richtung Marktplatz. Unterwegs erklangen Sprechchöre wie "Rettet unsere Schule" und "Schule muss bleiben".

Vor dem Werbener Rathaus versammelten sich alle. Die Kinder platzierten sich auf der Rathaustreppe. Und den Organisatoren der Demo war es wichtig, dass die Kinder und Eltern das Wort ergreifen. Als erste trauten sich die Schüler. "Wenn unsere Schule schließt, müssen wir so weit mit dem Bus fahren und so lange warten. Das will ich nicht. Unsere Schule muss bleiben", sagte ein Mädchen. Eine andere Schülerin meinte: "Wir haben eine so tolle Schule und gute Lehrer. Nun soll sie geschlossen werden - das ist der totale Quatsch!" Ein Junge sagte: "Weil unsere Schule toll ist, soll sie bleiben."

Die Giesenslagerin Ursula Blume-Hartwig gehörte mit zu den Demonstrantinnen. Sie sagte: "Ich freue mich, dass die Kinder so gern in die Schule gehen. Das ist nicht selbstverständlich und es spricht für die Werbener Schule." Auch der Familienvater Sören Dreifke ergriff das Wort. "Wir sind als Familie extra hierhergezogen, weil Werben eine so schöne Stadt ist und weil unsere Kinder gerade hier zur Schule gehen sollten. Jetzt soll sie geschlossen werden. Das ist nicht nachvollziehbar. Aber ich bin optimistisch, dass Entscheidungsträger noch ein Einsehen haben und die Schließung abwenden werden", so Dreifke, der mit seiner Familie aus Nordrhein-Westfalen nach Werben zog. Sein Großvater war einst Direktor der Werbener Schule.

"Bildungskahlschlag ein Ende setzen" - Jochen Hufschmidt

Mit Bedauern wurde bei der Demonstration zur Kenntnis genommen, dass etwa von der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck kein Vertreter zugegen war. Ines Bergmann: "Aber es wird nicht die letzte Freitagsdemo in Werben gewesen sein. Zur nächsten Kundgebung werden wir viele Leute schriftlich einladen." Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt zeigte sich beeindruckt von der Demonstration. "Heute ist ein guter Tag für die Zukunft unserer Stadt", sagte er und erntete den Beifall der Demonstranten. Er forderte, dass die Entscheidung, die Werbener Schule zu schließen, zurückgenommen wird. Es tue sich etwas im Land. Politiker sähen sich einem wachsenden Widerstand gegen die flächendeckenden Schulschließungen ausgesetzt. Er hoffe, dass bald dem Bildungskahlschlag im Land ein Ende gesetzt werde.

Im Anschluss an die Kundgebung am Rathaus zogen die Demo-Teilnehmer wieder zurück zur Schule. Mehr als 100 von ihnen formierten sich zu einem Kreis um das Gebäude. Noch einmal wurde in Sprechchören der Erhalt der Schule gefordert.

Die Organisatoren bewerten die gestrige Kundgebung als einen großen Erfolg. In Werben soll es weitere "Freitagsdemos" für den Schulerhalt geben. Dabei solle es nicht nur um die Werbener Schule gehen, sondern vor allem um ein Zeichen gegen die "verfehlte Schulschließungspolitik" in Sachsen-Anhalt.

"Ich kann nur hoffen, dass das Beispiel Werben Schule macht und landesweit lautstark gegen die Schulschließungen demonstriert wird", so Stadtratsmitglied Michael Schnelle (CDU) gegenüber der Volksstimme.

   

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